Steigerung bei Bränden, Rettungs- und Unwetteralarmierungen
Feuerwehr muss immermehr Einsätze bewältigen

Bielefeld (WB). Mehr Rettungseinsätze, mehr Brände, mehr Arbeit durch Unwetter und so viele Bombenentschärfungen wie noch nie – die Bielefelder Feuerwehr hatte 2019 erneut wieder mehr zu leisten als in den Vorjahren.

Samstag, 03.10.2020, 06:00 Uhr
Bielefelds Feuerwehr-Chef Hans-Dieter Mühlenweg (rechts) und sein erster Stellvertreter Carsten Kroll haben die Bilanz für 2019 vorgestellt. Für die 400 Mitarbeiter des Amtes war dies ein arbeitsreiches Jahr. Foto: Bernhard Pierel

Rettungsdienst

52.126 Mal rückten die Rettungsfahrzeuge zu Notfällen und Krankentransporte aus. Das sind 1,6 Prozent mehr Einsätze als noch 2018. Der Anstieg ist damit aber nicht so stark wie in den Vorjahren, wo er immer zwischen drei und vier Prozent lag, erklärt Bielefelds Feuerwehr-Chef Hans-Dieter Mühlenweg.

Um die ständig mehr werdende Arbeit bewältigen zu können, hatte die Stadt im vergangenen Jahr einen neuen Bedarfsplan für den Rettungsdienst beschlossen, der bis 2024 umgesetzt sein soll. Statt der zehn Rettungswagen sollen dann 20 zur Verfügung stehen. Nötig sind dafür fast 100 zusätzliche Notfallsanitäter, die die Feuerwehr zum großen Teil selbst ausbildet.  Mehr als 40 sind schon in der Ausbildung, im Januar starten die neuen Ausschreibungen, so Mühlenweg.

Wie nötig die Aufstockung war, macht er deutlich anhand der Rettungswagen, die in den Wachen als Reservefahrtzeuge für Einsatzspitzen standen und dann von Feuerwehrleuten besetzt werden, die eigentlich im Brandschutz eingeteilt sind. Mühlenweg: „Was aber als Ausnahme gedacht war, wurde an vielen Stellen zur Regel mit fünf Einsätzen am Tag.“

In diesem Jahr habe es im März, April und Mai durch die Coronapandemie einen Rückgang der Rettungsdiensteinsätzen um 20 Prozent gegeben, so der Feuerwehr-Chef. Inzwischen sei das normale Niveau aber wieder erreicht.

Brandeinsätze

Auch die Zahl der Brandeinsätze ist 2019 leicht gestiegen – von 1534 in 2018 auf 1576. „In Bielefeld leben immer mehr Menschen, das macht sich auch dabei bemerkbar“, so Hans-Dieter Mühlenweg. Zu den größten Einsätzen zählten der Brand des Busdepots an der Wilhelm-Bertelsmann-Straße mit einem Schaden in Millionenhöhe im Januar 2019, das Feuer in einem Lagergebäude des Bielefelder Golfclubs im April des Jahres, das durch Schweißarbeiten ausgelöste Feuer in der Überdachung eines Bahnsteigs am Hauptbahnhof und der Brand in einem Reifenlager in Brackwede im September.

Zwei Menschen starben in Bielefeld 2019 bei Bränden.

Brandstiftungen

Auch Brandstiftungen hielten die Bielefelder Feuerwehr 2019 wieder in Atem. Der Aufsehen erregendste Fall war dabei die Tat im August, als ein Carport und sechs Autos auf den Dürkopp Tor 6-Gelände komplett ausbrannten.

