FH-Absolventen präsentieren ihre Abschlussarbeiten im Netz
Die digitale Werkschau

Bielefeld (WB/uj). Jahrzehntelang war es Kult, zweimal im Jahr die Ausstellungen der FH-Absolventen zu besuchen und ihre Abschlussarbeiten zu bestaunen und zu diskutieren. Corona hat auch diesem Live-Ereignis den Garaus gemacht. Statt der traditionellen Ausstellung im Gebäude in der Lampingstraße präsentierten Studierende und Lehrende 13 Master- und 51 Bachelorarbeiten aus den Studienrichtungen „Mode“, „Kommunikationsdesign“ sowie „Fotografie und Bildmedien“ nunmehr digital auf der Website werkschau20.gestaltung-bielefeld.de.

Samstag, 24.10.2020, 06:00 Uhr
Modeabsolventin Laura Stattkus hinterfragt mit ihren plastikartigen und bunten Exponaten das geltende Schönheitsideal. Foto: Lennart Clausing

„Nach einem ereignisreichen Sommersemester mit vielen ruckartigen und weitreichenden Veränderungen in unserer Lehrweise und Zusammenarbeit sind wir glücklich, in dieser digitalen Werkschau das breite Spektrum der Arbeiten der Absolventinnen und Absolventen des Fachbereichs Gestaltung der FH Bielefeld präsentieren zu können“, sagt Dekan Prof. Dr. Roman Bezjak. „Die Absolventinnen und Absolventen haben ein Ziel formuliert, reflektiert, konzipiert, gestaltet, improvisiert und oftmals neue und unbekannte Wege gefunden, ihre Projekte erfolgreich umzusetzen.“ So wurden Fittings für die Modekollektionen auf Parkdecks verlegt. Installationen, die eigentlich eine persönliche Auseinandersetzung am Ausstellungsort erfordert hätten, wurden in Videos dokumentiert.

Interdisziplinär und intermedial

Bei der Auseinandersetzung mit den Arbeiten wird deutlich, wie interdisziplinär und intermedial die Absolventinnen und Absolventen in den vergangenen Monaten gearbeitet haben. Etwas, das durch den engen Kontakt der verschiedenen Disziplinen am Fachbereich ermöglicht und auch durch die Einflüsse der neuen Studienrichtung „Digital Media and Experiment“ noch einmal mehr gefördert wird.

Die Bachelorarbeit von Dennis Kaan Kanbur mit dem Titel „Dream“ besteht beispielsweise aus mehreren kleinen Projekten und dreht sich um Traumwelten und deren Narrationen. „Ich habe mir angesehen, wie von der Vergangenheit bis in die Gegenwart der Traum künstlerisch dargestellt wurde“, erklärt Kanbur. Hierfür entwarf er unter anderem eine 3D-Installation, baute ein riesiges Bett am Fachbereich Gestaltung auf und thematisiert in einem Video verschiedene Traumorte.

Geschlechterrollen und Schönheitsideale

Masterabsolventin Johanna Baschke hat sich in einem persönlichen und offenen Reflexionsprozess fotografisch mit dem inneren Kampf auseinandergesetzt, einer Geschlechterrolle gerecht zu werden – beziehungsweise der Weigerung dessen. „Ich habe mich unter anderem damit beschäftigt, wieso ich mich eigentlich geschminkt habe oder warum ich als Frau in bestimmten Situationen das Gefühl habe, mich zurücknehmen zu müssen“, sagt Baschke. Auch die Formulierung der „starken Frau“ hinterfragt sie: „Den Begriff kann es ja nur geben, wenn die Frau als schwächeres Geschlecht gesehen wird.“ Entstanden sind eindringliche, zum Teil verstörende Bilder und Filmsequenzen, untermalt mit prägnant-provokativen Texten.

Auch Modeabsolventin Laura Stattkus setzt sich in ihrer Arbeit mit gesellschaftlichen Rollen auseinander und hinterfragt mit ihren plastikartigen und bunten Exponaten das Schönheitsideal, das in Sozialen Netzwerken insbesondere jungen Frauen vermittelt wird. Eine 1,50m große aus orangenem Latex genähte „Datenkrake“ auf einer Schaufensterpuppe symbolisiert den Preis, den wir zahlen, um „dabei“ zu sein. Die Modeindustrie sieht die Designerin kritisch: „Ich wünsche mir von der Branche ein tolerantes und vielfältiges Weltbild, dass auch auf den Laufstegen verkörpert wird.“

„Krisen und Phasen der raschen Veränderung wie wir sie zurzeit erleben geben immer auch Raum für Neues“, sagt Prodekan Prof. Dirk Fütterer. „So werden digitale Formate immer wichtiger und mit virtuellen Räumen gibt es auch neue Gestaltungsmöglichkeiten.“

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