Corona-Krisenstabsleiter Ingo Nürnberger und OWL-Handelsverbandssprecher Thomas Kunz zum Black Friday und dem ersten Einkaufssamstag im Advent
„Ein rabenschwarzer Tag für Bielefeld“

Bielefeld (WB) -

„Massive Präsenz des Ordnungsamtes“ und ein konsequentes Ahnden der Regelverstöße kündigt Krisenstabsleiter Ingo Nürnberger für die kommenden Wochen und Wochenenden in der Fußgängerzone an. Grund sind die Menschenmassen, die sich am „Black Friday“ unter Missachtung der Corona-Hygieneregeln in der Innenstadt tummelten.

Sonntag, 29.11.2020, 16:32 Uhr aktualisiert: 29.11.2020, 22:32 Uhr
Die Bahnhofstraße am Samstagnachmittag: Viele Menschen waren unterwegs, aber deutlich weniger als am „Black Friday“, dem Tag der Schnäppchenjäger. Foto: Markus Poch

„Ich bin der letzte, der den Leuten den Spaß am Einkaufen nehmen will“, sagte Nürnberger am Sonntag auf Anfrage, „aber der Ansturm am Freitag war kein Spaß mehr. Der ‚Black Friday‘ war ein rabenschwarzer Tag für Bielefeld.“

Wenn er den Bericht des Ordnungsamts lese und sich die Fotos anschaue, dann mache ihn das fassungslos: „50 Meter lange Schlangen vor den Geschäften, die Menschen oft ohne Abstand und teilweise ohne Maske; ein Sicherheitsdienst, der dem Ordnungsamt sagt, er sei überfordert; ältere Menschen, die sich in Gruppen zusammenstellen und gemeinsam Glühwein süffeln, und ein Cafébetreiber, der das trotz mehrfacher Ansprache zulässt; insgesamt ein Konsumverhalten, als gäbe es kein Corona und kein Morgen mehr.“ Wie berichtet, ließ Nürnberger schließlich über Radio und Megaphone zum Einhalten der Coronaregeln aufrufen.

Er sieht die Stadt in einer Verantwortungsgemeinschaft mit dem Einzelhandel, in der noch zu klären sei, wie die Konsum- und Umsatzwünsche mit dem Infektionsschutz in Einklang zu bringen sind. „Kein Mensch will den Leuten das Einkaufen verbieten. Und kein Mensch will dem Einzelhandel das Verkaufen verbieten“, betont Nürnberger. „Aber wie klären und rütteln wir die Menschen gemeinsam auf? Das Ordnungsamt kriegt das nicht allein in den Griff.“

Bielefelds Sozialdezernent Ingo Nürnberger, Leiter des Corona-Krisenstabs.

Bielefelds Sozialdezernent Ingo Nürnberger, Leiter des Corona-Krisenstabs. Foto: Thomas F. Starke

Ein hoher Anteil der Corona-Infektionen werde im Freizeitbereich übertragen, und der Einkaufsbummel vor Weihnachten gehöre nun einmal dazu. Da müsse jeder einzelne mehr Verantwortung übernehmen. Nürnberger: „Man kann auch an einem anderen Tag als am Freitag oder Samstag einkaufen gehen.“

Im Vergleich zwischen „Black Friday“ und dem direkt folgenden Samstag hat der Krisenstabsleiter jedoch eine leichte Verbesserung der Situation, „vielleicht sogar einen Aufklärungseffekt“, festgestellt. Das Ordnungsamt registrierte zum einen weniger Menschen in der Stadt, zum anderen hätten vor allem die Besitzer größerer Läden mit mehr Sicherheitspersonal auf den Andrang reagiert.

Thomas Kunz, Hauptgeschäftsführer Handelsverband OWL

Thomas Kunz, Hauptgeschäftsführer Handelsverband OWL

Indessen wertete Thomas Kunz, Hauptgeschäftsführer des OWL-Handelsverbandes, die Ereignisse vom Freitag in Bielefeld als ein in diesem Jahr einmaliges Ereignis: „Schon am Samstag waren wieder weniger Kunden einkaufen.“ Die Umsätze seien sogar deutlich unter denen am ersten Adventswochenende des vergangenen Jahres gewesen.

