Sportfischer und Naturschutzverband werfen Feuerwehr und Umweltamt in Bielefeld Versagen vor – Strafanzeige erstattet
Fischsterben nach Großbrand

Bielefeld -

Der Großbrand mit bis zu 700.000 Euro Schaden auf dem Bauernhof Zerbe in Bielefeld-Jöllenbeck beschäftigt nicht nur Ermittler der Bielefelder Kripo. Während die Polizei weiter nach dem Brandstifter sucht, der am Mittwoch vergangener Woche eine große Scheune angezündet haben soll, schlagen Sportfischer aus dem Norden Bielefelds und der hiesige Umwelt- und Naturschutzverband BUND Alarm. Die Einleitung eines Teils des mit Asche und Erde versetzten Löschwassers beim 26-stündigen Feuerwehreinsatz in den Pfarrholzbach unmittelbar an der Brandstelle habe ein Fischsterben und Umweltschäden bis hin zum Obersee verursacht.

Donnerstag, 03.12.2020, 05:49 Uhr aktualisiert: 03.12.2020, 07:10 Uhr
Nach dem Ende der 26-stündigen Löscharbeiten treibt ein weißer Schaumteppich auf dem Beckendorfer Mühlenbach. Das Foto entstand unterhalb der Einmündung des Pfarrholzbaches in den Mühlenbach. Zuvor war das Löschwasser in den Pfarrholzbach gelaufen. Foto: Linnert

Ein erster Aktivist des BUND habe Strafantrag bei der Staatsanwaltschaft wegen Umweltverschmutzung gestellt, heißt es. Weitere Anzeigen sowie Dienstaufsichtsbeschwerden gegen das städtische Umweltamt und die Berufsfeuerwehr sind angekündigt. Zudem hat der BUND dem Umweltamt kritische Fragen gestellt. Die städtische Behörde habe erst etwa acht Stunden nach Brandausbruch die Einsatzstelle in Jöllenbeck aufgesucht und sei dann untätig geblieben, so einer der Vorwürfe. 

„Das Löschwasser ist tödlich, weil Asche mit Sauerstoff reagiert und diesen aus dem Wasser raus zieht“, wirft Diplom-Biologe Heinrich Linnert der Feuerwehr und dem Umweltamt „ein unglaubliches Versäumnis“ vor. Linnert (54) ist Fischereipächter des Beckendorfer Mühlenbaches, in den der mit dem Löschwasser versetzte Pfarrholzbach mündet. Auf dem Pfarrholzbach hätte die Feuerwehr zeitnah nach Beginn des Einsatzes Sperren setzen und das Löschwasser am Abfließen hindern oder dieses in ein altes Klärwerk unterhalb der brennenden Scheune leiten und später der Kanalisation übergeben oder abpumpen müssen, sagt der 54-Jährige.

Eigenen Angaben zufolge hat der Diplom-Biologe neben Schaumteppichen auf den Gewässern etwa ein Dutzend tote Fische gesichtet. Der 54-Jährige geht von weiteren verendeten Tieren aus, die vor ihrer Entdeckung von Nagetieren und Füchsen oder Bachkrebsen zerlegt worden sind.

Dieser Zeitung liegen Videos vor, wonach der von organischen Stoffen im Löschwasser verursachte Schaum aus dem Bielefelder Norden über den Johannisbach bis zum Obersee getrieben ist. Dort im Bereich des Viadukts, an der Grenze zum Stadtbezirk Heepen, sei 36 Stunden nach Ende der Löscharbeiten in Jöllenbeck der Brandgeruch vom Schaum noch zu riechen gewesen, sagt ein Augenzeuge.

Fischereipächter Linnert hat eigenen Angaben zufolge am vergangenen Donnerstag drei Gewässerproben aus dem Pfarrholzbach und dem Beckendorfer Mühlenbach genommen. „Die stark erhöhten Stickstoffwerte belegen eindeutig, dass die Asche Sauerstoff aus dem Wasser rausgezogen hat“, berichtet er von der Auswertung der Proben.

Andere Sportfischer sehen noch ein weiteres Problem. Mit dem Löschwasser sei Erde von der Wiese vor der brennenden Jöllenbecker Scheune in die Gewässer geschwemmt worden. Die Erde setze sich auf dem Grund über den Kieseln in den Bächen ab. Damit werde den neu angesiedelten Bachforellen die Möglichkeit genommen, jetzt zur Laichzeit zwischen den Kieseln ihre Eier abzulegen.

Vom städtischen Umweltamt, das behauptet hatte, dass das Löschwasser keine Schäden verursacht habe, war am Mittwoch keine Stellungnahme zu erhalten. Bielefelds Feuerwehrchef Hans-Dieter Mühlenweg versicherte erneut, dass bei den Löscharbeiten keine Chemikalien wie Schaum oder Tenside eingesetzt worden seien. „Wir prüfen jetzt genau, was geschehen ist“, versicherte der Wehrchef, die Vorwürfe nicht auf sich beruhen zu lassen.

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