Spaziergänger und Hunde auf Abwegen gefährden Biotop und Flugbetrieb in Bielefeld
Zaun schützt Piloten und Natur

Bielefeld -

Zwei nicht ange

leinte Hunde rennen übers Flugfeld, sehen eine Gruppe von Schafen, die im Auftrag des Landschaftsschutzes den Bewuchs kurz hält, und reißen eines der Tiere.

Mittwoch, 04.11.2020, 05:45 Uhr aktualisiert: 04.11.2020, 05:50 Uhr
Der 70 Hektar große Flugplatz wird neu umzäunt, um Besucher und Hunde vom Flugfeld und den wertvollen Biotopen fernzuhalten. Foto: Thomas F. Starke

Diese Szene aus dem vergangenen Jahr soll sich nicht wiederholen – und gehört zu den Gründen, warum um den Flugplatz in Windelsbleiche jetzt ein neuer Zaun gezogen wird. Dabei geht es auch um die Sicherheit des Flugbetriebs.

Vor rund 90 Jahren wurde der Flugplatz in Senne angelegt, ist heute noch eine wichtige Verkehrseinrichtung für Berufs- und Hobbypiloten mit rund 15.000 Starts und Landungen alleine von Motorflugzeugen. Der Platz ist aber Standort eines für Bielefeld einzigartigen Biotops, das regelmäßig durch Spaziergänger und Hunde gestört wird. Um beides zu sichern, nimmt die Flughafen Bielefeld GmbH jetzt einen „größeren fünfstelligen Betrag“ für den Bau des Zauns in die Hand.

Auf 2,5 Kilometern Länge auf der Nordseite und entlang der Straße Am Flugplatz baut eine Fachfirma derzeit einen 1,2 Meter hohen schwarzen Gittermattenzaun am Rand des Flugplatzes, der zwar kleinere Säugetiere wie Igel und Hasen, nicht aber Hunde und Menschen durchlassen soll. Er ersetzt etwa auf der Hälfte des Flugplatzumfangs in Abschnitten, die nicht durch dichten Bewuchs geschützt ist, den bisherigen Zaun. Der besteht eigentlich nur aus einzelnen Drähten und wird regelmäßig von Menschen überwunden, wie Flugplatz-Geschäftsführer Lars Oliver Geertz berichtet.

Jogger und Spaziergänger haben jenseits des alten Zaunes längst einen Weg in den Boden neben dem Flugfeld getrampelt. Nicht selten werden Spaziergänger neben oder auf den Landebahnen für Motorflugzeuge sowie der Schlepppiste und Landewiese der Segelflieger beobachtet. Sie können sich und die Insassen der Maschinen in Gefahr bringen.

Für Geertz und den Flugplatz-Betriebsleiter Carsten Köhne war es nun an der Zeit, mit einem stabilen Zaun für mehr Sicherheit zu sorgen. Er ist aber auch wichtig für den Natur- und Landschaftsschutz, wie Dietmar Althaus vom Umweltamt erklärt. Denn er verhindert künftig, dass Menschen und Hunde die wertvollen Biotope betreten.

Denn auf rund 50 Hektar des 70 Hektar großen Flugplatzes befinden sich Althaus zufolge offene Flächen mit Heidekraut, Magerrasen und Dünen. Sie sind Brutplatz für bedrohte Bodenbrüter wie Heide- und Feldlerche, Baum- und Wiesenpieper, für Neuntöter und Schwarzkehlchen. Auch für Zauneidechsen sind sie ein Lebensraum. Diese Arten würden erheblich gestört, wenn sie von Hunden aufgescheucht würden.

„Eine so große zusammenhängende Fläche dieser Art gibt es kein zweites Mal im Bielefelder Süden“, sagt Dietmar Althaus. „Das ist eine städtische Fläche, und die Stadt ist bestrebt, sie zu erhalten.“ Vergleichbares gebe es erst wieder hinter Oerlinghausen oder im Bereich des Truppenübungsplatzes bei Augustdorf. Schafe der Bethel-Herde sind daher gelegentlich vor Ort, um das Heidekraut und andere Pflanzen kurz zu halten.

Die Interessen von Flugplatz und Naturschutz gehen hier Hand in Hand, wie Geertz und Althaus betonen. Besucher sollen gelenkt, aber vom Erlebnis nicht gänzlich ausgeschlossen werden. Denn die offene Landschaft, der Blick aufs Geschehen rund um den Flugplatz seien nun einmal Anziehungspunkte. Daher wird der neue Zaun so platziert, dass der bisher illegale Weg nun auch der offizielle Weg wird, Spaziergänger einen guten Blick auf den Platz und das Biotop haben, am Betreten aber gehindert werden. Geertz und Köhne haben für eine bessere Sicht Sträucher roden lassen. Besucher könnten somit weiterhin die rund fünf Kilometer lange Runde um den Platz genießen, sagt Dietmar. Und: „Das ist ein guter Kompromiss“, die Alternative wäre gewesen, Besucher weiträumig auszusperren.

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