Am Montag starten die Wahlen der zehn Bielefelder Bezirksbürgermeister – Gadderbaum macht den Anfang
Rot-Grün-Rot ist kein Selbstläufer

Bielefeld -

Schaut man auf die Ergebnisse bei der Kommunalwahl zurück, dann hat die CDU für sechs der zehn Bielefelder Bezirksvertretungen die Stimmenmehrheit geholt. Vier Bezirke gehen mehrheitlich an die Grünen, einer an die SPD. Wenn in dieser Woche die Bezirksbürgermeister in den zehn Stadtbezirken gewählt werden, werden sich diese Mehrheitsverhältnisse aber kaum widerspiegeln.

Sonntag, 01.11.2020, 18:35 Uhr aktualisiert: 01.11.2020, 18:38 Uhr
Die historischen Stühle im Rathaus symbolisieren die früheren Gemeinden des Kreises Bielefeld, die weitestgehend in den heutigen Stadtbezirken aufgegangen sind. Foto: Bernhard Pierel

 

Denn die Mitglieder der Bezirksvertretungen entscheiden über die Besetzung des Spitzenamtes, suchen sich Mehrheiten, um eigene Kandidaten durchzubringen. Somit gilt nur ein Bezirksbürgermeisterposten für die CDU als sicher. Rot-Grün-Rot kann in den meisten Bezirken eine CDU-Mehrheit brechen, aber auch das ist nicht in allen Stadtteilen ein Selbstläufer.

 

Senne

 

In Senne gilt die Wiederwahl von Gerhard Haupt als CDU-Kandidat sicher. Dazu reicht die Unterstützung der FDP aus. Haupt war auch in der vorangegangen Wahlperiode einziger CDU-Bezirksbürgermeister in Bielefeld. SPD und Grüne wollen mit den Linken eine Liste bilden, ringen aber noch darum, wen sie als Gegenkandidaten ins Rennen schicken – und welche Fraktion somit voraussichtlich den Stellvertreter des Bürgermeisters stellt.

 

Mitte

 

Rot-Grün-Rot funktioniert in „Mitte“ nicht. Hier stehen sich zwei Lager gegenüber, und am Ende könnte ausgerechnet die AfD das Zünglein an der Waage sein. Die erstarkten Grünen wollen mit Gudrun Hennke die Bezirksbürgermeisterin stellen. Schließlich bilden sie jetzt mit sechs Vertretern die größte Fraktion. Doch die SPD, die über Jahrzehnte den Bezirksbürgermeister in der Innenstadt stellte, will nicht ihr Steigbügelhalter sein. Stattdessen soll ihr Mann Frederik Suchla ins Amt gehievt werden. Dafür gibt es Unterstützung von CDU und FDP. Zusammen kommen sie auf neun Stimmen. Die grüne Kandidatin wird von den Linken und der „Partei“ unterstützt. Macht ebenfalls neun Stimmen. Ausschlaggebend wäre damit das Votum von Maximilian Kneller (AfD), von dem sich keiner wählen lassen will. Sollte der sich enthalten, würde bei einem Patt das Los entscheiden.

 

Jöllenbeck

 

In Jöllenbeck ist die Lage ähnlich unklar. Eigentlich gibt es den Wunsch, die rot-grün-rote Zusammenarbeit der vergangenen sechs Jahre fortzusetzen. Doch es bestünden noch inhaltliche Differenzen, heißt es. Mike Bartels (SPD), der von 2014 bis 2017 Bezirksbürgermeister war, würde dieses Amt wohl gern wieder bekleiden. Die Grünen, die zuletzt mit Reinhard Heinrich den Bezirksbürgermeister stellten, wollen sich ebenfalls eine Option auf dieses Amt offenhalten – wenigstens für einen Teil der Wahlperiode. Gegenkandidatin wäre Heidemarie Lämmchen (CDU).

 

Dornberg

 

In Dornberg ist alles geklärt. Hier haben sich SPD, Grüne und Linke bereits auf eine Zusammenarbeit geeinigt und dies auch schriftlich fixiert. Als Bezirksbürgermeister soll Paul John (Grüne) im Amt bestätigt werden. Er will allerdings nicht über die gesamten fünf Jahre amtieren. Abgelöst werden soll er von Christiane Zier (SPD).

Schildesche

 

Auch in Schildesche haben die Grünen zugelegt, stellen mit fünf Mitgliedern nun die größte Fraktion. Deshalb soll auch der Grüne Prof. Georg-Martin Sauer Bezirksbürgermeister bleiben. Seine Stellvertreterin dürfte Susanne Kleinekathöfer (SPD) werden.

 

Gadderbaum

 

Jegliches Taktieren ist in Gadderbaum überflüssig: Nur in dieser Bezirksvertretung gibt es mit Blick auf die Zahl der Sitze eine absolute Mehrheit; die Grünen können die Wiederwahl Hannelore Pfaffs auf die eigenen Stimmen stützen. Weil die Gadderbaumer als erste in dieser Woche tagen, dürfte sie am Montagabend bereits ihr Amt antreten.

 

Sennestadt

 

Bei den Bezirksvertretungswahlen im September hatte die SPD nur in Sennestadt eine Stimmenmehrheit geschafft. Gleichwohl herrscht bei der Zahl der Sitze Gleichstand mit der CDU, die Tanja Orlowski als Kandidatin benennen will. SPD-Bezirksbürgermeister Lars Nockemann dürfte seine Wiederwahl aber auf die Unterstützung von Grünen und Linken stützen können. Sollte Orlowski unterliegen, würde ihr erneut der Stellvertreterposten zufallen.

 

Brackwede

 

In Brackwede wird im Vorfeld der konstituierenden Sitzung hart um Mehrheiten gerungen. Vincenzo Copertino tritt für die CDU an, die mit sechs Sitzen bei der Kommunalwahl eine deutliche Mehrheit hinlegte. Die SPD mit ihrem Gegenkandidaten Jesco von Kucz­kowski braucht die Unterstützung der Grünen, die aber hart verhandeln und wohl auf einer Ämterteilung bestehen: So soll Jesco von Kuczkowski wohl nach der halben Amtszeit zugunsten eines Grünen abtreten. Das sehen wiederum die Linken kritisch, deren Unterstützung das rot-grüne Bündnis aber aller Voraussicht nach braucht.

 

Heepen

 

Holm Sternbacher (SPD) war viele Jahre Heepens beliebter Bezirksbürgermeister. Das würde er auch gerne bleiben. Mit den Stimmen seiner eigenen Fraktion und von Grünen und Linken könnte dies auch gelingen. Eigentlich hat auch die Union mit ihm immer gut zusammengearbeitet. Sie will aber Elke Grünewald ins Rennen schicken. Sie wäre dann – wie bisher – Sternbachers Stellvertreterin.

 

Stieghorst

 

Auch in Stieghorst braucht SPD-Kandidat Reinhard Schäffer die Grünen, um die Mehrheit der CDU zu brechen und sich die Wiederwahl zu sichern. Nach den Zugewinnen bei der Kommunalwahl stellen die Grünen aber auch in Stieghorst Bedingungen, möchten dem Vernehmen nach das Spitzenamt zur Halbzeit übernehmen. Schäffer will das bislang aber wohl nicht. Ohne die Unterstützung der Grünen käme es im Duell mit CDU-Mann Bernd Henrichsmeier auf die Stimme der Linken an.

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