Ehemalige Briten-Häuser an der Herderstraße werden verkauft
Anwohner sorgen sich um Bäume

Bielefeld  (WB). Die Herderstraße in Sieker ist gesäumt von mächtigen Bäumen, die zum großen Teil älter sein dürften als 100 Jahre. Die östlich der kleinen Verbindungsstraße zwischen Lipper Hellweg und Detmolder Straße gelegene Siedlung ist ebenfalls geprägt von Baumbestand. Doch das könnte sich bald ändern, befürchten Anwohner der Herderstraße. Denn die Häuser in der Siedlung, die bis vor einigen Monaten von britischem Soldaten und ihren Familien bewohnt waren, stehen als einige der wenigen ehemals von den Briten genutzten Liegenschaften in Bielefeld zum Verkauf. Und einige der Neu-Eigentümer haben bereits Bäume gefällt.

Samstag, 03.10.2020, 05:30 Uhr
Die östliche Seite der Herderstraße ist gesäumt von mächtigen Bäumen. Foto: Hendrik Uffmann

„Eine Birke und ein weiterer Baum wurden entfernt“, sagt Astrid Sander, die seit zehn Jahren in der Herderstraße wohnt und die sich nun dafür stark macht, dass der Baumbestand entlang der Straße und in der Siedlung möglichst zum großen Teil erhalten bleibt. Denn in Zeiten, in denen der Wald durch den Klimawandel vor immer größeren Problemen stehe, komme es auf jeden einzelnen Baum an, „nicht nur an der Herderstraße“, betont Astrid Sander.

Bäume wichtig für das Klima

Wie wichtig die teils mehr als 25 Meter hohen Bäume dort aber sind, habe sich vor allem in den letzten heißen Sommern gezeigt. „Ohne die Bäume und den Schatten, den sie spenden, wäre das Klima in der Straße sicherlich ganz anders gewesen“, ist sie überzeugt.

Dabei habe sie durchaus Verständnis, dass die Neu-Eigentümer der Häuser die Gärten nach ihren Vorstellungen gestalten und die Bäume kritisch sehen, wenn diese zu viel Licht wegnehmen oder wenn deren Wurzeln die Bausubstanz bedrohen.

Deshalb wolle sie niemanden bevormunden, sondern die neuen Nachbarn vielmehr vom Wert der Bäume überzeugen, betont Astrid Sander. Gemeinsam mit einer Nachbarin hat sie an den Laternenpfählen entlang der Herderstraße Schilder aufgehängt, die die Neu-Eigentümer auf freundliche Art ansprechen sollen.

Keine Baumschutzsatzung

Auch die im politischen Parteien im Rat hat Astrid Sander bereits angesprochen. Als Reaktion sie jedoch zumeist der Hinweis darauf gekommen, dass es in Bielefeld keine Baumschutzsatzung gebe, Unterstützung kommen lediglich von den Grünen „Auf der anderen Seite setzten sich alle Parteien dafür ein, die Bereiche im Teutoburger Wald, wo durch die Hitze und den Borkenkäfer großflächig gefällt werden musste, wieder aufzuforsten. Aber die schon bestehenden alten Bäume sind nicht geschützt. Das passt nicht zusammen.“

Auch das genannte Argument, dass eine Baumschutzsatzung nur dazu führen würde, dass viele Besitzer von Grundstücken mit Baumbestand die Bäume darauf fällen würden, bevor sie unter Schutz stehen, lasse sie nicht gelten, sagt Astrid Sander. „Es wäre gut, wenn es wieder eine Baumschutzsatzung gäbe.“

Als nächsten Schritt plant die Anwohnerin nun, sich mit der Stadt in Kontakt zu setzten um zu klären, ob vielleicht einige der besonders alten Bäume als Naturdenkmal ausgewiesen werden könnten.

Verkauf der Häuser läuft

In der Siedlung östlich der Herderstraße gibt es etwa ein Dutzend freistehende Häuser und mehrere Reihenhaus-Riegel. Nach dem Abzug der britischen Streitkräfte aus Bielefeld stehen diese nun leer. Vertrieben werden die Häuser

von der Deutschen Invest-Immobilien (DII) mit Sitz in Wiesbaden. Ein auf der Homepage des Unternehmens beworbenes Haus verfügt über 175 Qua­dratmeter Wohnfläche und ein gut 800 Quadratmeter großes Grundstück.

Ein Teil der Häuser seien inzwischen schon bezogen, sagt Astrid Sander.

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