Lockdown Bielefeld: Was erlaubt ist und was nicht
Clausen: „Es kommt auf uns alle an“

Bielefeld -

Jeder soll sich Gedanken machen, ob und mit wem er sich noch trifft: Begegnungen reduzieren – das ist das Credo, das Oberbürgermeister Pit Clausen als das dringende Gebot der aktuellen Lage ausgibt. Das müsse die Lehre aus den Corona-Maßnahmen des Landes, die zunächst nur für das öffentliche Leben gelten, auch für den privaten Bereich sein.

Sonntag, 01.11.2020, 17:34 Uhr aktualisiert: 01.11.2020, 17:36 Uhr
Bielefeld, Niedernstraße, Sonntagnachmittag 17.22 Uhr: Der Lockdown wird das Leben in Bielefeld erneut verändern. Foto: André Best

 

 

Der OB appelliert

Clausen appellierte am Samstag leidenschaftlich an die Vernunft der Bielefelder, warb um Verständnis für die Regelungen der neuen Coronaschutzverordnung, die von diesem Montag an gilt. „Wir wissen in den meisten Fällen nicht mehr, wer sich wo infiziert hat“, sagte der OB. Daher gehe es jetzt nicht mehr um eine Begründung, ob es in einzelnen Bereichen angemessen sei, den Betrieb herunterzufahren.

Clausen hält die Maßnahmen für verhältnismäßig, weil sie auf den November begrenzt seien. Sollte es nicht gelingen, in den kommenden vier Wochen die Zahlen zu senken, kämen auf die Menschen weitere Einschränkungen zu, dann müssten vielleicht auch Schulen wieder schließen. Pit Clausen: „Aber die gute Nachricht ist: Wir haben es in der Hand. Es kommt jetzt auf uns an.“

Das wichtigste Ziel sei es, die Infektionszahlen zu senken, eine schnellere Kontaktnachverfolgung wieder hinzubekommen. Umso erfreulicher sei die Mitteilung der Bundeswehr, so Krisenstabsleiter Ingo Nürnberger, dass die zehn abgeordneten Soldaten in Bielefeld weiter bei der Nachverfolgung helfen – und nun zehn weitere Soldaten zusätzlich eingesetzt würden.

 

Die neue Coronaschutzverordnung des Landes wird das Leben der Menschen auch in Bielefeld im November drastisch einschränken. Im Kulturbereich, der Gastronomie und im Sport geht nahezu nichts mehr. Clausen und Nürnberger zeigten Folgen der Verordnung für die Bielefelder für einige Lebensbereiche auf:

 

Gottesdienste

So müssen Kirchen und Religionsgemeinschaften eigene Konzepte vorlegen. Damit will das Land die Religionsfreiheit stärker berücksichtigen als beim ersten Lockdown. Allerdings: Legen sie keine Konzepte vor, gelten die Hygiene- und Sicherheitsregeln der Coronaschutzverordnung für ähnliche Veranstaltungen, drohen Bußgelder bei Missachtung.

„Das ist neu“, sagte OB Pit Clausen und berichtet von Problemen zuletzt vor allem mit Freikirchen, die keine Konzepte vorgelegt hätten, bei denen die Nähe der Teilnehmer untereinander und lautes Singen aber in den Gottesdiensten eine große Rolle spielten.

 

Spielplätze

Zur Grundregel, dass sich in der Öffentlichkeit maximal zehn Personen aus zwei Haushalten treffen dürfen, gibt es eine Ausnahme: Kinder dürfen sich auf Spielplätzen auch in größerer Zahl und aus mehreren Haushalten treffen. Sind sie noch im Vorschulalter, benötigen sie auch keine Maske. Ältere Kinder müssen dort aber eine Maske tragen.

 

Sport

Vereinssport ist untersagt. Wer sich draußen durch Individualsport fit halten möchte, darf das nur alleine oder mit Mitgliedern aus seinem Haushalt. Das gilt auch für Bolzplätze, die somit anders zu betrachten sind als Spielplätze.

 

Maskenpflicht

In der Öffentlichkeit gilt weiter die Maskenpflicht an Orten, wo Abstände nicht eingehalten werden können. Damit bleiben Regelungen für die Einkaufsmeilen der Innenstand, in Brackwede und Sennestadt bestehen. Das Eilverfahren, das ein Kläger dagegen in Gang gesetzt hat, ist gescheitert. Die Maskenpflicht gilt auch in geschlossenen Räumen in der Öffentlichkeit, also etwa im Rathaus, aber auch auf Messen, Märkten und in Verkaufsstellen. Geschäfte müssen dafür sorgen, dass Besucherzahlen entsprechend der Ladengröße nicht überschritten werden.

 

Pflege

Pflegeeinrichtungen können Besuche einschränken, dürfen aber die Betroffenen nicht komplett isolieren.

 

Bibliothek

Die Stadtbibliothek bleibt für die Ausleihe geöffnet. Veranstaltungen finden dort aber nicht mehr statt.

 

Bildung

Außerschulische Angebote werden heruntergefahren: Musik- und Kunstschulen schließen, Sportangebote entfallen ebenso wie Ausflüge. Das berufsbezogene Angebot der VHS bleibt aber bestehen, ebenso Sprach- und Integrationskurse für Migranten.

 

Jugendarbeit

Die Angebote der offenen Kinder- und Jugendarbeit bleiben ebenfalls bestehen, aber begrenzt auf maximal zehn Teilnehmer.

 

Selbsthilfe

Selbsthilfeangebote werden fortgeführt, um etwa psychisch belastete Menschen zu unterstützen.

 

Skateranlage

Die Skater- und Calisthenics-Anlagen auf dem Kesselbrink und dem Johannisberg bleiben zugänglich, Abstände müssen aber eingehalten werden.

 

Sportunterricht

An den Schulen wird der Schwimm- und Sportunterricht weiter stattfinden.

 

Tierpark

Der Tierpark Olderdissen muss für den November schließen.

 

Versammlungen

Versammlungen dürfen nur stattfinden, wenn sie gesetzlich notwendig sind. Etwa wenn die Wahl eines Vorstands unbedingt erforderlich ist. Politische Gremien können unter Einhaltung der Abstands- und Hygienevorschriften tagen. Zuschauer sind in dem Umfang zugelassen, in dem die Räumlichkeiten es erlauben.

 

Weihnachtsmarkt

Ob der Weihnachtsmarkt in der Innenstadt stattfinden kann, soll sich am Dienstag entscheiden. Clausen machte aber klar: „Im November findet nichts mehr statt“, die neue Verordnung des Landes schließe das aus.

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