Bielefeld: Bundeswehr ist da – 21 Hochzeiten stehen an – Gesundheitsamt am Limit
Corona-Lage verschärft sich: Die Feiern sind das Problem

Bielefeld (WB). „Die Situation ist noch nicht katastrophal, aber sehr ernst. Wir müssen in Bielefeld aufpassen, dass uns die Lage nicht entgleitet.“ Das sind die Worte des Krisenstabsleiters Ingo Nürnberger zur aktuellen Corona-Situation in der Stadt.

Samstag, 10.10.2020, 05:00 Uhr
Private Partys und Hochzeitsfeiern haben zuletzt zu steigenden Infektionszahlen in Bielefeld geführt. Foto: dpa

Zu den zwei Hochzeiten mit mehr als 100 Gästen, an denen Corona-Infizierte teilgenommen haben, ist noch eine weitere dazugekommen. Allein für diesen Samstag sind 14 Hochzeiten mit zum Teil mehr als 100 Gästen angemeldet. Am gesamten Wochenende sind es 21. Erlaubt sind laut Coronaschutzverordnung private Feiern mit bis zu 150 Menschen. Das Ordnungsamt wird am Samstag und Sonntag mit 20 Mitarbeitern zur Kontrolle von Feiern im Einsatz sein.

Die Bundeswehr hat ihre Arbeit aufgenommen. Zehn Kräfte helfen zunächst befristet bis zum 1. November bei der Mammutaufgabe Kontaktnachverfolgung. Das Gesundheitsamt mit derzeit 43 Mitarbeitern arbeitet fast rund um die Uhr, ist längst am Limit. Allein wegen der Hochzeitsfeiern mussten zuletzt Hunderte von Kontakten nachvollzogen werden. Ziel ist es nach wie vor, die Infektionsketten aufzuspüren und zu durchbrechen. Hinzu kommen täglich mehrere hundert E-Mails und Nachfragen von Bielefeldern rund um das Virus. Weitere Aufgaben sind Tätigkeiten rund um die Quarantäneverfügungen und im Zusammenhang mit Reiserückkehrern.

Die zehn Bundeswehr-Soldaten kommen vom Aufklärungsbataillon 7 aus Ahlen. In Bielefeld „stationiert“ sind sie ab sofort bei den „Covid-Detektiven“ des Gesundheitsamtes. Sie wohnen auf Kosten der Stadt in einem Hotel in der City. Oberstabsgefreiter Sascha Hille war auch schon im Kosovo. Jetzt hilft er mit seinen Kollegen im Kampf gegen Corona. Viele von ihnen haben unter anderem in den Hotspotgebieten Heinsberg und Gütersloh mitgewirkt.

Bundesweit stehen 15.000 Soldaten für diese Zwecke bereit. Die Streitkräfte sind in Bereitschaftsgrade unterteilt. Das führt dazu, dass schnelle Hilfe kommt, wenn sie gebraucht wird. Die Städte stellen förmliche Anträge auf Hilfeleistungen durch die Bundeswehr. Die Bielefelder haben sich zunächst an das für NRW zuständige Kreisverbindungskommando gewandt. Am Montag wurde der Antrag gestellt. Donnerstag waren die zehn Soldaten da.

Seit März sind bundesweit 1000 solcher Anträge von Städten gestellt worden. Tendenz steigend. In NRW sind 73 Soldaten im Kampf gegen Corona im Einsatz.

Das Bielefelder Gesundheitsamt soll darüber hinaus um weitere 70 Mitarbeiter verstärkt werden. Diese werden zunächst bis zum 31. März 2021 befristet eingestellt. „Wir wollen vorbereitet sein für die kalte Jahreszeit“, sagt Ingo Nürnberger. Er appelliert an die Menschen, gebetsmühlenartig wiederholt er immer wieder folgenden Satz: „Nicht alles, was erlaubt ist, ist auch vernünftig.“

Im Hinblick auf den drohenden Inzidenzwert von 35 wird es dem Krisenmanager „langsam mulmig“. Etwa 70 Neuinfektionen pro Woche haben längst dafür gesorgt, dass die Alarmlampe im Rathaus knallrot leuchtet. Wenn sich die Situation weiter verschärft, sagt Nürnberger, spielt Arminia Bielefeld demnächst wieder ohne Zuschauer. Die Zahl der Gäste auf privaten Feiern würde deutlich reduziert oder die Partys sogar ganz verboten. Letzteres klang so, als würde Nürnberger sich genau das erhoffen. Dafür müsste das Land aber die Coronaschutzverordnung ändern.

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