Fotograf Bernhard Pierel auf Entdeckungstour im Bielefelder Telekom-Hochhaus
Der Beton-Riese und seine Geheimnisse

Bielefeld (WB) -

„Lost Places“, frei übersetzt vergessene Orte. So werden gern nicht mehr genutzte Anlagen oder Gebäude genannt. Aktuell sind „Lost Places“ angesagt, hält sich bei vielen Menschen eine Faszination für verborgene und verwunschene Objekte. Es hat sich gar ein „Lost Places“-Tourismus etabliert.

Mittwoch, 02.12.2020, 10:24 Uhr aktualisiert: 02.12.2020, 11:52 Uhr
Von der 14. Etage aus liegt dem Betrachter die Stadt zu Füßen. Auch von der rückwärtigen Seite (rechts die Fassade von der Kavalleriestraße aus betrachtet) bietet sich ein weiter Blick bis zum Wiehengebirge. Foto: Bernhard Pierel

Anhänger dieses Trends würden auch im und am Telekom-Hochhaus in Bielefeld fündig. Allerdings: Dieser Ort bleibt Besuchern schon aus Sicherheitsgründen in der Regel verschlossen. WESTFALEN-BLATT-Fotograf Bernhard Pierel aber hatte die Gelegenheit, den Beton-Koloss und seine Geheimnisse zu erkunden.

Das 112,81 Meter hohe Gebäude (gerechnet bis zur Antennen-Spitze) präsentiert sich gerade weithin sichtbar als großes Gerippe, steht völlig entkernt da, wird vom neuen Eigentümer, der Bielefelder Firma Goldbeck, vorbereitet auf eine Zukunft als Verwaltungsgebäude. Tief unten, genauer gesagt im zweiten Untergeschoss des ebenfalls zu dem Komplex gehörenden Parkhauses, befindet sich allerdings so ein vergessener Ort, eine gewaltige Bunkeranlage.

1333 Menschen sollten im Falle eines Atomkrieges dort Schutz finden. Nicht die Bielefelder Bevölkerung, sondern die Bediensteten des damaligen Fernmeldeamtes. Dessen Aufgabe war systemrelevant, wie man heute sagen würde. Kommunikation war im Ernstfall überlebenswichtig.

Dekontaminationsduschen, Kleiderkammern, Verpflegungsräume und eine technische Zentrale – all das verbarg sich hinter dicken Stahltüren. Dass im Laufe der Zeit die Furcht vor einem Atomschlag abnahm, ist der Tatsache zu entnehmen, dass die weiten Flächen des Bunkers später vom Post-SV fürs Badminton-Spiel genutzt wurden.

Entdeckungstour im Telekom-Hochhaus

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    Foto: Bernhard Pierel
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Der Bunker unter dem Parkhaus, der bis unter die Friedrich-Ebert-Straße reicht, soll kein vergessener Ort bleiben. In Zukunft könnten dort Archivräume eingerichtet oder Server von schutzbedürftigen Computeranlagen aufgestellt werden. Wie überhaupt das Telekom-Hochhaus wieder zu einem lebendigen Ort mitten im Zentrum von Bielefeld werden soll.

Noch ist nicht ganz klar, wer das Gebäude nutzen wird. Im Gespräch ist weiterhin die Polizei. Klar ist aber, dass das Gebäude eine neue, helle Fassade mit großen, tiefreichenden Fenstern erhalten wird. Transparenz als Kontrast zu dem, was zehn Meter tief im Untergrund schlummert.

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