Kein Sportunterricht mehr ab Klasse 8 – Impfzentrum soll Mitte Dezember mit Probeläufen starten
Stabil hohe Inzidenz: OB ist besorgt

Bielefeld -

Der „Lockdown light“ hat keine deutliche Verbesserung der Lage und des Infektionsgeschehens gebracht. Es habe sich in Bielefeld stabil bei einem Inzidenzwert um 200 eingependelt,

sagt Oberbürgermeister Pit Clausen. Das bereitet dem Stadtoberhaupt Sorgen. „Wir kommen mit der Kontaktnachverfolgung nicht hinterher.“

Freitag, 04.12.2020, 06:09 Uhr
OB Pit Clausen (rechts) und Ingo Nürnberger appellieren erneut an die Bielefelder, sich vorsichtig zu verhalten – auch aus Solidarität mit anderen. Foto: Bernhard Pierel

Deshalb hat Clausen in der Pressekonferenz des Krisenstabs am Donnerstag angekündigt, dass er, um die Infektion einzudämmen, von seinem Hausrecht Gebrauch mache und die Sporthallen und Schwimmbäder ab kommenden Montag für den Schulunterricht ab Klasse 8 sperre. „Ab Klasse 8, weil nach den Erkenntnissen des Robert-Koch-Institutes junge Menschen ab 14 so infektiös sind wie Erwachsene.“ Die Regelung ist zunächst bis Ende Januar befristet.

Mit Duisburg, Hamm, Solingen, Hagen und Herne – ebenfalls Städte mit 200er-Inzidenz – hat Bielefeld zudem verabredet, für den Schulbereich Regelungen zu formulieren, die musterhaft sein könnten. „In fast allen weiterführenden Schulen hatten wir im November Corona- und Quarantänefälle“, begründet Clausen den Vorstoß. Denkbar wäre für ihn etwa da, wo eine räumliche Entzerrung nicht möglich ist, ein Wechselunterricht von Präsenz- und „Heim“woche oder ein Unterricht, der auf Vor- und Nachmittage verteilt wird. „Da die Voraussetzungen in den Schulen unterschiedlich sind, sollten die Vorgaben so formuliert sein, dass sie den Schulleitungen anheim stellen, wie sie es angehen“, sagt Clausen.

Gespräche darüber hat er stellvertretend nicht etwa mit dem Schulministerium, sondern mit dem Staatssekretär im NRW-Gesundheitsministerium geführt. Dort sei man offen für das Thema.

Offen halten will die Stadt die Kitas. Auch dort gebe es zwar Coronafälle, aber wenige Cluster, da gerade jüngere Kinder wenig infektiös seien, sagt Clausen. Kitas zu schließen, gibt Ingo Nürnberger, Leiter des Krisenstabs, zu bedenken, würde zudem einen weiteren Teil des Wirtschaftslebens zum Erliegen bringen. Außerdem gelte es, die Bildungschancen der Kinder zu wahren. Aktuell sind 832 Kinder und Schüler in Bielefeld in Corona-Quarantäne, hinzu kommen 86 Erzieher und Lehrer.

Ausgeweitet werden sollen die Beratungszeiten der Bielefelder Corona-Hotline (0521/51-2000) auf 8 bis 18 Uhr von Montag bis Freitag, zudem ist eine bessere Erreichbarkeit am Wochenende angestrebt. Besetzt werden derzeit die 30 Stellen der so genannten Containment-Scouts, die die Kontaktnachverfolgung Infizierter betreiben. Für die nächste Ratssitzung plant Nürnberger eine weitere Vorlage: Er will mehr Ärzte und Hygienekontrolleure einstellen.

Erfreut konnte der Krisenstabsleiter mitteilen, dass man bald mitteilen könne, wo ein Impfzentrum eingerichtet werde: „Wir haben eine hervorragende Immobilie gefunden.“ Lediglich Einbauten seien nötig, um die Impfstraßen – zwischen fünf und neun – einrichten zu können. Möglichst Mitte Dezember soll es die ersten Probeläufe geben. „Die Organisation muss sicher und reibungslos funktionieren. Ich erwarte, dass wir in Hochzeiten bis zu 2000 Menschen am Tag durchschleusen werden.“

Die medizinische Betreuung wird bei der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) liegen. Immobile, pflegebedürftige Menschen, die auf der Prioritätenliste ganz oben stehen, werden bei Bedarf aufgesucht, die anderen Bürger dann nach und nach eingeladen. Wer eine Erkrankung wie etwa Diabetes hat, hat Vorrang, benötigt aber eine ärztliche Bescheinigung. Geimpft wird nur nach Terminvergabe über die KV. „Ich rechne damit, dass wir spätestens im Sommer auch einen Impfstoff haben, der über die Hausärzte verabreicht werden kann“, sagt Nürnberger.

Auch ein Ersatzstandort für das Corona-Testzentrum an der Feldstraße ist in Sicht, man sei in Verhandlungen mit dem Eigentümer einer Immobilie, so Nürnberger.

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