Der Bielefelder GAB-Gründer Franz Schaible feiert seinen 70. Geburtstag
„Ich bin ein Solidari-Täter“

Bielefeld -

Franz Schaible erzählt von s

ich. „Zuerst habe ich Dreher gelernt“, berichtet er. „Da gab‘s einen Kollegen, der hieß Franz, genau wie ich, und der ging da gerade in Rente.“ Dieser Franz käme vielleicht mal auf einen Schrottplatz und könnte sagen: „An der Maschine habe ich mitgebaut und an der.“ Diese Aussicht für sein eigenes Leben habe ihm nicht gefallen, sagt Schaible, der an diesem Freitag 70 wird. Er wolle mal Menschen begegnen, über die er sagen könne: „Dem habe ich geholfen, und der auch.“

Freitag, 04.12.2020, 06:14 Uhr aktualisiert: 04.12.2020, 06:20 Uhr
Der Einsatz für die „kleinen Leute“ Foto: Bernhard Pierel

Die Geschichte steht dafür, was Franz Schaible sein will: Einer, der solidarisch ist, die unterstützt, die weniger haben, die, die mal durchs Rost gefallen sind. Arbeitslose, Geflüchtete, Gestrauchelte.

Die sieben Lebensjahrzehnte sieht man Schaible nicht an. Und auch nicht, dass er jemand ist, der ein Bündel von Gesellschaften führt und gegründet hat. Unter dem Dach der Stiftung Solidarität firmiert die GAB, die Gesellschaft für Arbeit und Berufsförderung, in unterschiedlichen, eigenständigen Ausrichtungen. Es gibt sie nicht nur in Bielefeld, sondern auch im Sauerland, in Berlin, Brandenburg oder Sachsen. Die Sozial-Aktiengesellschaft gehört dazu, auch Museen wie das Bielefelder Bauernhausmuseum oder die Alte Ziegelei Westeregeln in Sachsen-Anhalt. Weit mehr als 1500 Menschen finden bei all diesen Einrichtungen Lohn und Brot.

Wer sagt, da sei ja ein richtiger Wohlfahrtskonzern entstanden, trifft sofort auf Schaibles Widerspruch. Das stimme weder betriebswirtschaftlich noch inhaltlich, sagt er. Die meisten agierten selbstständig, jedes Projekt habe auch seinen ganz eigenen Charakter.

Und der Begriff „Konzernlenker“ passt auch so gar nicht zu einem Mann, der seit vielen Jahren mit einem inzwischen etwas altersschwachen gelben Bulli mit Tisch und Sitzbank drin unterwegs ist, um für seine Ideen bei Ministerien, Ämtern und Behörden zu werben.

Und Ideen hat er auch 40 Jahre nach der ersten GAB-Gründung noch reichlich. Gerade wieder die Sache mit dem „Solidarpaket“. Er hat zu Spenden für die aufgerufen, die sich kein Weihnachtsgeschenk leisten können. Und die Geschenkgutscheine werden dann ganz unbürokratisch ausgegeben. Wer einen Bielefeld-Pass hat, bekommt einen Gutschein. Kein Papierkrieg, dafür schnelle Hilfe. „Eine Idee, von der ich mir wünsche, dass sie weit über Bielefeld hinauswächst“, sagt Franz Schaible.

Der 1,59-Meter-Mann ist immer zurückhaltend geblieben, wirkt bescheiden, ist aber entschieden in der Sache. In der Sache der kleinen Leute. Das hat ihm viel Respekt eingebracht, weit über Bielefelds Grenzen hinaus. Mit dem Regine-Hildebrandt-Preis, der an die frühere brandenburgische Sozialministerin und SPD-Politikerin erinnert, hat er wiederum ein Zeichen gesetzt, um die auszeichnen zu können, die so ähnlich denken wie er.

Los ging alles 1980. Als frisch gebackener Diplom-Soziologe auf dem zweiten Bildungsweg bezog Schaible an Bielefelds vermeintlich nobelster Adresse, im Crüwell-Haus am Alten Markt, sein erstes GAB-Büro. „Die Miete betrug 3,50 Mark pro Quadratmeter“, erinnert er sich noch genau. Inzwischen ist das frühere Depot der britischen Streitkräfte an der Meisenstraße die Stiftungs- und GAB-Zentrale.

Dort gibt es an diesem Freitag wegen Corona keine große Party. Die mag Schaible ohnehin nicht. Dafür ist eine besondere digitale Überraschung (zu verfolgen bei Facebook und auf Kanal 21) für einen geplant, der für sich eine ganz eigene Berufsbezeichnung gefunden hat: „Ich bin ein Solidari-Täter.“

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