Bei den Jungen Sinfonikern ist die Winterarbeitsphase angelaufen
Ein Zeichen der Hoffnung setzen

Bielefeld -

Ein kulturelles Aushängeschild der Region zu sein, diesen Anspruch verteidigen die Jungen Sinfoniker (JuSis) seit nunmehr fast 50 Jahren. Im Jahr 1973 gegründet, erarbeitet das regionale Jugendsinfonieorchester pro Jahr zwei abendfüllende Konzertprogramme, die stets mit großem Erfolg in verschiedenen Städten der Region aufgeführt werden. In diesem Jahr fiel die Sommerarbeitsphase zum ersten Mal in der Geschichte der JuSis aus. Über die Auswirkungen von Corona und die Zukunft der Jungen Sinfoniker sprach Uta Jostwerner mit Dr. Christel Bresser, der Vorsitzenden der JuSis, und mit Rune Mc Callum, dem derzeitigen Konzertmeister des Orchesters.

Montag, 09.11.2020, 05:36 Uhr aktualisiert: 09.11.2020, 05:40 Uhr
Vorsitzende Dr. Christel Bresser und Konzertmeister Rune McCallum blicken zuversichtlich in die Zukunft. Foto: Jostwerner

 

Herr Mc Callum, wie war es für Sie und Ihre Kolleginnen und Kollegen, als im Sommer die Probenphase der Jungen Sinfoniker coronabedingt abgesagt wurde?

Rune McCallum: Das war super schade. Uns hat der Kontakt zueinander gefehlt.

Das heißt, es fehlt etwas über das gemeinsame Musizieren hinaus?

Rune McCallum: Ja genau. Die Konzerte sind zwar immer der Höhepunkt einer gemeinsamen Arbeitsphase. Aber es geht auch immer um das Zusammenleben, um den Spaß und den Austausch.

Und nun, Frau Dr. Bresser, sind Sie zuversichtlich, dass Sie eine gemeinsame Arbeitsphase im Winter hinbekommen werden?

Dr. Christel Bresser: Da ich vom Fach bin, bin ich vielleicht nicht ganz so zuversichtlich wie andere. Aber ich hege ganz große Hoffnung, dass wir die Probenphase durchführen können.

Welche Voraussetzungen müssen dazu erfüllt sein?

Dr. Christel Bresser: Dazu muss rechtlich eine Beherbergung möglich sein. Das Haus Neuland ist unser Gastgeber. Dort finden wir gute räumliche Bedingungen mit verschiedenen Probenräumen vor. Und dort gibt es auch einen geeigneten Raum für das ganze Orchester, in dem wir bestimmte Abstände wahren können. Nach den jetzigen Hygiene- und Abstandsregeln könnten wir die Probenphase , die ja für Anfang Januar anberaumt ist, dort durchführen. Allerdings wissen wir natürlich noch nicht, wie sich das Infektionsgeschehen weiter entwickelt und wie die Situation in einigen Wochen sein wird.

Die geltenden Abstandsregeln zwingen alle Orchester zu kleineren Besetzungen. Das heißt, auch die JuSis können nur mit etwa halber Besetzungsstärke spielen. Wer hat die Auswahl zu verantworten?

Dr. Christel Bresser: Das war Aufgabe der Dozenten, weil sie die Kompetenz der Spieler am besten kennen. Es ging auch darum, eine Gruppe zusammenzustellen, die das, was wir darstellen möchten, am besten repräsentieren kann.

Sie haben somit wahrscheinlich die Creme de la Creme der ostwestfälischen Instrumentalisten vers ammelt.

Dr. Christel Bresser: Ja, das wollen wir hoffen. Und die Dozenten fangen jetzt bereits, also noch vor der eigentlichen Probenphase an, mit einzelnen Teilnehmern die Stücke einzustudieren.

