Züchter Hans-Joachim Bannier erfreut immer mehr Eiweißallergiker – über 350 Sorten
Alte Apfelsorten sind verträglicher

Bielefeld (WB). Immer mehr Menschen leiden unter Allergien – ein Problem, wenn es ums Essen geht. Wohl auch aus diesem Grund erfreut sich das Angebot von Hans-Joachim Bannier wachsender Beliebtheit. Der 63-Jährige züchtet in Bielefeld unweit des Tierparks Olderdissen alte Apfelsorten. Und die sind für Einweiß-Allergiker verträglich, sagt Bannier. Das spricht sich in der Region herum.

Donnerstag, 22.10.2020, 03:00 Uhr aktualisiert: 22.10.2020, 16:00 Uhr
Hans-Joachim Bannier zeigt alte Apfelsorten in seiner Apfelplantage in Bielefeld, unweit des Tierparks Olderdissen – hier die Sorte Stina Lohmann. Foto: Thomas F. Starke

„Wir können mit unseren Äpfeln einige Allergiker glücklich machen“, sagt Bannier. Mehr als 350 Apfelsorten stehen auf seiner Wiese. Hinzu kommen 70 Kirschsorten, 40 Pflaumensorten und 20 Aprikosensorten. Eine solche Vielfalt alter Sorten gibt es deutschlandweit nicht oft – „vielleicht fünf Mal“, vermutet Bannier. Derzeit läuft die Ernte, die „mittelgut bis gut“ ausfalle. Jedenfalls seien er und sein langjähriger Mitarbeiter bei „Obst-Arboretum Olderdissen“, Simon Avenwedde, zufrieden. In zwei Wochen dürfte die Ernte abgeschlossen sein. Pflanzenschutzmittel kommen bei ihnen natürlich nicht zum Einsatz.

Mehr als 300 Sorten

Zwei Drittel der mehr als 300 Sorten seien für die Mosterei vorgesehen – für Apfelsaft. Aber immerhin rund 100 Sorten schaffen es in den Hofladen. Den betreibt Bannier seit 2015. Zuvor hatte er versucht, seine Äpfel über den Handel zu vertreiben. Doch das erwies sich als schwierig, erzählt er. Viele Äpfel blieben liegen, weil die Leute unsicher beim Kauf waren. Ganz anders sei es gewesen, wenn er die Bürger – bei speziellen Hofveranstaltungen etwa – beraten konnte. Bannier: „Da hatten die Leute großes Interesse.“ So war die Idee eines Hofladens vor fünf Jahren geboren. Die ersten neuen alten Äpfel haben er und Avenwedde seit Ende Juli im Angebot. Aufgrund der Haltbarkeit bestimmter Sorten kann der Züchter Äpfel sogar bis ins nächste Frühjahr hinein anbieten.

Von den Kunden, die heute in den Hofladen kommen, sei etwa ein Drittel Allergiker, schätzt Bannier. „Die Leute kommen sogar aus Osnabrück oder Paderborn zu uns“, sagt er. „Wir spüren ein vermehrtes Interesse.“ Die Nachfrage werde von Jahr zu Jahr größer. „Viele meiner Kunden wollen auch mal wieder in einen sauren Apfel beißen.“ Vor allem aber: Bürger, die unter einer Eiweißallergie litten, könnten bestimmte alte Apfelsorten gut vertragen.

Polyphenole gut für Allergiker

Wer unter einer Eiweißallergie leidet, kann bestimmte Proteine nicht vertragen. Aber nicht nur Nüsse, sondern eben auch neu gezüchtete Apfelsorten verfügten über ein bestimmtes Eiweiß – mit der Folge: Diese Äpfel verursachen bei den Betroffenen zum Beispiel Reizungen oder sogar Schwellungen im Mund-Rachenraum. Umgekehrt haben gerade alte Sorten einen Stoff, der für Allergiker von Vorteil ist: Polyphenole. Dieser Stoff verändert Bannier zufolge die Eiweißaufnahme des Körpers zum Positiven.

Mit Allergien und der Verträglichkeit von Äpfeln befasst sich auch die Ortsgruppe Lemgo des BUND (Bund für Umwelt- und Naturschutz). Ihr Ziel sei, betroffenen Allergikern zu helfen und damit gleichzeitig zum Erhalt alter Apfelsorten und des Lebensraumes Streuobstwiesen beizutragen. Auf der Homepage heißt es: „Dabei ist die pauschale Aussage ‚Apfelallergie‘ eigentlich falsch. Richtig müsste es heißen, dass die Betroffenen auf bestimmte Apfelsorten, insbesondere Supermarktsorten, allergisch reagieren und nicht – wie durch die Diagnose Apfelallergie zum Ausdruck kommt – dass es bei allen Apfelsorten zu allergischen Reaktionen kommt.“ Weiter heißt es: „Da ein hoher Gehalt an gesundheitsfördernden Polyphenolen anscheinend dazu führt, dass die Äpfel problemlos gegessen werden können, haben wir damit begonnen diesen Gehalt untersuchen zu lassen.“

Schwieriger verhält es sich bei der seltener auftretenden Fructoseallergie. Betroffene können Fruchtzucker nicht vertragen. Bannier kann hier weniger helfen als bei den Eiweißallergikern. Sein Tipp: „Es gibt Äpfel mit wenig Fruchtzucker. Diese Sorten kann man auch gut zum Backen nutzen. Das könnte man mal probieren.“

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