Brackweder Unternehmer kritisiert Umbaumaßnahme im Umfeld des Stadtrings
„Nadelstiche gegen die Autofahrer“

Bielefeld (WB). Eine Ein- und Ausfahrt taugt nur so lange, wie es möglich ist, dort auch praktisch ein- und auszufahren. Im Falle der Straße An der Brücke, die parallel zum Brackweder Stadtring verläuft, haben sich im Zuge des Stadtringumbaus die Gegebenheiten geringfügig verändert – mit negativen Auswirkungen auf die Anwohner. Betroffen sind die Seniorenresidenz Ria-Sarter-Haus sowie zehn andere Parteien. Zu einer von ihnen gehört Ulrich Mensendiek, Geschäftsführer des Brackweder Schrauben-Großhandels Böger.

Samstag, 24.10.2020, 05:00 Uhr

„Für mich ist es ein Schildbürgerstreich des Amtes für Verkehr, eine Straße so zuzubauen“, sagt der 52-Jährige. Seit ein paar Tagen gilt vor seiner Haustür eine neue Verkehrsführung, die dem Radfahrer mehr Spielraum zubilligen soll. Der Autofahrer muss dagegen, nach Ansicht der Behörde, ein paar Zugeständnisse machen. Das kritisiert Mensendiek.

Wer vor dem Stadtringumbau von der Berliner Straße aus in die Straße An der Brücke einfahren wollte, konnte dies sowohl aus Richtung Kirche, als auch aus Richtung Stadtring kommend tun. Neuerdings funktioniert die Einfahrt nur noch aus Richtung Kirche. Warum? Eine ursprünglich normal proportionierte Mittelinsel auf der Kreuzung Stadtring/Berliner Straße wurde um 13 Meter derart in Richtung Kirche verlängert, dass Einfahrten aus Richtung Stadtring dort nicht mehr möglich sind; ebenso Ausfahrten nach links in Richtung Kirche.

Gestrichelte Linie eingespart

Aber auch generell hat sich das Ausfahren aus der Straße An der Brücke verkompliziert. „Am schlimmsten ist das im Berufsverkehr zwischen 7 und 9 Uhr oder 15.30 und 18 Uhr“, wettert Mensendiek kopfschüttelnd. „Da kommt man hier kaum noch raus.“ Das liegt daran, dass die gestrichelte Linie, an der die Verkehrsteilnehmer aller drei Fahrspuren der Berliner Straße halten sollten, um den Verkehr aus der kleinen Seitenstraße einfädeln zu lassen, auf der neuen Fahrbahndecke eingespart wurde.

Ein kleines Verkehrsschild “bei Rot hier halten“ steht zwar noch dort, wo früher die gestrichelte Linie verlief, „aber das beachtet sowieso kaum einer“, weiß Mensendiek. „Die wenigsten lassen da eine Lücke.“ Im Ergebnis werde es immer schwieriger, sich auf einer der drei Fahrspuren einzuordnen – zumal die Haltelinie an der Ampel um zwei bis drei Meter in Richtung der Straße an der Brücke vorverlegt wurde. „Ältere Leute aus unserer Nachbarschaft trauen sich inzwischen kaum noch, ihre Autos zu benutzen“, berichtet Ehefrau Brigitte Mensendiek (56, Lohnbuchhalterin).

Das grundsätzliche Problem ist: Wer es trotz starken Verkehrs endlich geschafft hat, sich auf der ersten Spur der Berliner Straße einzuordnen, darf an der Ampel ausschließlich rechts abbiegen. „Wenn Sie aber in die zweite Spur kommen wollen, um an der Ampel geradeaus zu fahren, blockieren Sie den neuen, zwischen den Spuren liegenden Radweg“, erklärt Ulrich Mensendiek. „Und wenn Sie in die dritte Spur wollen, um später links abzubiegen, dann blockieren sie die mittlere Spur.“ Die permanent stressige Suche nach der geeigneten Lücke in Fahrspur eins, zwei oder drei führe automatisch zu waghalsigen Fahrmanövern und dadurch zu erhöhter Unfallgefahr.

Gefährdungspotenzial reduzieren

Im Amt für Verkehr herrscht eine andere Sicht auf die Dinge. Da geht es in erster Linie darum, das „Gefährdungspotenzial für den Radverkehr“ zu reduzieren. „Die Mittelinsel wurde deshalb baulich so ausgeführt, damit beim zukünftigen Radstreifen, aus Norden kommend, kein Unfall zwischen Radfahrern und Autoverkehr entsteht“, erklärt Patrick Kühn, Abteilungsleiter Mobilitätsplanung. Somit habe im Rahmen der Neuplanung des Stadtrings eine Gefährdungslage beseitigt werden können, bevor etwas passiert. „Durch den Bau ist aus verkehrsplanerischer Sicht keine Änderung für Autoverkehre aus der Straße An der Brücke ersichtlich“, ergänzt Kühn. „Wenn es vorher möglich war auf die Linksabbiegespur zu kommen, so ändert sich das mit der neuen Mittelinsel nicht.“ Lediglich für Fahrzeuge, die aus dem Süden kommen und in die Straße An der Brücke einbiegen wollen, entstünden nun andere Fahrwege. Außerdem sei die gesamte Planung durch die politischen Gremien gegangen.

„Die Stadt Bielefeld fährt hier in Brackwede eine fahrradfreundliche Strategie für Radfahrer, die gar nicht da sind“, betont Mensendiek. „Für mich sind das alles kleine, bösartige Nadelstiche gegen den Autofahrer.“ Seine Frau sagt: „Der Radweg ist sicher gut gemeint, aber wer in Brackwede nutzt sein Rad? Und wenn, dann fährt er auf dem Fußweg, weil das sicherer ist.“

Aus Sicht der Mensendieks ist die aktuelle Situation nicht auf Dauer tragbar. Eine Kompromisslösung könnte jedoch sein, auf der Berliner Straße wieder die gestrichelte Linie vor der Einmündung An der Brücke zu markieren.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7646144?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198387%2F2513179%2F
Schärfere Corona-Regeln geplant - Lockerungen an Weihnachten
Bundeskanzlerin Angela Merkel begrüßte die Vorschläge der Ministerpräsidenten, kündigte aber zugleich eigene Vorschläge zur Kontaktreduzierung an.
Nachrichten-Ticker