OWL-Wirtschaft zu den US-Präsidentschaftswahlen
Chance für eine Auffrischung

Bielefeld -

Unternehmer äußern sich zu Wahlergebnissen zumal in anderen Ländern sonst eher zurückhaltend. Doch einen „gewissen Optimismus“ kann sich der Sprecher der ostwestfälischen Wirtschaft, IHK-Präsident Wolf D. Meier-Scheuven (Bielefeld), nach dem Ergebnis der US-Präsidentenwahl nicht verkneifen.

Montag, 09.11.2020, 19:14 Uhr aktualisiert: 10.11.2020, 10:56 Uhr
Zulieferer – im Bild ZF in Tuscaloosa (Alabama) – produzieren in den USA oft für deutsche Autohersteller, hier für Daimler. Foto: Hertlein

„Mit dem Votum für Joe Biden verknüpft die Wirtschaft die Hoffnung, dass die USA wieder eine konstruktivere Rolle in den internationalen Handelsbeziehungen spielen werden“, sagt er. Wichtig sei, dass er den Rückzug aus internationalen Abkommen stoppe oder revidiere.

„Für die erfolgreiche Weiterentwicklung unserer US-Geschäfte sind politische, gesellschaftliche und auch wirtschaftliche Stabilität wichtige Voraussetzungen“, kommentiert Bertelsmann-Chef Thomas Rabe das Wahlergebnis. „Wir hoffen, dass die neue US-Regierung für ein solches Klima der Stabilität eintritt.“ Investitionssicherheit und gesellschaftlicher Zusammenhalt seien auch für die Wirtschaft wichtig. Die USA sind für Bertelsmann der weltweit zweitgrößte Markt und von großer strategischer Bedeutung. Der Gütersloher Konzern erzielte dort 2019 mit 11.300 Beschäftigten 4,5 Milliarden Euro Umsatz.

Martin Kannegiesser, Unternehmer in Vlotho und von 2000 bis 2012 Präsident der deutschen Metallarbeitgeber, erinnert an die Bedeutung der deutsch-amerikanischen Beziehungen: „Unsere Bundesrepublik verdankt ihre Freiheit und ihren Wohlstand in erheblichem Umfang den USA. Die jüngste Wahl bietet die Chance, unsere Beziehungen zueinander aufzufrischen.“ Auch für die Firma Herbert Kannegiesser, die sich auf die Produktion industrieller Waschanlagen spezialisiert hat, sind die USA der wichtigste Markt nach Deutschland. 300 bis 400 der 2300 Mitarbeiter leben dort; in Minneapolis in Staat Minnesota betreibt Kannegiesser auch eine eigene Produktion.

Gratulation an Joe Biden kommt am Montag auch von Benteler. Das Unternehmen, das sein größtes Werk in Paderborn betreibt, betont in seiner Stellungnahme vor allem die Bedeutung des freien Welthandels.

Deutschlandweit sind die USA nach wie vor der größte Exportmarkt. 2019 betrug das Exportvolumen 119 Milliarden Euro. Über 470 Milliarden Euro haben deutsche Unternehmen in den Vereinigten Staaten investiert, so viel wie in keinem anderen Land der Welt. Das sind 24 Prozent aller deutschen Direktinvestitionen im Ausland.

Aus Ostwestfalen sind nach Angaben der IHK 350 Unternehmen sind in den USA tätig, davon etwa 100 mit eigener Niederlassung. Nach IHK-Schätzungen hängen 20.000 bis 25.000 Arbeitsplätze in der Region von den Geschäftsbeziehungen zu den USA ab. Doch seien auch unter Biden nicht alle Konfliktthemen vom Tisch. Als Beispiel nennt Meier-Scheuven das Handelsbilanzdefizit oder den Handelskonflikt mit China.

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