Mehr als 40 Buchen sind vertrocknet und müssen weichen – Arbeiten starten Montag
Massive Fällarbeiten an der Promenade

Bielefeld (WB). Die massiven Waldschäden durch die Trockenheit in den vergangenen Sommern machen sich auch an der Promenade und im Freudental immer stärker bemerkbar. Am Montag beginnen Arbeiten in dem gut einen Kilometer langen Bereich zwischen der Schönen Aussicht und Brands Busch, bei denen unmittelbar im Bereich der Promenade mindestens 40 große Buchen gefällt werden müssen, im Umfeld müssen weitere Bäume beseitigt werden. Und es besteht die Gefahr, dass sich diese Entwicklung fortsetzt.

Freitag, 02.10.2020, 06:00 Uhr
An manchen Bäumen sind die Äste bis unten vertrocknet, die Kronen haben keine Blätter, zeigt Thomas Busche. Foto: Hendrik Uffmann

Mehr als 150 Jahre stehen viele der Buchen schon in diesem Bereich. Bis zu 35 Meter hoch sind die mächtigen Bäume, die gerade entlang des südlich parallel zur Promenade verlaufenden Weges mit ihren herabhängenden Ästen ein besonders schönes Bild bieten, das fast jeder Bielefelder kennt. Doch gerade die alten Bäume, die zur Südseite stehen und den ganzen Tag der prallen Sonne ausgesetzt sind, haben massiv unter der Trockenheit gelitten.

Bislang bilden die zum Teil mehr als 150 Jahre alten Bäume ein prächtiges Ensemble, das nun in Gefahr ist.

Bislang bilden die zum Teil mehr als 150 Jahre alten Bäume ein prächtiges Ensemble, das nun in Gefahr ist. Foto: Hendrik Uffmann

Damit sie nicht zur Gefahr werden für die vielen Spaziergänger, Jogger und Radfahrer, die jeden Tag dort unterwegs sind, müssen jetzt mehr als 40 von ihnen gefällt werden, an zehn weiteren werden zunächst die Kronen ausgelichtet in der Hoffnung, die Bäume erhalten zu können. „Wir lassen jeden Baum stehen, bei dem wir glauben, dass er auch nur den Hauch einer Chance hat. Aber viele sind so geschädigt, dass sie es auf keinen Fall mehr schaffen werden“, sagt Thomas Busche vom städtischen Umweltbetrieb. Was dies für das beliebte Erholungsgebiet bedeutet, ist auch ihm klar. „Ich bin als Kind schon unter diesen Bäumen entlang gelaufen. Und es brennt einem in der Seele, wenn solche Arbeiten notwendig sind“, sagt Busche.

Deshalb habe man sich die Entscheidung auch nicht leicht gemacht. Die meisten der Bäume, die jetzt mit pinkfarbenen Streifen markiert sind, beobachten die Fachleute des Umweltbetriebs schon seit mehreren Jahren. Denn die Schäden, die jetzt erkennbar sind, sind die Folge des trockenen Sommers 2018.

Und an vielen Stellen sind diese auch für den Laien gut erkennbar. Viele Baumkronen sind licht, an den vertrockneten Ästen hängen kaum noch Blätter. An den Stämmen ist die Rinde großflächig abgeplatzt. „Das ist wie Sonnenbrand an den Bäumen. Buchen haben eine sehr dünne Rinde, so dass der Bereich darunter geradezu verbrennt, wenn die Sonne intensiv darauf scheint“, erläutert Busche.

Direkt unter diesen Bäumen stehen zum Teil Bänke, die mächtigen Bäume reichen weit über den Spazierweg und auch die Promenade, macht er die Gefahr deutlich. „Es geht um die Verkehrssicherungspflicht. In einem größeren Waldgebiet würden wir die Bäume einfach stehen lassen, doch hier geht das einfach nicht.“

Am Montag gegen 8 Uhr werden deshalb Spezialfirmen zusammen mit Mitarbeitern des Umweltbetriebs mit den Fällarbeiten beginnen, je nach Wetterlage sollen sie etwa eine Woche andauern. Denn zum Einsatz kommt auch schweres Gerät, weil einige der Bäume von Hubsteigern aus Stück für Stück gefällt werden müssen.

Im umliegenden Bereich wie etwa weiter südlich im Freudental im Bereich der Tennisplätze können die Arbeiten auch noch länger gehen. Eine dauerhafte, großräumige Sperrung der Wege soll es nicht geben, immer wieder werden aber bestimmte Abschnitte zeitweise abgeriegelt.

Alle Bäume, die gefällt werden müssen, sind mit pinkfarbenen Streifen markiert.

Alle Bäume, die gefällt werden müssen, sind mit pinkfarbenen Streifen markiert. Foto: Hendrik Uffmann

Einen wirtschaftlichen Grund, die Buchen zu fällen, gebe es nicht, betont Busche: „Die Fällarbeiten kosten eine fünfstellige Summe und damit deutlich mehr, als der Erlös aus dem Holz bringt.“ Bäume als Ersatz sollen nicht gepflanzt werden. Stattdessen sollen die dort wachsenden jungen Bäume durch die entstehenden Lichtungen die Chance bekommen, sich zu entwickeln.

Durch die jetzigen Fällarbeiten werde sich der Charakter der Promenade und der Wege im Freudental noch nicht fundamental ändern, erklärt Thomas Busche – zumindest vorerst. Denn die Buchen, die jetzt weichen müssen, haben bislang einen Großteil der Sonne abgefangen. Sind sie weg, trifft es die bislang von ihnen beschatten Bäume dahinter. Busche: „Das ist ein echtes Folgeproblem, das wir haben werden. Es ist sehr wahrscheinlich, dass wir im Herbst nächsten Jahres weitere Bäume fällen müssen.“

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