IHK-Umfrage: Bielefelder Betriebe erwarten kein schnelles Ende der Krise
Industrie-Arbeitsplätze in Gefahr

Bielefeld  (WB). Die Bielefelder Industrie erwartet kein schnelles Ende des durch die Pandemie verursachten Konjunkturrückgangs. „Mehr als jedes zweite Unternehmen geht von einer Normalisierung der Geschäfte erst in frühestens sechs Monaten aus”, sagte Petra Pigerl-Radtke, neue Hauptgeschäftsführerin der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen, bei der Vorstellung der Ergebnisse der jüngsten IHK-Umfrage.

Donnerstag, 01.10.2020, 21:11 Uhr aktualisiert: 01.10.2020, 21:14 Uhr
Die Bielefelder Industrie beschäftigt 19.718 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Der Umsatz ist in den ersten sieben Monaten dieses Jahres insgesamt um 6,5 Prozent zurückgegangen. Nun gehen viele Unternehmen davon aus, dass sie Jobs abbauen müssen. Foto: dpa

Besonders dramatisch ist die Situation auf dem Beschäftigungssektor. 69 Prozent und damit mehr als zwei Drittel der Unternehmen gaben an, dass sie Personal abbauen müssen. Über Neueinstellungen denken gerade mal fünf Prozent nach. „Die anderen versuchen, den Personalstand zumindest zu halten”, erklärte Pigerl-Radtke. Bis Ende Juli war der Personalabbau in der Bielefelder Industrie noch relativ moderat: Nach einem Rückgang um 3,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zählen die Industrieunternehmen in Bielefeld jetzt noch 19.718 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.

Nummer 1 ist dabei nach wie vor der Maschinenbau. mit 4731 Beschäftigten. In einer Branche, der Herstellung von Metallerzeugnissen, gab es sogar einen deutlichen Zuwachs an Beschäftigten um 26,5 Prozent auf 1909. Zu dieser Sparte zählt unter anderem das führende Bielefelder Stahlbauunternehmen Goldbeck.

Der Gesamtumsatz der Bielefelder Industrie ging in den ersten sieben Monaten um 6,5 Prozent auf 2,31 Milliarden Euro zurück. Dabei war coronabedingt der Rückgang im Export mit 8,0 Prozent größer. Mit einer Exportquote von 39 Prozent belegt Bielefeld in Ostwestfalen hinter dem Kreis Gütersloh (44 Prozent) Platz 2.

Nur vier von 100 Betrieben geben ihrer augenblicklichen Geschäftslage die Note „gut”. 55 Prozent stufen sie in der Umfrage der IHK immerhin noch als „befriedigend” ein. Dagegen bewerten sie 41 Prozent als ausgesprochen schlecht. In ganz Ostwestfalen insgesamt ist der Anteil mit 25 Prozent spürbar niedriger.

Besserung im zweiten Halbjahr 2021 erwartet

Etwas besser sieht es bei der Prognose für die nächsten zwölf Monate aus. 35 Prozent erwarten eine Besserung ihrer Geschäftslage, nur noch 16 Prozent eine weitere Verschlechterung. Das wirkt sich auch auf die Investitionsbereitschaft aus. 38 Prozent wollen ihre Ausgaben reduzieren. Das seien, so Pigerl-Radtke, zwar weniger als bei der vorangegangenen Umfrage im Juni. Aber immer noch sei der Saldo negativ. 14 Prozent wollen mehr investieren.

„Bundes- und Landesregierungen haben viel Geld in die Sicherung von Lebensumständen und der Unternehmen gepumpt”, lobte Wolf Meier-Scheuven, Präsident der IHK Ostwestfalen und geschäftsführender Gesellschafter des Bielefelder Familienunternehmens Boge. Doch der Weg aus dem Tief sei schwierig. Wichtig seien die Standortbedingungen vor Ort. In den vergangenen Jahren hätten Unternehmen mancherorts ein offenes Ohr vermisst. Jetzt seien Wachstumsimpulse in den Kommunen notwendig.

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