Neben der Bundespolizei erheben nun weitere Behörden Ansprüche
Auch Zoll und BAMF wollen die Kasernen

Bielefeld (WB).Nicht nur die Catterick-Kaserne an der Detmolder Straße, sondern auch die Rochdale Barracks an der Oldentruper Straße könnten künftig von Bundeseinrichtungen genutzt werden. Neben der Bundespolizei, die 2021 in die Catterick-Kasernen einziehen will, haben inzwischen auch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) und der Zoll Platzbedarf angemeldet. Beide hätten nach den geltenden Regeln Vorrang.

Mittwoch, 07.10.2020, 06:13 Uhr aktualisiert: 07.10.2020, 12:08 Uhr
Ein Blick von oben auf die frühere Rochdale-Kaserne. Rechts im Bild verläuft die Oldentruper Straße. Die Stadt hält das neun Hektar große Gelände für ideal, um dort innenstadtnahes Wohnen zu ermöglichen. Auch ein Schulbau wäre denkbar. Foto: Thomas F. Starke

Das würde einen schweren Rückschlag für die Konversion, die Umwandlung militärischer in zivile Flächen, in Bielefeld bedeuten. Beide Kasernengelände gelten als Bestlagen für weiteren Wohnungsbau.

Clausen spricht mit Scholz

Oberbürgermeister Pit Clausen (SPD) hatte sich in dieser Angelegenheit bereits an Bundesfinanzminister Olaf Scholz gewandt, als dieser kürzlich in Bielefeld zu Besuch war. Er soll sich dafür einsetzen, dass möglichst nur die Catterick-Kaserne für Bundeszwecke genutzt wird. Die Rochdale-Kaserne sollte Clausens Ansicht nach möglichst schnell einer weiteren städtebaulichen Entwicklung zur Verfügung gestellt werden. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) prüft, ob dies möglich ist, kann die Konzentration der Bundesbehörden auf den Standort Catterick aber nicht garantieren, wie sie jetzt auf Anfrage mitteilte.

„Ausschlaggebend ist, ob die dort vorhandene Gebäudestruktur für die jeweiligen Nutzungen der Bundesdienststellen geeignet ist“, erklärte BImA-Sprecher Thorsten Grützner. Die BImA wolle auch die planerischen Überlegungen der Stadt berücksichtigen. „Einen konkreten Zeitpunkt, wann diese Prüfung abgeschlossen ist, kann die BImA jedoch noch nicht nennen.“ Sollte die Prüfung ergeben, dass die übrigen Bundesdienststellen nicht oder nicht vollständig in den Catterick Barracks untergebracht werden können, werde die Bundesanstalt auch Alternativstandorte prüfen müssen. Grützner: „Sie wird versuchen, die Inanspruchnahme von Liegenschaften so zu gestalten, dass noch möglichst viel Raum für zivile Anschlussnutzungen bleibt.“

Bundespolizei in Catterick-Kaserne

Die Catterick Barracks sind die größere der beiden von den Briten geräumten Kasernenanlagen Sie erstrecken sich über eine Fläche von 34 Hektar. Dort sollen ab 1. September 2021 450 Nachwuchspolizisten der Bundespolizei ausgebildet werden. Angedacht ist, dass das neue Ausbildungszentrum nur bis 2024 genutzt wird. Angekündigt hat die Bundespolizei außerdem, dass sie nicht die gesamte Fläche nutzen werde. So blieben womöglich genügend Platz, um ein Ankommzentrum des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge dort unterzubringen. Welche Pläne der Zoll hat, ist bislang nicht bekannt.

Die Rochdale-Kaserne liegt näher an der Innenstadt, verfügt über eine Fläche von neun Hektar. Sie könnte nicht nur für den Wohnungsbau genutzt werden. Die Stadt ist aktuell auch auf der Suche nach Standorten für neue Grundschulen. Bislang ist dafür eine Fläche an der Oldentruper Straße in Höhe der Meisenstraße angedacht. Doch dagegen gibt es Vorbehalte, weil das Grundstück in der Nähe eines sozialen Brennpunktes liegt.

Nutzungskonzepte für Rochdale-Kaserne

Die Stadt ist bereits dabei, für die Rochdale Kaserne eigene Nutzungskonzepte zu erarbeiten. Dafür wurden sogenannte „Vorbereitende Untersuchungen“ eingeleitet. Die sind die Vorstufe zu einer städtebaulichen Entwicklung. In den Untersuchungen werden die städtebaulichen, verkehrlichen, sozialen und ökologischen Rahmenbedingungen analysiert. Erschlossen werden könnte das Kasernengelände über die Große Howe im Norden und die Oldentruper Straße im Süden. Auch ein Teil der Kasernengebäude aus den 30er Jahren könnte weiter genutzt werden. Neben Wohnen wären dort auch Kleingewerbe und Dienstleistungsbetriebe denkbar.

Die Briten haben in Bielefeld nicht nur Kasernen geräumt. An vier Standorten in der Stadt war und ist die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben Eigentümerin von rund 330 Reihen- und Doppelhäusern, in denen die Soldaten und ihre Familien gelebt hatten. Teils werden sie nun von der BImA vermietet, teils sind sie schon verkauft worden. Die städtische Wohnungsgesellschaft BGW hat von der BImA 75 Wohneinheiten an der Sperberstraße übernommen. Sie werden abgerissen, sollen durch eine Neubebauung ersetzt werden.

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