Haltestelle Schelpmilser Weg: Angeklagter soll bei missglücktem Raubüberfall jungen Mann (17) umgebracht haben
Tödlicher Messerstich: 18-Jähriger vor Gericht

Bielefeld (WB/abe/hz). Vier Tage vor seinem 18. Geburtstag ist ein Bielefelder in Baumheide bei einem Raubversuch erstochen worden. Der Angeklagte (18), ein polizeibekannter Intensivtäter aus Baumheide, soll sich des Mordes aus Habgier schuldig gemacht haben. Ihm wird vom kommenden Montag an der Prozess gemacht.

Donnerstag, 29.10.2020, 06:20 Uhr
Unter der Überführung der Stadtbahnhaltestelle Schelpmilser Weg starb der 17-Jährige vier Tage vor seinem Geburtstag. Foto: Thomas F. Starke

Am späten Abend des 30. April ereignete sich vor den Stadtbahngleisen an der Stadtbahnhaltestelle Schelpmilser Weg eine Bluttat , die nicht nur zutiefst erschütterte, sondern auch hohe politische Wellen bis in den Düsseldorfer Landtag schlug. Etwa eine Stunde vor Mitternacht sollen der Angeklagte und das Opfer, der 17-jährige Bielefelder, zufällig aufeinander getroffen sein. Beide kannten sich nicht.

Der jüngere Mann wollte der Anklage zufolge nach Hause fahren, als ihn der 18-Jährige plötzlich auf dem Bahnsteig mit einem Messer bedroht und die Herausgabe seines Rucksacks verlangt haben soll. Obwohl der 17-Jährige seinem Gegner körperlich überlegen war, hatte er keine Chance. Nach der Weigerung, seinen Rucksack heraus zu geben, soll der Räuber das Opfer angeschrien haben, ihm die Beute sofort zu übergeben, und dann unvermittelt zugestochen haben. Der 17-Jährige erlitt einen Stich in die Beckenschlagader und verblutete an der Haltestelle trotz des Eingreifens von Ersthelfern innerhalb kurzer Zeit noch vor Eintreffen eines Notarztes, heißt es in der Anklage.

In der Zeit bis zu seiner Festnahme am folgenden Tag soll sich der mutmaßliche Täter versteckt haben. Bevor die Ermittler einer Mordkommission den Mann ergriffen, soll der 18-Jährige die Messerattacke im Bekanntenkreis gestanden haben. Seitdem sitzt er in U-Haft und schweigt.

Der Fall wurde politisch hochbrisant und beschäftigte zweimal den Rechtsausschuss des NRW-Landtages, nachdem diese Zeitung exklusiv berichtet hatte, dass der Angeklagte fünf Wochen vor dem Mord auf Anweisung einer Jugendrichterin aus der U-Haft entlassen worden war. Begründung: Weitere U-Haft sei unverhältnismäßig, weil der junge Mann eine Bewährungsstrafe zu erwarten habe. Hinter Gittern saß der 18-Jährige erstmals von Ende Oktober 2019 bis zum 26. März, weil er an einer anderen Stadtbahnhaltestelle in Baumheide mit einem Nothammer bewaffnet ein weiteres Opfer überfallen und ausgeraubt haben soll.

16 Verhandlungstage sind angesetzt. Der ermittelnde Staatsanwalt Veit Walter hatte Ende Juli Mordanklage gegen den 18-Jährigen erhoben. Vertreten wird er von Rechtsanwalt Mirko Roßkamp.

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