Kommentar
Die Bielefelder Grünen lassen die Muskeln spielen

Bielefeld -

Nach der Kommunalwahl strotzen die Grünen vor Selbstbewusstsein. Das war auch in dieser Woche zu spüren, als in den meisten Stadtbezirken die Bezirksbürgermeister gewählt wurden.

Samstag, 07.11.2020, 07:40 Uhr
Die Grünen in Bielefeld haben mächtig zugelegt. Selbstbewusst setzen sie nun ihre Ziele durch. Foto: dpa

In Gadderbaum, wo die Grünen inzwischen mit absoluter Mehrheit regieren, pfiffen sie auf den guten Brauch, der zweitstärksten Fraktion auch den Stellvertreter-Posten zuzubilligen. Den gönnten sie sich gleich selbst. In Stieghorst vergrätzten sie die SPD und verweigerten dem bisherigen Bezirksbürgermeister die Stimme - mit der Folge, dass dort der CDU-Mann durchs Ziel kam.

22,3 Prozent bei der Ratswahl, elf Direktmandate, stärkste Kraft in Mitte, Schildesche, Gadderbaum und Dornberg, das ist in der Tat eine stramme Leistung. Doch andernorts waren ihre Parteifreunde bei ähnlicher Ausgangslage durchaus noch besser. In Aachen, Bonn oder Münster. Unter anderem, weil ihre OB-Kandidatin nicht besonders gut ankam, verfehlten die Grünen ihr Ziel, im Bielefelder Rat die größte Fraktion zu stellen.

Ihre Forderungen in den laufenden Sondierungsgesprächen sind dennoch maximal. Dem Umweltdezernat, das sie wieder für sich reklamieren, soll auch das wichtige Amt für Verkehr zugeschlagen werden. Die Verkehrswende steht über allem. Auf Druck der Grünen wird es wieder einen dritten Bürgermeister-Posten geben. Sie forcieren Rot-Grün-Rot, ein Bündnis mit SPD und Linken, weil sie sich dort die besten Chancen ausrechnen, der Taktgeber zu sein. Aus den anderen Parteien ist zunehmend ein Grummeln zu vernehmen. Die Grünen sollten den Bogen nicht überspannen, heißt es hinter vorgehaltener Hand. Besser als gedacht sollen deshalb auch die Gespräche zwischen CDU und SPD laufen.

Wie es für die Grünen dezent und effizient laufen kann, zeigt die Koalitionsvereinbarung mit SPD und Linken in Dornberg. Die hat der ausgleichende grüne Bezirksbürgermeister Paul John maßgeblich mit ausgehandelt. Er reicht aber auch CDU und FDP die Hand. Wichtige Entscheidungen sollten gemeinsam getroffen werden. Nur so hätten sie Bestand, ist seine Überzeugung.

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