Bielefeld: Clemens von Spiegel produziert für die Weihnachtszeit
Wie die Tanne zum Christbaum wird

Bielefeld -

Zehn Jahre durfte die Nordmanntanne in der Schonung unweit der Waterboer wachsen, nun rückt Forstwirt Niels Hamann mit der Säge an. Bald schon wird der mannshohe Baum als Weihnachtsbaum ein Zimmer schmücken.

Samstag, 28.11.2020, 05:10 Uhr
Niels Hamann in der Schonung der Forstverwaltung Spiegelsberge. Zehn Jahre alt sind die Nordmanntannen, die hier wachsen, jetzt ist die Zeit da, aus ihnen Weihnachtsbäume zu machen. Foto: Bernhard Pierel

110 Hektar Wald bewirtschaftet die Forstverwaltung Spiegelsberge im Bielefelder Süden, ein Hektar davon ist für die Produktion von Weihnachtsbäumen reserviert. Wobei der eigentliche Weihnachtsbaum, betont Clemens von Spiegel, ja eine Rotfichte war. Und gekauft wurde sie einst beim Förster. Heute aber ist vor allem die Nordmanntanne (oder auch Nordmanns Tanne) gefragt: Ihre Nadeln piksen nicht und haften lange. Lediglich die Blaufichte kann neben ihr bestehen, pikst allerdings.

Beide Bäume hat von Spiegel im Angebot. Die jungen Pflanzen kauft er in einer Baumschule, wo sie aus Samen gezogen wurden. „Sie sind dann etwa 20 bis 40 Zentimeter groß und zwei bis drei Jahre alt“, erzählt er. Im Abstand von gut 1,20 Metern werden sie in die Schonung gesetzt. Wo es geht, erklärt von Spiegel, kommen Pflanzmaschinen zum Einsatz, hier aber sei das Gelände zu steil.

Mit Abwarten, bis die Bäumchen groß genug sind, ist es in den kommenden Jahren nicht getan: Auch wenn alle Bäume in der Schonung gleich alt sind, wächst der eine schneller als der andere. „Das ist wie beim Menschen“, schmunzelt Mitarbeiter Niels Hamann. Wenn es dann zu eng wird, muss ein Baum herausgenommen werden.

Außerdem muss die „Begleitvegetation“ der Tannen – der Laie würde vermutlich Gestrüpp sagen – regelmäßig mit der Sense entfernt werden. Und auch bei der Form des künftigen Weihnachtsbaumes wird nachgeholfen, damit er unten breiter und oben schmaler ist: „Dafür werden im Frühjahr die zweijährigen Triebe im oberen Kranz gesnippt“, erklärt Clemens von Spiegel. Das heißt, für den Laien übersetzt, dass sie von Hand abgebrochen werden.

Falls der Terminaltrieb, also der Leittrieb, zu hoch hinaus will und die Abstände zwischen den einzelnen Kränzen zu groß zu werden drohen, greift der Forstwirt ebenfalls regulierend ein: Eine Art Zangenbiss in die Rinde kappt den Zufluss von Nahrung und Wasser etwas.

Dass die vergangenen Sommer trocken waren und damit zu wenig Nährstoffe in die Nordmanntannen und Blaufichten kamen, kann Clemens von Spiegel an seinen Bäumen ablesen: Dann sind die Nadeln gelblich. „Das verwächst sich aber wieder.“ Bäume, die arg gelitten haben, krumm sind oder kahle Stellen haben, sind als Weihnachtsbaum natürlich nicht an den Mann oder die Frau zu bringen. „Aber oft kann man aus ihnen immer noch schöne Zweige schneiden.“

Natürlich hat auch von Spiegel mit Schädlingen zu tun, aber da die Forstverwaltung Spiegelsberge ökologisch arbeitet – was immerhin bedeutet, dass unbelastete Weihnachtsbäume ins heimische Wohnzimmer kommen – nimmt von Spiegel so manchen Käfer hin. Zumal sich auch der Befall oft von selbst reguliert. Einzig gegen den Verbiss durch Rehwild schützt er seine Schonung durch einen hohen Zaun.

Wenn eine Schonung völlig abgeräumt ist, wird der Boden gemulcht, bevor neue Pflanzen gesetzt werden. Für von Spiegel, seit 19 Jahren Chef des Betriebes, bedeutet das allerdings, dass er dafür einen Antrag stellen muss. Seine Familie bewirtschaftet den Wald zwar seit gut 200 Jahren, der Betrieb liegt aber mittlerweile im Landschaftsschutzgebiet.

In diesem Jahr allerdings wird die Schonung ohnehin nicht kahl werden: Auch Clemens von Spiegel rechnet mit Corona-bedingten Einbußen. Bäume, die einige Nummern größer sind, verkauft er in normalen Jahren an Kirchengemeinden, Gastronomen oder Firmen. Die Nachfrage ist stark gesunken. Auch die Ausrichtung von Weihnachtsfeiern, an deren Ende jeder einen Baum mitnimmt, fallen weg. Bleibt immerhin der Weihnachtsbaumverkauf ab dem dritten Advent in der Waterboerstraße.

In die von Spiegelsche Stube kommt übrigens nicht unbedingt der schönste aller Bäume: „Wir nehmen den, der übrig ist.“ Und wenn der etwas krumm ist, ist das auch egal: „Das ist eben Natur.“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7698079?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198387%2F2513179%2F
Forderungen nach Lockdown-Ende Mitte Februar werden lauter
Bundeskanzlerin Merkel und die Regierungschefs der Länder haben bislang eine Verlängerung des Lockdowns bis zum 14. Februar beschlossen.
Nachrichten-Ticker