Mordprozess nach Bluttat in Baumheide
18-Jähriger gibt Tötung zu

Bielefeld -

Unter Ausschluss der Öffentlichkeit hat am Montag vor dem Bielefelder Landgericht der Prozess gegen einen 18-Jährigen wegen Mordes aus Habgier begonnen.

Dienstag, 03.11.2020, 06:00 Uhr aktualisiert: 03.11.2020, 06:02 Uhr
Symbolfoto Foto: dpa

Der Angeklagte soll in der Nacht auf den 1. Mai 2020 an der Stadtbahnhaltestelle Schelpmilser Weg in Baumheide einen 17-Jährigen erstochen haben. Der Prozess vor der 3. Großen Jugendkammer wird nicht-öffentlich geführt, weil viele Delikte mitverhandelt werden, die der Angeklagte noch als 17-Jähriger und damit als Jugendlicher begangen haben soll. Dabei geht es unter anderem um Raubdelikte, Fahren ohne Führerschein und Drogendelikte.

Im Mittelpunkt des ersten Verhandlungstages standen dabei die Verlesung der Anklageschrift und die Einlassungen des Angeklagten zu den Tatvorwürfen.

Dem Vernehmen nach hat sich der 18-Jährige selbst zu den Vorwürfen geäußert und die Tötung des Opfers eingeräumt, nicht aber die Einordnung des Geschehens als Mord aus Habgier. Die Einlassungen zu den einzelnen Taten seien noch nicht abgeschlossen, hieß es aus dem nicht-öffentlichen Verfahren.

Am ersten Prozesstag sollen die Verfahrensbeteiligten einzelnen Taten durchgegangen sein, darunter das mutmaßliche Geschehen an der Stadtbahnhaltestelle. Dort soll der 18-jährige Deutsche sein Opfer mit einem Messer bedroht und dessen Rucksack gefordert haben. Als der 17-Jährige sich weigerte, ihm diesen zu überlassen, soll der Angeklagte zweimal zugestochen haben. Ein Stich traf eine Schlagader, der Jugendliche verblutete noch an der Haltestelle.

Der Fall hatte besonders hohe Wellen geschlagen, weil der Angeklagte erst wenige Wochen zuvor aus der Untersuchungshaft entlassen worden war. Er war wegen mehrerer Körperverletzungs- und Raubdelikte verhaftet worden. Die SPD-Fraktion im Düsseldorfer Landtag hatte seine Entlassung wegen der Corona-Krise vermutet.

Im Rechtsausschuss hatte Justizminister Peter Biesenbach (CDU) berichtet, die Entlassung aus der U-Haft sei erfolgt, weil sie sonst unverhältnismäßig gewesen wäre. Nach Einschätzung der zuständigen Jugendrichterin am Amtsgericht hatte der bis dahin nicht Vorbestrafte eine Jugendstrafe mit Bewährung zu erwarten. Biesenbach verteidigte die Gründe als „nachvollziehbar und vertretbar“.

Sollte der 18-Jährige wegen Mordes verurteilt werden, drohen ihm nach Jugendrecht bis zu zehn Jahre Haft. Es sei denn, die Jugendkammer stellt die besondere Schwere der Schuld fest. Dann können auch bis zu 15 Jahre verhängt werden.

Dem Vernehmen nach gibt es trotz der Einlassungen des Angeklagten „noch viel zu klären“. Das Gericht hat 16 Verhandlungstage bis Mitte Januar angesetzt. Nächster Prozesstag hinter verschlossenen Türen ist an diesem Donnerstag. Dann sollen erste Zeugen vernommen werden.

Der 18-Jährige wird von den Anwälten Mirko Roßkamp und Martin Mauntel verteidigt. Auch die Eltern des getöteten Jugendlichen sind als Nebenkläger im Prozess jeweils durch einen Anwalt vertreten.

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