Die Stücke richten sich in dieser Zeit der Pandemie stark danach, was besetzungstechnisch möglich ist. Ausgewählt wurden Divertimento Concertante für Kontrabass und Orchester, die Unvollendete von Franz Schubert und eine Auswahl von Stücken für Blechbläser-Ensemble.Wer wählt die Stücke aus?

Dr. Christel Bresser: In der Regel ist es so, dass die Dozenten und der Dirigent – in der nächsten Arbeitsphase ist es Peter Kuhn – gemeinsam ein Programm überlegen. Die Solisten hingegen stehen immer schon sehr lange vorher fest, weil sie sich bewerben müssen. Und so wurde schon vor Corona beschlossen, dass Daniel Matthewes in der Winterarbeitsphase das Konzert für Kontrabass spielen würde. Wir sind froh, dass es klappt, und Peter Kuhn hat sich glücklicherweise auf die unsichere Situation eingelassen.

Unsicher, weil die Arbeitsphase immer noch kurzfristig abgesagt werden kann.

Dr. Christel Bresser: Wir wollen aber die Hoffnung nicht aufgeben und gerade jetzt noch mal ein Zeichen setzen. Denn es ist für die jungen Leute enorm wichtig. Neben dem gemeinsamen Musizieren wird ja auch die Teamfähigkeit und vieles weitere geschult, was über die Dimension von Musik hinausgeht. Unsere Musiker sind Leute, die diszipliniert arbeiten und trotzdem Spaß haben können. Das ist das Besondere, was die JuSis seit 47 Jahren ausmacht. Wenn wir das jetzt für lange Zeit unterbrechen müssten, ginge ein Teil unserer Tradition und Kontinuität verloren. Aber wir Vorstandsmitglieder und auch alle Dozenten sind optimistisch. Es gibt von allen Seiten ein großes Engagement. Bedanken möchte ich mich besonders auch bei unseren Sponsoren, die uns weiterhin die Treue halten und ganz toll unterstützen. Wir haben jetzt in Corona-Zeiten sogar noch neue Sponsoren dazugewinnen können. Das ist von unschätzbarem Wert, weil die Probenphasen durch besondere Maßnahmen, die wir ergreifen müssen, noch einmal teurer werden.

Und Sie werden weniger Konzerteinnahmen verbuchen, weil Konzertsäle wie etwa die Oetkerhalle nur noch mit etwa 450 Zuhörern statt bislang 1500 besetzt werden dürfen.

Dr. Christel Bresser: Das ist natürlich schade. Aber deswegen sind wir so froh, dass die Sponsoren bei der Stange geblieben sind und uns signalisieren: Macht weiter!

Dieses Weitermachen ist zugleich verbunden mit einer enormen Förderung junger, begabter und leistungswilliger Musikerinnen und Musiker, die unter professionellen Bedingungen und unter wechselnden Dirigenten Orchestererfahrung sammeln können.

Rune McCallum: Genau so ist es. Und gerade die Notwendigkeit, sich immer wieder auf einen anderen Dirigenten einstellen zu müssen, ist für spätere Profimusiker so enorm wichtig. Denn jeder Dirigent hat seinen eigenen Stil. Darüber hinaus ist die Möglichkeit, in deinem tollen Konzerthaus wie der Oetkerhalle spielen zu dürfen, ist für jeden von uns ganz wunderbar.

Dr. Christel Bresser: Einige unserer Jungen Sinfoniker sind später Berufsmusiker geworden. Aber darum geht es nicht vorrangig, denn es tut jedem engagierten Musiker gut, dieses Gemeinschaftsgefühl zu erleben, gemeinsam eine Sinfonie zu erarbeiten und zu spielen. Das weiß ich aus Erfahrung, denn auch ich habe als Jugendliche als Kontrabassistin bei den Jungen Sinfonikern mitspielen dürfen, wie auch später meine Kinder. Orchesterarbeit ist ein Training fürs Leben. Man lernt viel, unter anderem soziale Kompetenz und Teamgeist.

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