90 Jahre Rudolf-Oetker-Halle in Bielefeld
Orchester trifft Welle der Sympathie

Bielefeld -

Freud und Leid liegt in diesen Zeiten manchmal eng beieinander. So war es durchweg ein freudiger Anlass, der die Bielefelder Philharmoniker am Samstagabend aufs Konzertpodium der Oetkerhalle führte, galt es doch das 90-jährige Bestehen des Konzerthauses gebührend zu feiern.

Montag, 02.11.2020, 05:53 Uhr aktualisiert: 02.11.2020, 06:01 Uhr
In diesen Zeiten ein nur noch seltener Anblick: Bielefelds GMD Alexander Kalajdzic mit Streichern der Bielefelder Philharmoniker Foto: Thomas F. Starke

Und zwar mit einem Konzertprogramm, das annähernd schon bei der Eröffung der Musikhalle am 31. Oktober 1930 erklang – nunmehr allerdings leicht modifiziert, weil angepasst an die coronabedingten Hygiene- und Abstandsregeln.

Und damit kommen wir zum Leid, denn bekanntlich ruht von diesem Montag an der gerade erst wieder unter erschwerten Bedingungen angelaufene Kulturbetrieb erneut für mindestens vier Wochen. Somit wurde die Begeisterung, die vom live genossenen Hörerlebnis ausging, von einer gehörigen Portion Wehmut gedämpft. Diese Ambivalenz brachte das Publikum durch ungewöhnlich starke und hartnäckige Beifallsbekunden zum Ausdruck – eine eindeutige Sympathiebekundung in Richtung des philharmonischen Orchesters, dessen unbenommenen Qualitäten vom Publikum geschätzt und in diesen Zeiten des sozialen Abstands schmerzlich vermisst werden.

Nichtsdestotrotz stehen – wie Intendant Michael Heicks in seiner Ansprache betonte – Bühnen und Orchester hinter dem Lockdown. Heicks verwies auf eine Parallele zwischen damals und heute und erinnerte daran, dass die Rudolf-Oetker-Halle mit Hilfe der Familie Oetker in einer Zeit der schweren Weltwirtschaftskrise realisiert werden konnte. Am Ende seien es stets die Kulturbauten – und nicht die Finanzämter – die Städte zu Großstädten werden ließen, so Bielefelds Theaterintendant.

Einer Großstadt würdig war dann auch das Musikprogramm, das die selten zu hörende Sauer-Orgel mit einbezog. Wobei der Detmolder Orgelprofessor Dr. Martin Sander bei Franz Liszts “Präludium und Fuge über B-A-C-H“ manuelle Geschmeidigkeit und interpretatorische Kongruenz überragend in Einklang brachte und darüber hinaus die Klangfarben der Sauer-Orgel klug zu nutzen wusste. Gleichwohl drängte sich der Eindruck auf, dass eine Vielzahl an hervorragenden Kirchenorgeln in Bielefeld der Sauer-Orgel klanglich überlegen sind und sich solistische Orgelliteratur der Romantik mittels dieser Instrumente besser darstellen lässt.

Im Jahr 1930 war es Bachs berühmte Passacaglia und Fuge c-Moll, die die Qualitäten der Sauer-Orgel darstellen sollte. Die Bielefelder Philharmoniker spielten das Stück in einem Arrangement für Streichorchester und bewiesen im makellos vibratolosen Spiel einmal mehr ihren Sinn für Klarheit und Transparenz. Gleichmaß ohne Spannungseinbußen: Dafür sorgte Alexander Kalajdzic mittels eines leicht tänzelnden und dynamisch sorgsarm aufbereiteten Duktus. In federnder Leichtigkeit servierte das Orchester den dritten Satz der ersten Symphonie von Johannes Brahms, um am Ende bei Beethovens Leonoren-Ouvertüre mit der typischen Steigerungschoreografie des GMD sowie jubilierender Soloflöte und triumphaler Ferntrompete vollends zu begeistern.

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