Prozess am Amtsgericht Bielefeld – Rotes Kreuz ist bereits vorm Urteil von Unschuld seiner Angestellten überzeugt
Hat Erzieherin Kleinkind misshandelt?

Bielefeld WB -

Vorm Amtsgericht Bielefeld wird an diesem Dienstag von 9 Uhr an einer Erzieherin (50) des Bielefelder Roten Kreuzes (DRK) der Prozess gemacht. Richterin Judith Walter soll entscheiden, ob die Frau sich in der DRK-Kita Lummerland in Heepen der Misshandlung eines schutzbefohlenen Kleinkindes schuldig gemacht hat. Mit angeklagt ist die damalige Kita-Leiterin (47). Sie soll die Tat ihrer Kollegin gedeckt haben.

Dienstag, 01.12.2020, 03:43 Uhr aktualisiert: 01.12.2020, 08:33 Uhr
Symbolbild Strafgesetzbuch Foto: dpa

Unterdessen steht für den Arbeitgeber der beiden Angeklagten, das DRK Bielefeld, bereits einen Tag vor dem Prozess fest, dass die angeklagten Mitarbeiterinnen nicht verurteilt werden können. „Wir sind vorbehaltlos von deren Unschuld überzeugt“, erklärten DRK-Vorstand Christopher Brandes und DRK-Sprecherin Christina-Carolin Rempe in einer am Montag verbreiteten Erklärung. „Wir begrüßen es, dass der Vorfall jetzt juristisch bewertet wird. Dabei gehen wir davon aus, dass die im Raum stehenden Vorwürfe im Verfahren geklärt und unsere Mitarbeiterinnen vollständig entlastet werden“, heißt es.

Um was geht es vor Gericht? Die Staatsanwaltschaft wirft nach der Strafanzeige einer Mutter der Erzieherin vor, im November vor zwei Jahren einen damals zwei Jahre alten Jungen vom Mittagessen ausgesperrt und in einen dunklen Flur gesetzt zu haben. Zuvor soll sich das Kleinkind widerspenstig gezeigt haben. Die Kita-Leiterin soll vom Aussperren des Kleinkindes gewusst und das Verhalten der Gruppenleiterin gedeckt haben. Beide Frauen sollen miteinander befreundet gewesen sein, sagen mehrere Zeugen.

Das Verhalten der beiden Angeklagten wird vom Arbeitgeber DRK als „pädagogisches Fehlverhalten“ eingestuft. „Eine Kindeswohlgefährdung lag nicht vor. Unserer Einschätzung haben sich das Bielefelder Jugendamt und das Landesjugendamt angeschlossen, die wir umgehend mit in die Aufarbeitung des Vorfalls einbezogen haben“, heißt es in der 24 Stunden vor der Gerichtsverhandlung veröffentlichten Erklärung. Man habe „die dem Prozess zugrundeliegenden Vorwürfe sehr ernst genommen und diese intern bereits vollumfänglich aufgearbeitet“.

DRK-Sprecherin Christina-Carolin Rempe sagt, dass die beiden angeklagten Mitarbeiterinn weiter für das Rote Kreuz arbeiten, aber derzeit nicht unmittelbar in der Kinderbetreuung eingesetzt sind. „Wir haben keinen Anlass, uns von den Mitarbeiterinnen zu trennen“, versichert die Sprecherin, dass die zwei Erzieherinnen nach den vom Arbeitgeber erwarteten Freisprüchen „wieder in die Kitas zurückkehren“ sollen.

Der Fall der mutmaßlichen Misshandlung von Schutzbefohlenen hat im Vorfeld bereits das Bielefelder Arbeitsgericht beschäftigt. Eine andere Erzieherin (55), die beim DRK auf das Fehlverhalten ihrer Kolleginnen aufmerksam gemacht haben will, wurde nach 13 Jahren fristlos entlassen. Vor dem Arbeitsgericht einigte sich die 55-Jährige auf die Auflösung ihres Arbeitsvertrages zum 30. Juni, 19.000 Euro Abfindung und ein wohlwollendes Arbeitszeugnis.

Andere Zeugen sagten, dass der Fall des ausgesperrten Zweijährigen kein Einzelfall gewesen sei. Auch andere Kinder seien in der DRK-Kita in Heepen misshandelt worden.

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