Quartett steht vor dem Landgericht Paderborn - Taten in Lichtenau, Bielefeld und Gütersloh
Betrug mit Wohnmobilen: erst gemietet – dann verkauft

Paderborn/Gütersloh/Bielefeld (WB) -

Mit Corona hat die Popularität von Wohnmobilen noch einmal zugenommen. Kein Wunder, dass auch Privatleute immer öfter ihr Gefährt für Ur­laubsreisen vermieten. Und daraus machen dann dreiste Betrüger ein Geschäft: Sie geben die gemieteten Wohnmobile nicht zurück, sondern verkaufen sie auf eigene Rechnung. Diese dreiste Masche hat vier mutmaßliche Mitglieder einer Bande jetzt vor Gericht gebracht.

Freitag, 04.12.2020, 11:30 Uhr aktualisiert: 04.12.2020, 12:36 Uhr
Symbolbild. Foto: dpa

Es geht vor der 8. Großen Strafkammer des Landgerichts Paderborn „nur“ um vier Wohnmobile – denn die Staatsanwaltschaft vermutet eine höhere Dunkelziffer, die aber ermittlungstechnisch nicht für weitere Vorwürfe gegenüber den Angeklagten reichen. Vor der Strafkammer stehen – wie berichtet – seit gestern ein rumänisches Ehepaar aus Essen (27 und 31), ein Montenegriner (36) ohne Wohnsitz in Deutschland und – lediglich in einem Fall der Beihilfe angeklagt – ein weiterer Rumäne (36) mit Adresse in Gelsenkirchen. Er hatte sozusagen das Pech, an jenem 7. Juni mit der Bande zu agieren, als sie in Gütersloh geschnappt wurde. Für die anderen Drei lautet die Anklage auf gewerbs- und bandenmäßigen Betrug und Urkundenfälschung.

Begonnen hatte der jetzt angeklagte Tatzeitraum Mitte April in Bielefeld. Dort hatte der Montenegriner ein Fiat-Wohnmobil für zehn Tage angemietet, das dessen Besitzer zuvor in einer Internet-Kleinanzeige angeboten hatte. Anstatt das Fahrzeug pünktlich zurückzugeben, verschwand es – zunächst wohl irgendwo in Gelsenkirchen zwischengeparkt und dann für 41.000 Euro weiterverkauft. Das Essener Ehepaar soll hier – wie bei den anderen Taten – mit seinen Pkw als Fahrer fungiert und auch vor Ort das Geschehen „überwacht“ haben. Die Staatsanwaltschaft sieht beide jedoch als vollwertige Bandenmitglieder, da diese komplett arbeitsteilig vorgegangen sei. Wie viele Personen an den krummen Geschäften beteiligt waren, ist unklar: Zumindest müssen weitere Täter oder Mittelsmänner im Spiel gewesen sein, denn in allen Fällen wurden die Fahrzeugpapiere der Wohnmobile gefälscht – und zwar auf echten Blanko-Dokumenten, die vermutlich aus Zulassungsstellen gestohlen wurden.

Drei weitere Wohnmobile sollen sich die Angeklagten auf dieselbe Weise verschafft, allerdings nicht immer mit Erfolg wieder abgesetzt haben: Im sauerländischen Feudingen sollen sie Ende April einen Fiat Ducato übernommen haben, der dann in Wanne-Eickel für 39.000 Euro verkauft werden sollte – weil der potenzielle Käufer Unrat witterte und die Polizei verständigte, ließen die Täter das Fahrzeug einfach stehen. Anders ein in Morsbach im Siegerland angemietetes Fahrzeug: Es wechselte für 42.000 Euro den Besitzer und wurde nie mehr gesehen. Die Ermittler vermuten, dass es nach Belgien ausgeführt wurde. Anfang Juni zog die Polizei in der Nähe von Passau ein Wohnmobil des Typs FLA Italy aus dem Verkehr, das seine Besitzer gerade für 35.000 Euro gekauft hatten in ­– tatsächlich soll es die Bande ein paar Tage zuvor in Lichtenau gemietet haben.

Am 7. Juni gingen die Angeklagten in eine Falle, die ein Verwandter des Bielefelder Wohnmobilbesitzers gestellt hatte: Der Mann, misstrauisch geworden und kühl kalkulierend, hatte mit authentischen Fotos ein nicht existentes Wohnmobil zum Vermieten inseriert – und die Bande schluckte den Köder tatsächlich. Am Treffpunkt in Gütersloh wartete aber nicht nur ein präpariertes Wohnmobil, sondern auch die Polizei.

Die Staatsanwaltschaft Paderborn spricht von einem Gesamtschaden von 118.000 Euro. Wie hoch die kriminelle Energie war, zeigt der Umstand, dass der Montenegriner stets mit einem gefälschten Personalausweis aufgetreten sein soll. Woher die Blanko-Fahrzeugpapiere stammen, ist noch unklar.

Das Gericht hat zahlreiche Verhandlungstage bis Ende Januar angesetzt.

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