Am stärksten stieg im vergangenen Jahr die Zahl der Hilfeleistungen an – hier gab es ein Plus von 7,8 Prozent mit 2153 Einsätzen. Mühlenweg: „151 davon waren Unwettereinsätze, von denen allein 108 am 20. und 21. Mai anfielen, als das Tief Axel über Bielefeld zog und vor allem im Osten der Stadt Straßen überflutet waren und Keller vollgelaufen sind.“

Waldbrände

Angesichts der großen Waldflächen in Bielefeld blieb die Zahl der Waldbrände 2019 relativ niedrig, erklärt Hans-Dieter Mühlenweg. „Obwohl es ein trockenes Jahr war, hatten wir viel Glück.“ Dennoch bereite sich die Bielefelder Feuerwehr darauf vor, dass es künftig häufiger zu Waldbränden kommen könne – mit speziellen Fahrzeugen und wie erst vor kurzem mit großen Übungen. Notwendig sei aber auch die stärkere Zusammenarbeit mit Waldbesitzern und Forstbehörden.

Bombenentschärfungen

So häufig wie noch nie zuvor war die Feuerwehr im vergangenen Jahr bei Bombenentschärfungen gefordert. Sechs Mal gab es zum Teil großräumige Evakuierungen, die für die Einsatzkräfte immer mit einem großen Aufwand verbunden sind. Besonders nervenaufreibend war die Entschärfung einer Fliegerbombe im Oktober 2019 in Baumheide, die extrem knifflig war und mehr als zweieinhalb Stunden dauerte.

ABC-Einsätze

Auch die Spezialisten für ABC-Einsätze der Feuerwehr waren im vergangenen Jahr gefordert. In einer Apotheke in Stieghorst war ein Regal mit verschiedenen Substanzen umgestürzt, so dass zunächst analysiert werden musste, wie groß die Gefahr ist. Und bei einem Betrieb am Großmarkt in Oldentrup war Flusssäure ausgetreten, die schon in geringen Mengen hochgefährlich ist.

Rauchwarnmelder

Hans-Dieter-Mühlenweg betonte bei der Vorstellung der Bilanz erneut, wie wichtig Rauchwarnmelder in privaten Wohnungen sind. 188 Mal schlugen diese im vergangenen Jahr Alarm, in fast einem Drittel der Fälle war auch tatsächlich ein Feuer ausgebrochen. Mühlenweg: „Und bei 24 Einsätzen waren noch Menschen in den Wohnung. Rauchmelder retten Leben.“

Planungen für neue Hauptwache

Bei den Vorbereitungen für den Bau der neuen Hauptfeuerwehrwache auf dem früheren Gelände der Firma Kahmann und Ellerbrock an der Eckendorfer Straße wird derzeit das Vergabeverfahren vorbereitet, so Feuerwehr-Chef Hans-Dieter Mühlenweg. In einem so genannten Totalübernahmeverfahren soll ein Generalunternehmer Planung und Bau nach den Vorgaben der Feuerwehr übernehmen. Baubeginn soll Ende 2023 sein, die Bauzeit soll zweieinhalb Jahre dauern. Durch die Corona-Krise sind laut Mühlenweg wichtige Erkennnisse gewonnen worden, die in den Neubau einfließen sollen wie etwa die räumliche Trennung von Rettungsdienst und Löscheinheiten sowie Ruheräume mit Einzel- statt Doppelzimmern, um auch im Falle einer Pandemie mit Ansteckungsgefahr stets die Einsatzbereitschaft aufrecht erhalten zu können.

Brandschutzbedarfsplan

Der neue Brandschutzbedarfsplan ist derzeit in Arbeit, in der Politik beraten und verabschiedet sein soll er bis Mitte 2021, nennt Mühlenweg das Ziel. Ob dann weitere Standorte oder mehr Personal notwendig sein wird wie im Rettungsdienst, das stehe derzeit noch nicht fest. Mühlenweg: „Wir sind aktuell bei der Datenerhebung, um zu sehen, ob die Zeiten bis zum Eintreffen der Einsatzkräfte eingehalten werden. Wenn nicht, müssen Ursachenforschung betreiben, woran das liegt und schauen, ob und welche Maßnahmen notwendig sind.“

In Vorbereitung sind auch die drei schon beschlossenen zusätzlichen Rettungswachen. Für die in Senne laufe bereits das Bauverfahren, bei den Wachen für die Bereiche Dornberg und Theesen/Jöllenbeck laufe noch die Suche nach geeigneten Standorten.

 

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