Mahnwache am Altstädter Kirchplatz in Bielefeld für den ermordeten französischen Geschichtslehrer Samuel Paty
Nach Enthauptung in Paris: „Das kann hier auch passieren“

Bielefeld (WB/kw). „Was in Frankreich passiert ist, kann jederzeit auch an einer deutschen Schule und somit auch in Bielefeld passieren“, sagt Geschichts- und Deutschlehrerin Birgit Ebel über den Lehrermord in Paris.

Donnerstag, 22.10.2020, 12:07 Uhr aktualisiert: 22.10.2020, 12:10 Uhr
Birgit Ebel ruft für Freitag im Bereich Obernstraße/Altstädter Kirchplatz zu einer Mahnwache auf. Foto: Bernhard Pierel

Mit einer Mahnwache will sie des französischen Kollegen Samuel Paty gedenken, der am 16. Oktober von einem 18-jährigen Extremisten enthauptet wurde. Eine Woche nach dem Mord ist auch Bielefeld aufgerufen, Zeichen zu setzen: Die Mahnwache für Samuel Paty soll am Freitag um 16.30 Uhr im Bereich Obernstraße/Altstädter Kirchplatz stattfinden.

Die brutale Tötung des Pädagogen, der mit seinen Schülern das Thema Meinungsfreiheit anhand von Mohammed-Karikaturen diskutiert hatte, bestätigt Birgit Ebel in ihrem Kampf gegen religiös motivierten Extremismus. Ihr persönliches Schlüsselerlebnis hatte sie vor mehr als sechs Jahren, als sich ein später als extremistisch eingestufter Jugendlicher in ihre Klasse mogelte und den Unterricht sprengte. Seitdem recherchiert und informiert die Gesamtschullehrerin zum Thema. Gemeinsam mit ihren Schülern gründete sie in Herford die Präventionsinitiative „extremdagegen“. In Zeitungsberichten, Funk- und Fernsehbeiträgen weist sie auf die Gefahr hin, die von religiös motivierten Extremisten ausgeht, darunter gebe es in OWL auch viele Tschetschenen.

Gewalt gegen Lehrkräfte sei an Schulen in OWL längst ein großes Thema. Vor allen Dingen treffe es weibliche Kollegen. Birgit Ebel kritisiert die fehlende Unterstützung seitens der Schulleitung und des Dezernats. „Die Hälfte aller Gefährder sind Jugendliche, da muss man als Schule ansetzen. Doch dabei erfahren wir viel zu wenig Unterstützung. Die Schulen versagen. Sie wollen das Thema nicht und vertuschen“, kritisiert Birgit Ebel. Folge der mangelnden Unterstützung sei, dass viele Lehrer Angst hätten und sich in die, innere Migration begäben. „Aber damit lassen wir alle im Stich, auch die Muslimen, die Angst vor den Extremisten haben.“

Birgit Ebel.

Birgit Ebel. Foto: Privat

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7643535?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198387%2F2513179%2F
Weihnachtsferien sollen auf 16. Dezember vorgezogen werden
Stühle sind in einem Klassenzimmer hochgestellt. Die Weihnachtsferien sollen in diesem Jahr früher stattfinden.
Nachrichten-Ticker