Kritik an teurer Verwarnung von Bielefelder Berufsschülern
Eltern schalten Petitionsausschuss ein

Bielefeld -

Eltern von Schülern des Carl-Severing-Berufskollegs, die mit dem Vorwurf, gegen Corona-Regeln verstoßen zu haben, vom Ordnungsamt zur Kasse gebeten wurden, wollen jetzt den NRW-Landtag einschalten. Die Sache liege dort beim Petitionsausschuss, erklärte jetzt ein betroffener Vater.

Mittwoch, 11.11.2020, 05:09 Uhr
Rund 4200 Schüler sind jeden Tag auf dem Campus des Carl-Severing-Berufskollegs unterwegs. Aus Sicht der Schulleitung kann es da auf den Wegen auch mal eng werden. Foto: Thomas F. Starke

Im Kern geht es dabei auch um die Frage, wann die Regel gilt, dass sich Menschen aus maximal zwei Haushalten treffen dürfen. „Hier werden die Corona-Maßnahmen falsch umgesetzt, Ordnungsamtsmitarbeiter sind unwissend und nur auf das Aufschreiben aus“, sagt Andreas Zühlke aus Minden, dessen Sohn zu den 25 Berufsschülern gehört, die am Donnerstag vom Ordnungsamt mit Verwarngeldern zu je 50 Euro belegt wurden.

So sollen die jungen Leute vor dem Berufsschulgebäude an der Heeper Straße in größerer Zahl zusammengestanden haben. Zühlke zufolge hätten Schüler die teure Verwarnung kassiert, obwohl sie sich mit mindestens 1,5 Metern Abstand zueinander und mit Maske vor der Schule aufgehalten hätten. Er meint, dass die Regel aus der Corona-Schutzverordnung, dass sich Personen aus maximal zwei Haushalten treffen dürften, bei diesem Abstand nicht gelten würde, zumal sie Masken getragen hätten.

Das Bielefelder Ordnungsamt gibt dem Vater im Grundsatz recht: „Im öffentlichen Raum dürfen sich mehr als zwei Personen aus mehr als zwei Haushalten mit einem Abstand von mehr als 1,5 Meter aufhalten, sofern nicht eine Maskenpflicht vorgesehen oder angeordnet ist.“ Im konkreten Fall soll es darauf aber nicht ankommen. Denn die Schüler sollen mit einem geringeren Abstand als anderthalb Meter beieinander gestanden haben und seien deswegen verwarnt worden.

Das Ordnungsamt war nach eigenen Angaben eingeschritten, weil es Beschwerden über das Verhalten der „überwiegenden Anzahl der Schülerinnen und Schüler“ gegeben habe. Dass man kontrollieren wolle, sei im Vorfeld mit der Schulleitung zumindest des Berufskollegs für Metall- und Elektrotechnik besprochen worden. Und die Kontrollen seien im Bereich vor der Schule auf öffentliche Verkehrsflächen, Straßen und Gehwegen durchgeführt worden, nicht auf den Flächen der Berufsschule. „Es sind jeweils persönliche Ansprachen erfolgt, die jedoch keine Wirkung gezeigt haben“, beschreibt das Ordnungsamt die Situation. In der Folge seien 25 kostenpflichtige Verwarnungen ausgesprochen worden.

Mike Nolte, Leiter des Berufskollegs für Handwerk und Technik, weist darauf hin, dass Gespräche zwischen Behörde und Schule im Vorfeld der Kontrollen mit seiner Berufsschule nicht stattgefunden hätten. Sein Berufskolleg warnt inzwischen auf seiner Internetseite vor den verstärkten Kontrollen, weist darauf hin, dass es unterschiedliche Corona-Regeln gibt – je nachdem, ob Schüler sich im Rahmen des Unterrichts auf dem Schulgelände befinden oder auf dem öffentlichen Weg zur Schule.

Nolte macht die Problemlage klar: Dass drei oder mehr Schüler acht Stunden im selben Klassenraum sitzen, den Schulweg aber nur zwei von ihnen gemeinsam bestreiten dürfen, sei schwer zu verstehen. Mike Nolte: „Es sind auf dem Campus jeden Tag rund 4200 Schüler unterwegs.“ Sich vor den Gebäuden da aus dem Weg zu gehen und Abstände einzuhalten, sei schwer. Außerdem kämen Schüler aus ganz OWL, reisten teilweise gemeinsam per ÖPNV oder Auto an, säßen dann zusammen in einer Klasse. Manche Regelung aus der Corona-Schutzverordnung „passt mit der Lebenswirklichkeit nicht zusammen“, sagt Nolte. Er wünscht sich eine Lösung, die diese Zusammenhänge berücksichtige. Gespräche zwischen Schulleitung und Ordnungsamt soll es dazu am Freitag geben.

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