Zweiter Lockdown setzt dem Gewerbe schwer zu – Umsätze um die Hälfte eingebrochen
Bielefelds Taxifahrer fordern Unterstützung

Bielefeld -

Keine Geschäftsleute, keine Nachtschwärmer, keine Großveranstaltungen: Bielefelds Taxigewerbe leidet massiv unter den Corona-Folgen. Und jetzt noch der neuerliche Lockdown. „In dieser Woche habe ich fünfzig Prozent weniger Fahrten gehabt als in der Vorwoche. Und die war auch schon mau“, sagt Andreas Wieand (49), der gemeinsam mit Werner Gromnitza ein Taxiunternehmen in der Stadt betreibt. Sechs Fahrzeuge haben sie auf der Straße. Gromnitza (73) erzählt, dass er an diesem Freitagvormittag zwei Fahrten absolviert hat: „An einem normalen Freitag wären es 15.“

Samstag, 07.11.2020, 07:10 Uhr
Beklagen erhebliche Umsatzeinbrüche: (von links) die Taxifahrer Werner Gromnitza, Andreas Wieand, Damnjan Garic und Ihsan Topuz am Taxistand Betheleck. Foto: Michael Schläger

„Wir sind seit März im Krisenmodus“, klagt Wieand. Und Damnjan Garic (68), langjähriger Vorstand der Bielefelder Funk-Taxi-Zentrale Bieta, formuliert die klare Forderung, dass nicht nur das Gastgewerbe oder Künstler von der Zehn-Milliarden-Lockdown-Entschädigung des Bundes profitieren sollten, sondern auch das Taxi-Gewerbe. „Wir sind dazu verpflichtet, den Betrieb aufrecht zu erhalten, aber wir haben fast keine Einnahmen mehr“, sagt er stellvertretend für die weit mehr als 600 Taxifahrer, die auf Bielefelds Straßen unterwegs sind.

Was das konkret bedeutet, schildert Wieand. „Bei mir geht‘s an die Altersvorsorge“, sagt er. Die Lebensversicherung – gekündigt. Ihsan Topuz (42) ist Ein-Wagen-Unternehmer. Die trifft die aktuelle Situation besonders hart. Eigentlich müsste er 16 Stunden unterwegs sein, um halbwegs auf seine Kosten zu kommen, und das sieben Tage in der Woche. „Ich fahre sechs Tage, jeweils neun Stunden“, erzählt er. Manchmal kommt Topuz dann nur auf magere sieben bis acht Touren pro Tag.

Sieben bis acht Touren pro Tag

Angestellte Taxifahrer werden in Kurzarbeit geschickt. Doch manchmal verdienen die nur 1200 Euro im Monat. Bleiben 700 Euro Kurzarbeitergeld. „Dann bleibt für viele nur noch der Weg zum Amt“, so Wieand, der 13 Fahrer beschäftigt.

Was dem Gewerbe bleibt, sind die Krankenfahrten. Doch die werden nach Ansicht der Droschken-Fahrer nicht mal kostendeckend von den Krankenkassen entlohnt. Im Einsatz sind die Taxifahrer auch beim Transport von Corona-Tests in die Labore. „Unsere Arbeit ist auch systemrelevant“, meint Damnjan Garic.

Doch anerkannt wird das nach Ansicht der Taxifahrer nicht. So gilt seit 1. November wieder die komplette Betriebspflicht in Bielefeld, was bedeutet, dass die Fahrzeuge mindestens acht Stunden bereit stehen müssen. Ob Kundschaft kommt, interessiert dabei nicht. Vorübergehend war die strenge Regel nicht gar so streng ausgelegt worden.

Fahrzeuge sicher

Die Einnahmen im Taxigewerbe brechen auch deshalb weg, weil viele Fahrgäste sich nicht mehr in die Fahrzeuge trauen. Sie fürchten, sich dort leichter mit dem Virus anstecken zu können. „Dabei desinfizieren wir das Fahrzeug-Innere mindestens dreimal am Tag“, betont Wieand. Fahrer und Fahrgast müssten Maske tragen, und außerdem trennt eine Plexiglasscheibe Rückbank und Fahrersitz. „Da kann eigentlich nichts passieren.“ Für den Einbau der Scheiben gibt‘s Zuschüsse. Sie zu beantragen, ist hoch kompliziert.

Zu allem Überfluss droht auch noch ein deregulierter Markt. Für die Taxi-Branche ist Uber der Feind. Der US-Fahrdienstvermittler breche geltendes Recht und mache mit Dumpingpreisen den Markt kaputt, meint auch Damnjan Garic. Noch gehört Bielefeld nicht zum Uber-Verbreitungsgebiet. Auch andere Anbieter gibt es noch nicht. Sie alle vermitteln Fahrten an Mietwagenfirmen. Für diese gilt laut Personenbeförderungsrecht eigentlich eine Rückkehrpflicht an den Betriebssitz nach jeder Fahrt. Doch die ließe sich am Ende kaum kontrollieren. „Traurige Aussichten“, meint Andreas Wieand.

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