Schulen sehen große organisatorische Probleme – Mehr als 10.000 Jugendliche betroffen
Ärger um flexiblen Unterrichtsbeginn

Bielefeld WB -

Zehn Bielefelder Schulen müssen ihre Schulanfangszeiten spätestens nach den

Weihnachtsferien entzerren, damit es morgens in Bussen und Bahnen nicht mehr so eng zugeht, die Ansteckungsgefahr mit Corona möglichst gering ist. Betroffen sind mehr als 10.000 Schülerinnen und Schüler. Doch in den Schulen ist man verärgert, dass sie nicht einmal eine Woche Zeit für eine Stellungnahme haben. Eine Zustimmung soll eigentlich bis zum heutigen Dienstag vorliegen.

Dienstag, 10.11.2020, 08:07 Uhr aktualisiert: 10.11.2020, 08:10 Uhr
Damit es in Bus und Bahn nicht so eng zugeht, soll der Unterrichtsbeginn an zehn Schulen entzerrt werden. Foto: Stefan Sauer/dpa

Beispiel Ceciliengymnasium und Helmholtz-Gymnasium: Beide sollen für 70 bis 80 Prozent ihrer Schülerinnen und Schüler den Unterricht um 8.15 Uhr beginnen lassen. Für die übrigen soll es schon um 7.30 Uhr zum Unterricht klingeln.

„Für die Entscheidungsfindung hat uns der Schulträger eine extrem kurze Frist gesetzt“, schreibt Helmholtz-Direktor Joachim Held in einem Elternbrief. „Ich finde dieses Vorgehen eine Missachtung der schulischen Mitwirkungsorgane.“ Eigentlich müssen Kollegium und Schulkonferenz gehört werden.

Seine Direktoren-Kollegin Dr. Julia Litz vom Ceci listet auf, was alles an einem versetzten Schulstart hängt: „Gemeinsame Oberstufenkurse mit dem Helmholtz, unser Doppelstunden-Konzept, Zentralkurse in bestimmten Fächern, die für alle Gymnasien abgehalten werden, beschränkte Sporthallen- und Schwimmzeiten im Ishara.“ Auch die Betreuungszeiten vor und nach dem Unterricht müssten mit dem dafür zuständigen Träger neu geregelt werden. Mal ganz abgesehen vom Stundenplan, der nur wenige Wochen vor dem Schulhalbjahrsende komplett umgebaut werden müsste.

Held und Litz haben gemeinsam mit den Leitern weiterer betroffener Schulen eine Stellungnahme an das städtische Amt für Schule geschickt. Neben Helmholtz und Ceci sollen die Gesamtschule Rosenhöhe, die Martin-Niemöller-Gesamtschule, die Gesamtschule Stieghorst und mehrere Berufskollegs ihren Schulanfang „auflockern“.

Frederik Suchla, kommissarischer Leiter der Martin-Niemöller-Gesamtschule, teilt die Bedenken seiner Gymnasialkollegen. An seiner Schule soll der Unterrichtsstart komplett von 8 auf 8.20 Uhr verschoben werden. Das sei kurzfristig und vorübergehend machbar. Doch gebe es Signale aus dem Amt für Schule, die entzerrten Anfangszeiten auf Dauer festschreiben zu wollen. „Darüber muss man erst in Ruhe reden.“

Auch im Rathaus steht man unter Zeitdruck. Aktuell profitieren das Verkehrsunternehmen Mobiel und die Stadt vom 1000-Busse-Programm der Landesregierung. Landesweit werden bis zu 1000 zusätzliche Busse finanziert, die im Schülerverkehr eingesetzt werden. In Bielefeld sind sechs Extra-Fahrzeuge im Einsatz, die auf den am stärksten betroffenen Linien für Entlastung sorgen. Das Programm jedoch läuft mit Beginn der Weihnachtsferien aus. Das Schulministerium hatte die Förderung damit verknüpft, dass anschließend in den beteiligten Kommunen ein Konzept zur Entzerrung des Unterrichtsbeginns aufgelegt wird.

Das Konzept zum flexiblen Schulstart wurde gemeinsam vom Amt für Schule, dem Amt für Verkehr und Mobiel erstellt. Die Stadt hat das Recht, den Schulanfang auf Zeiten zwischen 7.30 und 8.30 Uhr festzulegen – wenn nicht triftige pädagogische Gründe dagegen sprechen.

Auch Held und Litz sehen in der aktuellen Lage die Notwendigkeit eines flexiblem Schulstarts durchaus ein. „Grundsätzlich kann man offen über dieses Anliegen beraten. In dem Zeitdruck, den die Stadt aufgestellt hat, sehe ich aber eine große Gefahr. Daher wäre meine Perspektive, zunächst nur eine schnelle und zeitlich befristete Lösung für die überfüllten Busse und Bahnen zu finden, um dem Infektionsgeschehen Rechnung zu tragen“, schreibt Held den Eltern.

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