Leere Betten und Umsatzrückgänge zwischen 60 und 80 Prozent
Hotels lassen im Corona-Jahr Federn

Bielefeld -

Wie könnte es anders sein: „Es sieht übel aus“, sagt der Queller Hotelier Andreas Büscher. Zwar ist Bielefeld ohnehin kein Tourismus-Hotspot, der Urlauber anzieht, aber große Messen, Tagungen und Konzerte sorgen doch in den Hotels regelmäßig für gut belegte Betten. Normalerweise. In diesem Jahr der Absagen und Beschränkungen allerdings ist auch den Hotels ein Großteil ihres Geschäfts weggebrochen.

Montag, 30.11.2020, 06:00 Uhr
Beim Queller Hotelier Andreas Büscher Foto: Bernhard Pierel

„Über das gesamte Jahr gab es einen Umsatzrückgang von 60 Prozent, derzeit liegt er bei 70 bis 80 Prozent“, sagt Regine Tönsing, Hauptgeschäftsführerin des Hotel- und Gaststättenverbandes Ostwestfalen.

Aktuell dürfen die Hotels nur Geschäftsreisende beherbergen. Die müssen bei einer Überprüfung von ihrer Firma eine Bescheinigung vorlegen, dass sie tatsächlich beruflich anderenorts übernachten müssen. Aber auch diese Reisen, sagt Dirk Gruhn vom Mercure auf dem Johannisberg, werden immer weniger. Wo persönliche Treffen durch virtuelle Konferenzen ersetzt werden können, fallen sie zunehmend flach.

Selbst wenn zu Weihnachten und bis zum Jahresende in Maßen Familientreffen möglich sind und Privatleute dann auch im Hotel absteigen dürfen – was NRW-Ministerpräsident Armin Laschet in Aussicht gestellt hat – überlegen die Hotelbetreiber, ob sie Reservierungen annehmen sollen. Oder ob sie überhaupt für einige Tage den Betrieb wieder hochfahren sollen. „Ich weiß es noch nicht“, sagt Andreas Büscher. Einige Zimmer sind derzeit bei ihm belegt. Lohnend ist das Geschäft keineswegs, da dafür der Empfang besetzt sein muss und Reinigungspersonal vorgehalten werden muss. „Wir machen das trotzdem, weil wir Stammgäste halten wollen“, sagt er. Beheizt werden muss das Haus zudem. „Die Energiekosten alleine machen bei uns jeden Monat 3500 Euro aus.“

Das Mercure, sagt Gruhn, soll über Weihnachten offen bleiben. „Aber mit so wenig Personal wie möglich.“ Das Légère Hotel am Neumarkt hingegen wird eine Weihnachtspause einlegen.

Das Légère-Express ist ohnehin seit Anfang November geschlossen und das Légère an den Wochenenden dicht. Alles andere lohnt sich nicht. „Unter der Woche haben wir derzeit wegen der Geschäftsreisenden eine Auslastung von knapp 25 Prozent“, sagt Hoteldirektor Thilo Schrewe. Betriebswirtschaftlich auskömmlich und angestrebt sind 60 Prozent. Auch Bar und Restaurant kamen kaum auf einen angemessenen Umsatz: „67.000 Gäste hatten wir 2019, in diesem Jahr waren es vielleicht 15.000 – zumeist in den ersten beiden Monaten“. Aktuell werden nur Übernachtungsgäste verköstigt und erhalten ihr Frühstück – unter strengen Hygieneregeln. Immerhin, freut sich der Hoteldirektor, gebe es viel positive Resonanz zum Konzept, die Gäste fühlten sich sicher.

Über die „Weihnachtspause“ vom 18. Dezember bis zum 4. Januar habe man „lange und kontrovers diskutiert“, sagt Schrewe. Aber wenn man offen halte, müsse man auch eine 24-Stunden-Besetzung garantieren, das wollte man der Handvoll Mitarbeiter, die dann im Einsatz wären, nicht zumuten. „Das Jahr war für die Mitarbeiter anstrengend genug.“

Erstmals hat es in diesem Corona-Jahr auch in Hotellerie und Gastronomie auch Kurzarbeit gegeben, ein absolutes Novum, sagt auch Andreas Büscher. Nicht betroffen waren davon im Légère Hotel die Auszubildenden. „Unserem Ausbildungsauftrag wollten wir nachkommen“, sagt Schrewe. Entlassungen seien in der Légère-Gruppe nicht geplant, betont er, „das stehen wir gemeinsam durch“. Vielleicht Ende Januar soll das Légère-Express wieder geöffnet werden, bis Ende Februar will er im Légère das derzeitige Modell (mit geschlossenem Wochenende) weiterführen.

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