Hauptbahnhof Bielefeld: Marode Ladenzeile mit Bretterwand verriegelt – Abriss zur Jahreswende
Intercity-Hotel soll 2023 eröffnen

Bielefeld (WB). Mit einer Bretterwand kündigt sich an der oberen Bahnhofstraße derzeit der Bau von Bielefelds größtem Hotel an: 2023 soll das Intercity-Hotel neben dem Hauptbahnhof öffnen und dann Gästen in rund 200 Zimmern eine zentrumsnahe Unterkunft bieten.

Montag, 05.10.2020, 06:15 Uhr aktualisiert: 05.10.2020, 15:16 Uhr
Bretterwand: Die Läden an der oberen Bahnhofstraße sind leer gezogen, große Holzplatten an Schaufenstern und Türen sollen Vandalismus verhindern. 2023 soll an gleicher Stelle ein Intercity-Hotel eröffnen – mit rund 200 Zimmern Bielefelds größtes Hotel. Foto: Thomas F. Starke

Die letzten Geschäfte haben die etwa 100 Meter lange Ladenzeile zwischen Feilenstraße und Bahnhofsgebäude verlassen, darunter ein Bäcker und mehrere Imbissbuden. Teilweise hatte die Deutsche Bahn dort Räume genutzt. Nach deren Auszug wurden Schaufenster und Zugänge jetzt mit großen Holzplatten verschlossen, um Vandalismus und unerlaubten Zutritt zu verhindern.

Damit kommen die nächsten Schritte auf dem Areal in Sicht. „Der Abriss der Gebäude ist für die Jahreswende geplant“, sagt Wolfgang Ludwig, Sprecher des Projektentwicklers GBI (Gesellschaft für Beteiligungen und Immobilienentwicklung) mit Sitz in Berlin. Mit dem Abriss kommt ein weiteres Verfahren in Gang, das etwa ein halbes Jahr dauern soll: Denn erst nach dem Abriss könne die Fläche zwischen Bahnhofstraße und Gleisen vermessen und auf Altlasten untersucht werden, zudem muss das Areal, das GBI 2017 von der Deutschen Bahn gekauft hat, entwidmet, also aus der an die Bahn gebundene Nutzung herausgenommen werden.

Anfang 2021 wird der Bauantrag eingereicht

Für Januar oder Februar 2021 erwartet Wolfgang Ludwig dann den Bauantrag und ein halbes Jahr später die Baugenehmigung. „Dann gehen die Bauarbeiten zeitnah los“, sagt der Sprecher, der mit einer zweijährigen Bauzeit rechnet, bis das Intercity-Hotel wohl im Herbst 2023 öffnen kann.

Betreiber wird die Deutsche Hos­pitality, die neben den Intercity-Hotels auch die Hotels der Ketten Steigenberger, Maxx, Jaz in the City und Zleep Hotels unterhält – nach eigenen Angaben mehr als 150 Hotels in 20 Ländern. Zu den Investitionskosten will sich die GBI, nach eigenen Angaben Deutschlands größer Hotelentwickler, nicht äußern. Nach der Fertigstellung soll das Hotel an Investoren verkauft werden. GBI hatte von der Bahn ein Paket von fünf Grundstücken gekauft mit Flächen in Bielefeld, Bonn, Wiesbaden, Heidelberg und Mainz.

Die schmale, 1500 Quadratmeter große Fläche am Hauptbahnhof lässt nur ein lang gezogenes Gebäude zu, das dem Projektentwickler zufolge über dem Erdgeschoss voraussichtlich vier Obergeschosse und ein Staffelgeschoss erhalten wird. Neben den rund 200 Zimmern seien Konferenz- und Veranstaltungsbereiche geplant, im Staffelgeschoss Balkone mit Blick auf den Teutoburger Wald.

Architektonisch soll es sich am gegenüberliegenden Leinenmeisterhaus orientieren und den Stil der 1950er Jahre modern aufgreifen. Zwischen Bahnhofsgebäude und Hotelkomplex ist ein bepflanzter Bereich geplant, eine „grüne Fuge“, die den Blick von der Bahnhofstraße Richtung Gleis erlaubt. Traditionell orientieren sich die Intercity-Hotels an der Nähe von Bahnhöfen, vor allem aber an der Nähe der Stadtzentren. Wolfgang Ludwig: „Wir sehen da in Bielefeld einen Bedarf.“

4200 Betten in 2500 Zimmern

Nach dem unlängst fertiggestellten Stayery an der Herforder Straße kommt damit ein weiteres neues Hotel nach Bielefeld. Zudem hat die Kette Premier Inn Bielefeld als eine „Zielstadt“ ihrer Expansionsbemühungen an 50 Standorten benannt mit Hotelgrößen von 150 bis 400 Zimmern.

Um diese Pläne sei es ruhig geworden, „wir sind derzeit nicht im Dialog mit Investoren“, sagt Martin Knabenreich, Chef der Bielefeld Marketing. Das könne mit der Corona-Lage und der derzeit schwierigen Situation der Hotels zusammenhängen, denen im Sommer etwa die Hälfte des Übernachtungsvolumens weggebrochen sei.

Die Hotels in Bielefeld verfügen über derzeit rund 4200 Betten in 2500 Zimmern – aus Sicht der Veranstalter sieht Martin Knabenreich da ebenfalls noch weiteren Bedarf, weil die bei großen Veranstaltungen wie Kongresse oder Tagungen mit auswärtigen Gästen schnell ausgebucht seien. „Ich bin da aber zwiegespalten. Als Tourismusverantwortlicher bin ich eher vorsichtig“, sagt Knabenreich. Denn die Hotelbranche sei ein schwankender Markt mit guter Auslastung im März, Mai und September, wenn große Kongresse stattfänden, und geringerer Auslastung im Sommer, weil 80 Prozent der Gäste Geschäftsreisende seien. Mehr große Hotels könnten die kleineren Betriebe in Schwierigkeiten bringen.

Martin Knabenreich hofft auf zusätzliche Veranstaltungen, die auch Übernachtungsgäste in die Stadt Bielefeld locken. Die neue Medizinische Fakultät etwa könnte der Stadt Tagungen und Kongresse und damit auch mehr Hotelgäste bescheren.

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