Corona: NRW verbietet Präsenzunterricht, Bayern nicht
Ärger um Musikschul-Schließungen

Bielefeld -

Kein Schul- Lockdown in NRW? Doch! Alle Musikschulen mussten am Montag ihren Präsenzunterricht für vier Wochen einstellen – im Gegensatz zu Musikschulen in Bayern und vielen anderen Bundesländern.

Dienstag, 03.11.2020, 07:44 Uhr aktualisiert: 03.11.2020, 07:54 Uhr
Zusammen musizieren – das wird es in nächster Zeit in Nordrhein-Westfalen nicht mehr geben. Foto: dpa

 

Reinhard Knoll ist Präsident des Landesmusikrats, des Dachverbandes für das Musikwesen in NRW. Er sagt: „Wir hatten am Donnerstag gehört, dass es so kommen sollte. Der Landesverband der Musikschulen und andere haben sich sofort an Ministerpräsident Armin Laschet, Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann und Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen gewandt – ohne Erfolg.“ Dass Länder wie NRW. Hessen und Sachsen ihre Musikschulen schlössen, aber die Mehrzahl der Bundesländer nicht, spreche nicht dafür, dass Musikschulen Corona-Hotspots seien, sagt Knoll. In Bayern und anderen Ländern wurden Musikschulen den herkömmlichen Schulen gleichgestellt, weshalb sie weiter unterrichten dürfen.

336.000 Kinder und Jugendliche besuchen eine der 160 öffentlichen Musikschulen in NRW, 7525 Lehrkräfte unterrichten dort. Dazu kommen noch etwa 135 private Musikschulen.

Es gibt keine Qualitätsstandards für Online-Musikunterricht.

Johannes Strzyzewski

„Jahrelang hat uns die Politik für unsere Bildungsarbeit gelobt, aber jetzt werden wir einfach zu den Freizeiteinrichtungen gezählt“, sagt Johannes Strzyzewski, Direktor der Musik- und Kunstschule Bielefeld. Sie ist mit 7500 Schülern eine der größten im Land. „Ein Schüler, ein Lehrer, dazwischen eine Plexiglasscheibe und gute Belüftung – ich kann da keine Gefahr sehen“, sagt Strzyzewski und erzählt von seinem Sonntagsspaziergang. „Da bin ich an einer Kirche vorbeigekommen, in der mit Inbrunst gesungen wurde. Das passt doch nicht.“

Dass die Landesregierung etwas gegen die stark steigenden Corona-Zahlen habe tun müssen, sehe er auch so, sagt Landesmusikrats-Präsident Reinhard Knoll. „Aber man hätte differenzieren können.“ Natürlich sei Bläserunterricht problematisch, und Gesang möglicherweise auch. „Aber den größten Teil des Einzelunterrichts hätte man wahrscheinlich stattfinden lassen können.“ Auf digitalen Unterricht umzusteigen sei nämlich für Musikschulen nicht so einfach wie für andere Schulen. Das bestätigt auch Schulleiter Johannes Strzyzewski aus Bielefeld. „Es reicht nicht, wenn Sie ein Tablet oder einen Laptop haben. Sie brauchen ein gutes Mikrofon und ein Interface, um das Mikro mit dem Computer zu verbinden.“ So etwas besäßen die wenigsten Schüler und Lehrer. Außerdem lasse sich die Fingerhaltung von Schülern am Instrument aus der Ferne kaum korrigieren.

Geld für November gibt‘s zurück

„Es gibt ja bisher überhaupt keine Qualitätsstandards für Online-Musikunterricht“, sagt der Schuldirektor. „Die werden wir jetzt erst einmal erarbeiten müssen.“ Auch in der Gebührensatzung der Schule tauchten Online-Stunden noch nicht auf.

Aktuell berechnet die Musikschule Bielefeld für 45 Minuten Instrumental-oder Gesangsunterricht 90 Euro. Gisela Bockermann, Sprecherin der Stadt Bielefeld: „Die Eltern bekommen ihr Geld für November auf jeden Fall zurück.“ Andere Städte haben noch nicht entschieden, wie sie in dieser Frage verfahren.

Auch wenn der Lockdown diesmal nur vier Wochen dauern soll – Johannes Strzyzewski glaubt nicht an eine schnelle Normalisierung. „Unser Pop-Oper ,van Beethoven‘ zum 250. Geburtstag des Komponisten wurde schon auf Juni 2021 verschoben. Aber im Moment glaube ich kaum, dass sie dann aufgeführt werden kann.“

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