Bielefelds Gastronomie-Szene am Tag 1 des Lockdowns
Nichts geht mehr gilt nur bedingt

Bielefeld -

Von Hundert auf Null. Während das Gastronomiegeschäft am Wochenende noch einmal richtig boomte, herrscht seit Montag in der Bielefelder Innenstadt weitgehend gedämpfte Stimmung.

Dienstag, 03.11.2020, 05:00 Uhr
Die Suppenbar „Cook and Look“ verkauft Mittagsgerichte außer Haus. Kunden holen Suppen, Eintöpfe oder Aufläufe bei (von links) Marina Nihaljevic, Dirk Herbert und Ingrid Baumgart persönlich ab. Foto: Thomas F. Starke

 

Die meisten Restaurants und Cafés sind geschlossen. Wer es einrichten kann, bietet in den Mittags- und Abendstunden Gerichte zum Mitnehmen an. Hochbetrieb herrscht dagegen an traditionellen Imbiss-Buden wie etwa bei den Döner Brothers und dem China-2-go am Jahnplatz beziehungsweise in den Backfactorys der Innenstadt.

Dort schuften die Mitarbeiter im Akkord, um die große Nachfrage befriedigen zu können. Denn viele Berufstätige, die bislang mittags ein Restaurant oder Café in der Innenstadt aufsuchten, decken sich jetzt am Schnellimbiss mit Mittagsgerichten ein und verzehren ihre Mahlzeit im Büro oder auf einer Parkbank.

Auf der „Food-Meile“ zwischen Arndt- und Karl-Eilers-Straße herrscht normalerweise mittags und abends Hochbetrieb. Aktuell verirrt sich kaum jemand dort hin. „Bis bald. Bleiben Sie gesund“, wünscht das Nichtschwimmerteam mittels eines Plakats an der Eingangstür.

Doch nicht überall sind die Lichter hinter den Fensterscheiben aus. Im Mellow gold brennt Licht, kommen vereinzelt Kunden mit einer Papiertüte aus der Tür herausspaziert. „Wir bieten von 12 bis 15 und 17 bis 20 Uhr Essen zum Mitnehmen an. Und das wird bislang ganz gut angenommen. Viele Kunden kommen aus den umliegenden Büros. Ich bin ganz zuversichtlich, dass wir das hinkriegen“, sagt Mellow-gold-Angestellte Nicki Albus.

Ein paar Meter weiter prangt auch vor dem Wobu ein To-Go-Schild. Nicht mehr als fünf Personen sollen gleichzeitig eintreten.

Kaum jemand verirrt sich jedoch in den Food Court im Loom, obgleich dort die Restaurantbetriebe ebenfalls Gerichte zum Mitnehmen anbieten.

In der Altstadt profitiert mancher Gastrobetrieb von seiner Stammkundschaft. Die Suppenbar „Cook and Look“ in der Obernstraße etwa hält fast ihr gesamtes Angebot zum Mitnehmen bereit. Chefin Marina Nihaljevic hält mit den beiden Angestellten Dirk Herbert und Ingrid Baumgart die Stellung und füllt Suppen und Eintöpfe in eigens angeschaffte, transportsichere Terrinen ab.

Das Peter Pane in der Niedernstraße bietet gar an, sich den Lieblingsburger und andere Speisen nach Hause liefern zu lassen.

Lange Gesichter gibt es aber bei gut gehenden Restaurantbetrieben, die eigens in eine herbst- und wintertaugliche Außengastronomie mit Zelten und Heizpilzen investiert hatten. Das 3eck in der Zimmerstraße hat geschlossen und erst kürzlich aufgebaute transparente Wände und Heizstrahler bereits abmontiert.

Im stabilen Partyzelt mit Holzfußboden sitzt Montagmittag die Crew des divino rund um Inhaber Gianni Mete und hadert mit dem neuerlichen Lockdown. Mete hat seine beiden Betriebe, die Weinbar mit Restaurant und das daneben liegende Eiscafe, vorerst geschlossen. Soll er einen Lieferservice anbieten? Vorerst wohl nicht. „Der Umsatz wird von der Soforthilfe abgezogen. Das lohnt sich nicht“, sagt Gianni Meta.

Wie alle Unternehmen mit bis zu 50 Beschäftigten kann er eine einmalige Kostenpauschale in Höhe von bis zu 75 Prozent seines November-Umsatzes von 2019 beantragen, muss davon aber auch das Kurzarbeitergeld seiner 14 Angestellten bezahlen. Ob das Zelt bleibt oder nicht, soll sich Mitte November entscheiden. „Gehen die Infektionszahlen bis dahin zurück, bleibt das Zelt stehen. Steigen sie wieder, wird es abgebaut“, sagt Mete.

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