Schaufensterpuppe wurde an Weserfußgängerbrücke in Minden angebracht
Staatsschutz ermittelt wegen aufgeknüpfter Puppe

Minden/Bielefeld (epd). Der Staatsschutz der Polizei Bielefeld ermittelt wegen einer aufgeknüpften Schaufensterpuppe, die ein Pappschild mit der Aufschrift „Covid-Presse“ um den Hals hängen hatte und einen Mundschutz mit der Aufschrift „blind“ trug. Die Schaufensterpuppe war an der Weserfußgängerbrücke in Minden angebracht worden, wie die Polizei am Sonntag dem Evangelischen Pressedienst (epd) bestätigte.

Sonntag, 25.10.2020, 14:06 Uhr aktualisiert: 25.10.2020, 14:59 Uhr
Symbolbild. Foto: Daniel Lüns

Ein Foto, das die inzwischen entfernte Puppe in der Nacht auf Samstag zeigt, wurde über die Sozialen Netzwerke Facebook und Twitter verbreitet.

Zusammenhang mit „Querdenken 571“-Demonstration?

Am Samstag hatte die Initiative „Querdenken 571“ in der Mindener Innenstadt gegen Corona-Maßnahmen demonstriert. Ob ein Zusammenhang zwischen der Demonstration und der zuvor angebrachten Schaufensterpuppe besteht, ist unklar.

Benjamin Piel, Chefredakteur des „Mindener Tageblatts“, der das Foto von der Initiative „Minden gegen Rechts“ übernommen und über Twitter verbreitet hatte, erläuterte im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd) am Sonntag, dass seit Monaten eine Gruppe von Kritikern der Corona-Maßnahmen regelmäßig etwa in Zwei-Wochen-Abständen in Minden demonstriere. Dabei werde auch Stimmung gegen Medien gemacht worden, auch explizit gegen das „Mindener Tageblatt“. Seiner Zeitung sei journalistische Neutralität abgesprochen und Käuflichkeit vorgeworfen worden, sagte Chefredakteur Piel.

Sorge wegen aggressiver Stimmung

Kolleginnen und Kollegen, die zum Thema Corona berichteten, seien besorgt angesichts der aggressiven Stimmung. Kontroverse Debatten über den Umgang mit Corona-Auflagen seien in Minden nicht neu, sagte Piel. Aber mit Aktionen wie dem Aufhängen der Schaufensterpuppe sei eine neue Qualität erreicht worden.

Die Initiative „Minden gegen Rechts“, die auf ihrer Facebookseite das Foto der Puppe veröffentlich hatte, erklärte, dass offensichtlich mit dieser Installierung eine Hinrichtung von Medienschaffenden assoziiert werden solle. Nachdem im Sommer in der Stadt sehr viele Sticker mit Motiven und Sprüchen aus der verschwörungsideologischen Szene aufgetaucht seien, gefolgt von Flyern, welche stadtweit in Briefkästen verteilt wurden, „ist dieses neue Zeichen der Menschenfeindlichkeit an niederer Motivation kaum noch zu übertreffen“, schreibt die Initiative auf ihrer Facebookseite.

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