Während am Black Friday auch in Ostwestfalen-Lippe vor allem Bekleidung sowie Unterhaltungselektronik und andere technische Produkte gefragt waren, waren es am Samstag Kunz zufolge insbesondere Artikel zur Advents- und Weihnachtsdekoration sowie Süßwaren. Außerdem setze sich der Trend zu modernen Haushaltsgeräten, Kochutensilien und anderen Produkten für die Wohnung fort. Entsprechend seien neben den diesbezüglichen Fachgeschäften und Fachabteilungen in den Kaufhäusern und Supermärkten auch die Möbel- und Einrichtungshäuser mit der Kundenzahl und den Verkäufen an diesem Wochenende erneut zufrieden. Das Gleiche gelte noch für Waren aus den Bereichen Sport und Fitness.

Dagegen seien die typischen Weihnachtsgeschenke bislang nur sehr vereinzelt verkauft worden. Laut Kunz hofft die Branche, dass genug vernünftige Kunden dafür auch die Tage in der Woche nutzen werden. Im Übrigen bedauerten die Händler sehr, dass der Plan der NRW-Landesregierung, die vier Sonntage in diesem Advent ausnahmsweise für den Einkauf freizugeben, an einem Urteil des Oberverwaltungsgerichts in Münster scheiterte. Ansonsten hätten sich die Weihnachtseinkäufe auf einen zusätzlichen Tag verteilt und der stationäre Handel zur Online-Konkurrenz wenigstens etwas aufholen können. „Aber das ist Schnee von gestern“, meint Kunz. „Diese Chance ist vertan.“

Verloren hat in der Pandemie der stationäre Einzelhandel insgesamt, am meisten aber die Modebranche. Gut halten sich 2020 die Zweiradhändler, Baumärkte, Möbel- und Einrichtungshäuser sowie der Lebensmittelhandel. Dagegen waren die Innenstädte in Ostwestfalen-Lippe von den Einschränkungen durch die Pandemie besonders betroffen. Ein Grund dafür ist dass in den verschiedenen Stufen des Lockdowns auch die Gastronomie und die Kultur zurückgedrängt wurden.

Der Einzelhandel in den OWL-Mittelzentren und kleineren Gemeinden ist von den Folgen der Pandemie etwas weniger getroffen. Nicht wenige Kunden sparen sich offenbar die Fahrt in die großen Stadtzentren – sofern sie das Gesuchte vor Ort einkaufen können.

Thomas Kunz

Etwas weniger getroffen ist, so beobachtet Kunz, der Einzelhandel in den OWL-Mittelzentren und kleineren Gemeinden. Nicht wenige Kunden sparten sich offenbar die Fahrt in die großen Stadtzentren – sofern sie das Gesuchte vor Ort einkaufen können. Beim gezielten Geschenkkauf gebe es diese Möglichkeit seltener. So hofft Kunz, dass „die City im Dezember etwas aufholen kann und nicht stattdessen noch mehr Einkäufe ins Internet abwandern“.

In diesem Zusammenhang wirbt Kunz um Verständnis für die Rabattaktionen am Black Friday. Sicher seien sie zum Teil ex­trem hoch gewesen und damit auch ein Grund für die Ereignisse in der Bielefelder Innenstadt: „Offenbar können die Händler derzeit alles nur verkehrt machen. Werben sie nicht mit niedrigen Preisen, heißt es, sie seien selbst schuld, wenn mehr im Internet eingekauft werde. Kommen die Kunden, sind es unter den Bedingungen der Pandemie schnell sehr viele.“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7700285?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198387%2F2513179%2F
„Stand heute bin ich im Sommer vertragslos“
Noch weiß Fabian Klos nicht, in welche Richtung es gehen wird. Am 30. Juni endet sein Vertrag, seine Zukunft ist weiter ungewiss.
Nachrichten-Ticker