Verkehrserziehung ausgesetzt: Eltern sammeln mehr als 1000 Unterschriften
Polizei lenkt ein

Bielefeld (WB). Es ist eine Abstimmung mit den Mündern. „Wir wollen zur Radfahrprüfung, wir wollen zur Radfahrprüfung“, rufen die Mädchen und Jungen vor dem Bielefelder Polizeipräsidium. Zeitgleich überreichen ihre Mütter mehrere braune Umschläge, in denen sich die Unterschriftenlisten befinden. Die Listen sollen dafür sorgen, dass die seit März ausgesetzte Verkehrserziehung wieder angeboten wird. Mehr als 1000 Unterschriften sind in den vergangenen Tagen zusammengekommen, gesammelt an mehr zehn Bielefelder Grundschulen.

Samstag, 10.10.2020, 06:21 Uhr aktualisiert: 10.10.2020, 07:00 Uhr
Katja Matthies (Mitte) von der Klosterschule im Gespräch mit Polizeisprecher Michael Kötter (rechts) und Bertram Welsing, Leiter der Direktion Verkehr. Welsing stellt in Aussicht, dass die Verkehrserziehung bald wieder angeboten wird. Foto: Bernhard Pierel

Stellvertretend für die verhinderte Polizeipräsidentin Dr. Katharina Giere nehmen Bertram Welsing, Leiter der Direktion Verkehr, und Behördensprecher Michael Kötter die Listen entgegen. Anfangs haben sie Mühe, die Vertreterinnen der Schulpflegschaften zu besänftigen. Und doch machen sie den versammelten Müttern mit ihren Kindern Hoffnung. „Im Moment sprechen die Corona-Werte dafür, dass wir die Unterstützung der Schulen bei der Verkehrserziehung nach den Herbstferien wieder aufnehmen können”, sagt Welsing, „wir arbeiten derzeit an einem Konzept.“

Einzelheiten verrät er noch nicht, nur so viel: Wenn die Verkehrserziehung wieder stattfinden sollte, dann nur im Freien. Kinder seien emotional und keine Automaten, die man mal eben auf Distanz halten könne. „Wir wollen niemanden anstecken, wir wollen aber auch nicht angesteckt werden“, wirbt Michael Kötter um Verständnis. Die Vertreterinnen der Schulpflegschaften sagen ihre Unterstützung zu. Beim Aufsetzen des Fahrradhelmes könnten zum Beispiel die Eltern helfen, lautet ein Ansatz.

Keine Versprechen

Versprechen, die sie möglicherweise nicht einhalten können, wollen die Beamten nicht abgeben. Wenn die Inzidenzzahl in der Stadt Bielefeld durch die Reiserückkehrer nach den Herbstferien wieder ansteigt, müsse die Lage neu bewertet werden. Hinzu komme, dass die Bielefelder Polizei im Vergleich zu anderen Polizeibehörden in OWL weitgehendere Aufgaben wahrzunehmen habe. Als Beispiele nennt Kötter die Be­treuung der Autobahnen, den Staatsschutz oder die Stellung von Mordkommissionen. Die Berichte, dass die Verkehrserziehung wegen Personalknappheit gestoppt worden sei, sind im Gespräch mit den Schulpflegschaftsvorsitzenden kein Thema.

Die Mütter haben gute Gründe, um für ihr Anliegen zu werben. Da ist zum einen der Polizist als Respektsperson. „Es hat doch eine ganz andere Wirkung, wenn die Polizei auf ein Fehlverhalten im Straßenverkehr hinweist, als wenn es die Eltern tun“, sagt Katja Matthies von der Klosterschule.

Nicole Reese von der Stapenhorstschule stört, dass die Polizei Fußballspiele begleitet oder auf dem Weihnachtsmarkt präsent sein wird, die Radfahrprüfungen aber gestoppt hat. „Solange solche Spaßveranstaltungen möglich sind, läuft etwas nicht richtig“, vertritt sie ihren Standpunkt. Im Blick hat sie auch die Kinder aus bildungsferneren Familien: „Diese Mädchen und Jungen werden mal wieder die Verlierer sein.“

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