Standbetreiber beklagen, dass sie den Bielefelder Kesselbrink zugunsten des Weihnachtsmarktes räumen sollen
Markthändler wollen nicht ans Rathaus

Bielefeld (WB). Acht Wochen lang sollen die rund 50 Händler, die jeden Samstag den Wochenmarkt auf dem Kesselbrink beschicken, ihre Stände an anderer Stelle aufbauen, um dem geplanten Weihnachtsmarkt Platz zu machen. Am Dienstagabend hat die Stadtverwaltung den Händlern ihr Konzept vorgestellt – und stieß damit auf breite Ablehnung, vor allem weil die Marktbeschicker vor vollendete Tatsachen gestellt wurden.

Donnerstag, 22.10.2020, 02:00 Uhr
Für acht Samstage soll der Kesselbrink-Wochenmarkt auf Straßen und Plätze rund ums Rathaus umziehen. Die Händler fürchten, dass Kunden sie dort nicht finden. Foto: Bernhard Pierel (Archiv)

„Wir sind in die Planung nicht einbezogen worden, dürfen nicht einmal Einfluss darauf nehmen, welcher Stand wo am Alternativstandort aufgebaut wird“, ärgert sich Reinhard Laustroer, Sprecher der Markthändler. Der Alternativstandort, das sollen Flächen rund ums Rathaus sein. Laustroer spricht von elf einzelnen Standorten, die vor dem Alten Rathaus, auf dem Platz zwischen Altem und Neuem Rathaus, aber auch auf umliegenden Flächen liegen. Von einer “Zerfaserung“ des Wochenmarktes spricht der Händler, und sieht darin auch das Hauptproblem: „Die Kunden werden Schwierigkeiten haben, die Stände zu finden, an denen sie sonst auf dem Kesselbrink einkaufen. Weil wir da verstreut sind.“

Ausgleich der Interessen

Einige Händler hätten bereits angekündigt, dass sie ihre Stände dann gar nicht erst aufbauen würden. „Ihnen ist das Risiko zu groß, wenn sie teils mehr als 100 Kilometer weit anreisen, dann womöglich auf ihrem frischen Obst und Gemüse sitzen bleiben, weil die Kunden ausbleiben. Die können ihre Waren dann nur noch wegschmeißen“, sagt der Sprecher der Markthändler. Die Wochen vor Weihnachten gehören Laustroer zufolge zu den umsatzstärksten im Jahr, für einige Händler sei der samstägliche Markt der einzige, den sie überhaupt in der Woche ansteuerten. Laustroer: „Die sind darauf angewiesen.“

Dezernent Ingo Nürnberger, Ordnungsamtsleiter Friedhelm Feldmann und weitere Vertreter der Stadt hätten beim Termin in der Ravensberger Spinnerei kein Entgegenkommen gezeigt, beklagen die Händler. Ingo Nürnberger indes wirbt um Verständnis, es gehe auch um einen Interessenausgleich: Nämlich um die Möglichkeit, den Bürgern einen Weihnachtsmarkt bieten zu können und um eine Gelegenheit für die Schausteller, noch einmal eine Veranstaltung auf die Beine stellen zu können. Und um den Weihnachtsmarkt unter Coronabedingungen möglich zu machen, brauche es den größten verfügbaren Platz, der sich zudem einzäunen lasse. „Das geht nur auf dem Kesselbrink“, sagt Ingo Nürnberger.

Die Flächen am Rathaus bieten aus Sicht der Verwaltung für den Wochenmarkt einen attraktiven Rahmen. Zudem wolle man den Wochenmarkt am Ausweichstandort durch Öffentlichkeitsarbeit unterstützen.

Politik entscheidet über geänderte Marktsatzung

Neben der „Zerfaserung“ des Marktes am Rathaus sieht Reinhard Laustroer ein weiteres Problem in den eingeschränkten Möglichkeiten. Mit Verweis auf den Lärmschutz dürften die Händler erst ab sechs Uhr und nicht schon ab vier Uhr wie auf dem Kesselbrink aufbauen, dürften auch erst später öffnen. „Viele Kunden nutzen aber schon die ganz frühen Stunden zum Einkaufen, außerdem brauchen Obst- und Gemüsehändler schon mal zwei bis drei Stunden, um ihre Stände einzurichten“, sagt Laustroer.

Händler und Politik hätten sich einst auf eine Marktsatzung geeinigt, die „genau solche Eingriffe ins Marktgeschehen verhindern sollen“, sagt der Sprecher der Händler. Um das dennoch durchzusetzen, soll jetzt der Rat kurzfristig die Marktsatzung ändern. Man habe bereits einen Anwalt eingeschaltet, um mögliche Schritte gegen die Planung auszuloten, erklärt Reinhard Laustroer.

Ob es dazu überhaupt kommt, ist unterdessen noch völlig offen: Denn der Weihnachtsmarkt auf dem Kesselbrink findet nur dann statt, wenn das Corona-Infektionsgeschehen eine solche Veranstaltung überhaupt zulässt. Nürnberger: „Die ganze Planung läuft unter Vorbehalt.“ Eine Entscheidung darüber, ob der Weihnachtsmarkt stattfindet, soll Anfang November fallen.

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