Stadtwerke Bielefeld wollen neue Antriebstechnologie ausprobieren
Vier Wasserstoff-Busse kommen Ende 2021

Bielefeld (WB). Während viele Branchen in diesen Tagen auf die umstrittene Elektro-Mobilität setzen, wagen sich die Stadtwerke Bielefeld noch einen Schritt weiter vor: Sie wollen über mindestens zwei Jahre testen, ob mit Wasserstoff angetriebene Busse langfristig eine Alternative zu den gängigen Diesel- und Diesel-Hybrid-Motoren ihrer 125 Linienbusse sein können.

Sonntag, 11.10.2020, 14:43 Uhr aktualisiert: 11.10.2020, 14:46 Uhr
Vor einem herkömmlichen Linienbus zeigen die Mobiel-Mitarbeiter Kai-Uwe Steinbrecher (links) und Gerhard Sawatzky die Visualisierung eines Caetano-Wasserstoff-Busses. Foto: Markus Poch

Die innovative, noch nicht erschöpfend erforschte Antriebstechnik, bei der als „Abfallprodukt“ ausschließlich Wasserdampf übrig bleibt, soll das Fernziel sein. Ob sich dieses mit dem Fuhrpark der Stadtwerke allerdings wirtschaftlich erreichen lässt, sei noch offen, erklärt Kai-Uwe Steinbrecher, Geschäftsbereichsleiter Technik bei der Stadtwerke-Tochter Mobiel.

Dennoch hätte sich das Unternehmen nach mehrjähriger Planungs- und Diskussionsphase jüngst dazu durchgerungen, vier solcher Wasserstoff-Busse bei dem portugiesischen Hersteller Caetano zu ordern. Sie sollen Ende 2021 geliefert werden. Den Auftrag zur Installation einer passenden Wasserstoff-Tankstelle, für die ein 3500 Quadratmeter großes Grundstück auf dem städtischen Gelände der Müllverbrennungsanlage (MVA) in Heepen vorgesehen ist, hat die Erlangener Niederlassung des französischen Konzerns Framatome erhalten.

Tankstelle wird zu 90 Prozent gefördert

Zum Investitionsvolumen wurde Stillschweigen vereinbart. Nach WESTFALEN-BLATT-Informationen bewegt sich die Summe jedoch im höheren einstelligen Millionenbereich. „Nur dank der Fördermittel des Landes NRW kann Mobiel die Wasserstoffbusse und die Tankstelle beschaffen. Denn wirtschaftlich betreiben lassen sie sich noch nicht“, betont Steinbrecher. Die Tankstelle werde zu 90 Prozent gefördert. Bei den Bussen erhalte Mobiel 60 Prozent des Aufpreises zu einem herkömmlichen Dieselfahrzeug.

Eingesetzt werden sollen die neuen, zwölf Meter langen Busse mit 37 Sitzplätzen vom Frühjahr 2022 an auf der 7,6 Kilometer langen Linie 29 zwischen Baderbach (Heepen) und Schildhof (Gadderbaum). Optisch unterscheiden sie sich von Standardbussen durch die auf dem Dach montierten Tanks und Brennstoffzellen. Diese bescheren dem Bus eine Reichweite von bis zu 400 Kilometern.

Laut Projektleiter Gerhard Sawatzky werde der Mobiel-Kunde am Bus kaum Veränderungen feststellen können, wohl aber „ein fast geräuschloses Anfahren“. Sawatzky und Steinbrecher sind optimistisch, dass die Wasserstoff-Technik bei schweren Nutzfahrzeugen „irgendwann ihren Durchbruch hat“. An der MVA könnte später aus grünem Strom selbst Wasserstoff produziert werden.

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