Jüdische Gemeindemitglieder besuchen Holocaust-Leugnerin in der Haft
„Es war schlimmer, als wir befürchtet hatten“

Bielefeld/Vlotho -

Nach zweieinhalb Jahren Haft ist die mehrfach vorbestrafte Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck (91) aus Vlotho am Donnerstag aus dem Bielefelder Gefängnis entlassen worden. Sie wurde am Tor von einer Hand voll Sympathisanten erwartet.

Donnerstag, 05.11.2020, 21:07 Uhr aktualisiert: 05.11.2020, 21:10 Uhr
Gegner der Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck hatten vor dem Gefängnis dieses Plakat aufgehängt. Foto: Christian Althoff

 

Was bisher nicht öffentlich bekannt war: Mitglieder der Jüdischen Gemeinde Bielefeld haben die Frau, die den millionenfachen Mord an Juden leugnet, vor längerer Zeit im Gefängnis besucht. Das bestätigte am Mittwoch die Gemeindevorsitzende Irith Michelsohn. „Wir wollten uns ein eigenes Bild von ihr machen, um nicht nur das zu kennen, was in den Zeitungen steht.“

Es sei ein sehr langes Gespräch gewesen, das zum Schluss von Ursula Haverbeck beendet worden sei. Zum Inhalt möchte sich Iris Michelsohn nicht äußern. „Es ist nicht gut, wenn die Gedanken dieser Frau immer wieder veröffentlicht werden.“ Aber dann sagt die Gemeindevorsitzende doch noch diesen Satz: „Wir hatten uns von dem Gespräch nichts erwartet. Aber dann war es noch schlimmer, als wir befürchtet hatten.“ Bis heute wirke die Begegnung mit Ursula Haverbeck bei ihr nach.

Uwe Nelle-Cornelsen, der Leiter der Justizvollzugsanstalt Bielefeld-Brackwede, sagt: „Die Frau hat ihre fest gefügten Ansichten, und niemand wird erwarten, dass man einen Menschen über 90 noch ändert.“ Weil Haverbeck sich nie mit ihren Taten auseinandergesetzt hat, wurde ihre Haft auch nicht verkürzt. „Sie hat jeden Tag ihrer Strafe abgesessen“, sagt Nelle-Cornelsen. In der JVA soll Haverbeck allerdings nicht versucht haben, ihr Gedankengut zu verbreiten. „Sie war ein pflegeleichter Häftling.“

Das Landgericht Detmold hatte die Seniorin 2018 zu 14 Monaten Gefängnis verurteilt, das Landgericht Verden zu zwei Jahren. Daraus war eine Gesamtstrafe von zweieinhalb Jahren gebildet worden. Haverbeck hatte unter anderem behauptet, Auschwitz sei kein Vernichtungslager gewesen, sondern ein Arbeitslager.

Dass die Frau, die am Sonntag 92 wird, das Gefängnis verlassen durfte, hat sie möglicherweise auch einer langsamen Justiz zu verdanken: 2015 wurde Haverbeck in Hamburg wegen Volksverhetzung zu zehn Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt, ging aber in Berufung. Das Landgericht Hamburg hat es bis heute nicht geschafft, die Berufungsverhandlung durchzuführen – und die Haftstrafe möglicherweise rechtskräftig werden zu lassen.

Für den 17. November ist der nächste Prozess wegen Volksverhetzung angesetzt, diesmal am Amtsgericht Berlin-Tiergarten. Ob Haverbeck, wie schon zuvor, geltend machen wird, gesundheitsbedingt nicht reisen zu können, wollte ihr Anwalt nicht sagen.

Irith Michelsohn, die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Bielefeld, hat keinen Zweifel an der Verhandlungsfähigkeit der 91-Jährigen: „Wir haben sie als fitte Frau kennengelernt, der man ihr Alter nicht anmerkt. Sie hatte keinerlei Wortfindungsschwierigkeiten und war sehr eloquent.“

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