Der Bielefelder Chris Hartung produzierte eine Reisedokumentation über sein Auslandsjahr in Australien
Die Freiheit gesucht und gefunden

Bielefeld -

„Ich habe mich dagegen gesträubt, das zu machen, was von der Gesellschaft vorgeschrieben wird“, erklärt Chris Hartung, Student an der Technischen Hochschule OWL, wie es dazu kam, dass er sich nach der Schule selbstständig machte. Schon als Kind machte sich seine Affinität zur Filmproduktion bemerkbar: Er entwendete die Kamera seines Vaters, setzte sich damit auseinander und drehte mit seinen Freunden Actionfilme in Eigenregie.

Mittwoch, 25.11.2020, 06:00 Uhr aktualisiert: 25.11.2020, 06:07 Uhr
In seinem Heimstudio Foto: Bernhard Pierel

Während er seine Dienste nach dem Abitur zunächst kostenlos anbot, machte er sich schnell einen Namen und bekam erste Aufträge von Unternehmen. „Am Anfang war es schwierig, sich durchzusetzen. Aber mit der Zeit habe ich eine gewisse Anerkennung bekommen, und beruflich konnte ich mich auch weiterentwickeln“, sagt der 20-Jährige, der in seiner Freizeit gerne skatet und surft.

Neben nationalen Projekten wie der Produktion von Image- und Eventfilmen oder der Verbesserung der Internetpräsenz von Firmen widmete Hartung sich auch internationalen Projekten in Form von Doku-Serien oder einer Videobegleitung von Footballspielern bei ihrer Suche nach einem geeigneten College in Amerika.

Nachdem er fast zwei Jahre in Vollzeit selbstständig gearbeitet hatte, packte er seine Koffer und sein Kamera-Equipment und flog nach Australien. Erst als er schon eine Weile dort war, kam ihm der Gedanke, seine Reise mit der Kamera festzuhalten und zu dokumentieren. Der mittlerweile fertige Film zeigt die Reisegeschichte des Filmemachers und nimmt die Zuschauer mit. „Facing Down Under“ erzählt die ehrliche und transparente Reisegeschichte des jungen Bielefelders.

Während der Produktion beschäftigten ihn einige Fragen: „Wie nehmen andere den Film wahr? Wenn ich ihn selber sehe, kann ich das nicht neutral beurteilen. Oder was ist für den Zuschauer wichtig? ‚Facing Down Under‘ war mein erstes großes Projekt über diesen langen Zeitraum. Es war eine wertvolle neue Erfahrung, einen ganzen Film zu produzieren und sich damit auseinander zu setzen, wie ein Film von vorne bis hinten aufgebaut ist.“

Auch während seiner Australienreise konnte er sich zwischendurch mit Aufträgen von Reiseagenturen über Wasser halten und seine beruflichen Fertigkeiten weiterentwickeln. Sein persönliches Herzensprojekt hat er dabei jedoch nie außer Acht gelassen.

Bei einer Filmlänge von 92 Minuten begleitet die Kamera ihn auf seinem Weg der Selbstfindung. Chris Hartung macht positive und negative Erfahrungen, von denen er dennoch profitiert: „Ich habe erfahren, wie viel das Reisen mit einem macht. Wenn man reist, kommt man als anderer Mensch zurück. Es hat mich weitergebracht und es hat mich auch sehr glücklich gemacht“, sagt er.

Mit seinem Film möchte er die Menschen dazu ermutigen, zu reisen, ihrem Alltagstrott zu entfliehen. Außerdem soll „Facing Down Under“ ehemalige Reisende gedanklich in diese Zeit zurückbringen. Seiner Meinung nach sei der Kulturaustausch enorm wichtig. Man wachse über sich hinaus. Es habe ihm extrem viel gebracht auf sich allein gestellt zu sein und die Probleme ohne Mama und Papa bewältigen zu müssen.

„Während eines Jobs auf einer Farm habe ich tolle Leute kennengelernt und in einer Farmunterkunft mit den unterschiedlichsten Nationalitäten zusammengelebt. Es war eine tolle Zeit, auch wenn die Arbeit fast fragwürdig war. Dass man als Backpacker ausgenutzt werden kann, haben wir am eigenen Leib erfahren. Das hat uns aber nicht viel ausgemacht, weil der Zusammenhalt so gut war. Wir haben Freiheit gesucht und gefunden.“

Auch bedrohliche Situationen wie aufkommende Sandstürme wurden mit der Kamera festgehalten: „Wichtig ist, dass man die Kamera in den richtigen Momenten rausholt. Auch wenn das heißt, dass man mit der rechten Hand die Kamera aus dem Autofenster halten muss, wenn man durch einen Sandsturm fährt. Ich wollte ja auch nichts verfälschen.“

Auch seine Eltern, die den Film erst zur Premiere sehen, werden noch die eine oder andere Überraschung zu Gesicht bekommen.

Aufgrund der Corona-Pandemie wird sich die Premiere jedoch auf unbestimmte Zeit verschieben. Geplant hatte der Videoproduzent einiges, um seinen Film öffentlich präsentieren zu können. Unter anderem eine Vorführung im Lichtwerk stand im Raum. „Jetzt heißt es aber erst einmal abwarten. So bleibt mir andererseits mehr Zeit zur Vorbereitung bis zur Veröffentlichung“, betrachtet er die Situation positiv.

Mehr als 250 Stunden dauerte die Postproduktion, weil in dem Reisezeitraum von sieben Monaten mehr als 30.000 einzelne Aufnahmen zustande kamen, die ausgewertet und bearbeitet werden mussten, um schließlich das Endprodukt zu bilden.

Bei der „No-Budget“-Produktion spiele nicht Geld eine Rolle, sondern das Ausleben der kreativen Ader. Eigene Projekte seien immer etwas Besonderes: „Wenn ich Aufträge bearbeite, arbeite ich immer nach Vorgaben. Bei meinen eigenen Projekten pfuscht mir keiner ins Handwerk. Ich kann meine Arbeit nach meinen Ideen und Vorstellungen frei gestalten.“

Um mehr in die Theorie zu gehen und mehr über Filmproduktion zu lernen, studiert Hartung derzeit Medienproduktion an der Technischen Hochschule OWL in Lemgo.

Nebenbei ist er aber weiterhin als Filmemacher beziehungsweise Videograf tätig. Auch das Reisen ist nun ein wichtiger Bestandteil seines Lebens. Waren es früher Pauschalreisen mit der Familie, ist es dem 20-Jährigen heute lieber, sich in irgendeinen Bus zu setzen und einfach drauflos zu fahren.

„Backpacken wird mich in der Zukunft begleiten. Die Unabhängigkeit hat mir sehr viel gegeben. Ich bin an vielen Orten gewesen, habe ein tolles Land und tolle Sachen gesehen, aber die Leute, die man getroffen hat, die haben einen inspiriert und einem auch Halt gegeben, wenn man in bestimmten Situationen überfordert war. Meine Reisegier hat sich seit Australien definitiv verstärkt“, resümiert Hartung sein Reiseerlebnis.

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