Stockmeier Chemie beschäftigt 1800 Mitarbeiter und erzielt 1,3 Milliarden Euro Umsatz
Seit 100 Jahren in Familienhand

Bielefeld (WB). Eigentlich ist er Architekt. Doch dann gründet August Stockmeier ein Unternehmen in einer ganz anderen Branche. Am Oberntorwall 34 in der Bielefelder Innenstadt eröffnet er am 12. Oktober 1920 einen Großhandel für chemisch-technische Artikel und Industriebedarf.

Freitag, 09.10.2020, 05:30 Uhr
IHK-Präsident Wolf Meier-Scheuven (links),  Peter Stockmeier und IHK-Hauptgeschäftsführerin Petra Pigerl-Radtke. Foto: Hendrik Uffmann

Aus diesen Anfängen haben der Gründer, sein Sohn Jürgen und sein Enkel Peter Stockmeier, der heutige Geschäftsführende Gesellschafter der Stockmeier Group, ein europaweit agierendes Unternehmen mit 1800 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von etwa 1,3 Milliarden Euro aufgebaut, das jetzt sein 100-jähriges Bestehen feiert.

50 Standorte in 14 Ländern

Vor allem in den vergangenen 20 Jahren sei das Unternehmen stark gewachsen, erklärt Peter Stockmeier. Derzeit gehörten etwa 30 operativ-tätige Firmen an 50 Standorten in 14 Ländern zur Stockmeier Group. Und es gebe noch „Luft nach oben“. „Wir wollen in den nächsten Jahren weiter wachsen. Vor allem in Italien, wo es einen interessanten Markt gibt, in Skandinavien und in Osteuropa“, sagt der 55-Jährige. In Deutschland sei das Bielefelder Unternehmen Nummer 2 hinter dem Marktführer.

Die Produktpalette der Stockmeier Group ist vielfältig. Sie reicht von Glukosesirup und Aromastoffen für die Lebensmittelherstellung, die in den eigenen Laboren entwickelt werden, über spezielle Reinigungsmittel für die Großgeräte in der Lebensmittelindustrie bis hin zum Shampoo, das in Autowaschanlagen eingesetzt wird.

Großer Abnehmer ist die Automobilindustrie

Ein großer Abnehmer der Stockmeier-Produkte ist laut Peter Stockmeier auch die Automobilindustrie. So liefert das Unternehmen unter anderem Klebstoffe für die Fertigung von Luftfiltern, Lösungsmittel für die Behandlung von Metalloberflächen und den Kraftstoff-Zusatz AdBlue, bei dem die Stockmeier Group in Deutschland Marktführer ist. Insgesamt gehören 26.000 verschiedene Produkte zum Angebot.

Etwa zwei Drittel des Umsatzes erzielt das Unternehmen laut Peter Stockmeier durch den Handel, ein Drittel durch die eigene Herstellung, die zum Teil auch auf dem Firmengelände am Hauptsitz an der Eckendorfer Straße stattfindet.

Für August Stockmeier war der Handel mit Chemikalien ein völlig neues Feld, als er das Unternehmen 1920 gründete.

Ermutigt dazu hatte ihn sein Bekannter Heinrich Möller, der damals Prokurist bei der Bielefelder Chemiekalienhandlung Arnold Holste Wwe. war und der zu seinem Geschäftspartner wurde. Nach der Gründung am Oberntorwall wurde der Platz dort schnell zu knapp. 1924 erfolgte der Umzug an die Thielenstraße, 1928 dann an den heutigen Sitz an der Eckendorfer Straße. „Das Backsteingebäude, das bis heute hier steht, hat mein Großvater gebaut“, sagt Peter Stockmeier.

Weiteres Wachstum geplant

Im Zweiten Weltkrieg bleibt das Firmengelände bei Bombenangriffen verschont, die Geschäfte laufen anschließend erst schleppend, nach der Währungsreform dann wieder stärker an.

1959 stirbt der Unternehmensgründer August Stockmeier unerwartet, so dass sein Sohn Jürgen, der erst ein Jahr zuvor in das Unternehmen eingestiegen war, die Geschäftsführung übernimmt. Später bezeichnete er dies als die größte Herausforderung seines Lebens. 1962 trennen sich die Geschäftspartner Stockmeier und Möller. Bis 2010 bleibt Jürgen Stockmeier in der Geschäftsführung, bis er sämtliche Firmenanteile an seine Kinder überträgt. Bis heute ist Stockmeier Chemie GmbH & Co. KG komplett in Familienhand.

1990 tritt Peter Stockmeier als dritte Generation in die Geschäftsführung ein und setzt von 2000 an den Wachstumskurs fort. 2013 erfolgt dann die größte Akquisition, an die sich Peter Stockmeier lebhaft erinnert. Die Kruse Gruppe mit Sitz im Sauerland, damals etwa gleich groß wie Stockmeier Chemie, war insolvent. „Innerhalb eines Tages haben wir einen ersten Vertrag mit dem Insolvenzverwalter für die Übernahme gemacht“, erzählt Peter Stockmeier.

Ehrenurkunde der IHK

Der Erfolg der Stockmeier Group sei auch exemplarisch für die vielen Unternehmen in Ostwestfalen, die in Familienhand sind, sagte Wolf Meier-Scheuven, Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK). „Diese Unternehmen sind Leuchttürme in der Region und sie sind deshalb stark, weil sie immer auch an die nächste Generation denken.“

Zusammen mit IHK-Hauptgeschäftsführerin Petra Pigerl-Radtke überreichte Meier-Scheuven die Ehrenurkunde zum 100-Jährigen Bestehen an Peter Stockmeier.

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