Bielefeld nähert sich der kritischen Corona-Marke – jetzt 74 Infektionen nach Familienfeier
Stadt bereitet Einschränkungen vor

Bielefeld (WB). Falls das Gesundheitsamt seiner Corona-Statistik an diesem Freitag 20 Neuinfizierte hinzufügen muss, kommen auf die Bielefelder weitere Einschränkungen zu. Dann wäre die kritische Marke von 35 Neuinfizierten pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen erreicht, die die Verwaltung zum Handeln zwingt. Der Wert ist bereits auf 30,6 gestiegen.

Freitag, 02.10.2020, 04:28 Uhr aktualisiert: 02.10.2020, 04:30 Uhr
Ergebnisse der Reihentests unter Schülern und Lehrern stehen noch aus. Auch ohne sie ist die Zahl der Infektionen um 19 gestiegen, 17 davon gehen aufs Konto der Familienfeier vom 15. September, durch die nunmehr 74 Menschen infiziert sind. Foto: Bernhard Pierel

Weiter gedulden müssen sich etliche der rund 800 Schüler und Lehrer, die auf Ergebnisse der Reihentestungen von Montag und Dienstag warten. Nach Angaben der Stadt liegen die noch nicht vollständig vor, allerdings steht jetzt schon fest: unter den Neuinfizierten von Donnerstag sind sechs Fälle an zwei der Schulen, die infolge der privaten Familienfeier vom 15. September mit Quarantäne-Anordnungen belegt wurden. Die Schüler sind nach Angaben der Stadt bereits informiert. 1000 Schüler und Lehrer an elf Schulen mussten infolge dieser Feier in Quarantäne. Nunmehr 74 Menschen haben sich infolge des Zusammentreffens infiziert, 17 mehr als am Mittwoch. Damit weiten sich die Folgen der privaten Familienfeier vom 15. September, die bereits die Quarantäne von fast 1000 Schülern und Lehrern an elf Schulen sowie Kindern und Erziehern einer Kita verursacht hat , weiter aus. Nunmehr 74 Menschen haben sich infolge des Zusammentreffens infiziert, 17 mehr als am Mittwoch.

Abstimmung mit dem Land

Mit insgesamt 19 am Donnerstag neu gemeldeten Corona-Infektionen nähert sich die Inzidenz dem kritischen Schwellenwert von 35 weiter an, ab dem die Stadt Maßnahmen ergreifen muss, um das Infektionsgeschehen wieder einzudämmen. Im Rathaus wird bereits an einer Allgemeinverfügung gearbeitet, die die Einschränkungen auflistet und die so lange in Kraft bliebe, bis der Inzidenzwert sieben Tage in Folge unter 35 läge. Verschiedene Ämter sind bereits beauftragt, mögliche Maßnahmen auszuarbeiten, die die Infektionszahlen wieder herunterdrücken sollen. Welche das sein könnten, darüber berät der Krisenstab – und schaut dabei auch auf andere Städte und Kreise in NRW, die in ähnlicher Weise betroffen sind, wie Stadtsprecherin Gisela Bockermann sagt.

Darunter ist die Stadt Gelsenkirchen, die am Donnerstag den Inzidenzwert 40,7 erreicht und schon am 21. September eine Allgemeinverfügung erlassen hat. Sie verbietet private Feiern mit mehr als 50 Teilnehmern, appelliert sogar, in privaten Räumen mit höchstens 25 Menschen zu feiern. Falls in angemieteten Räumen gefeiert wird, muss der Veranstalter das vorher anmelden und Teilnehmerlisten einreichen. In Gelsenkirchen waren es Hochzeitsfeiern mit 150 Gästen, die das Virus in Kitas, Schulen und Sportvereine gebracht haben.

Die Stadt Duisburg hat die kritische Marke am Donnerstag erreicht (Inzidenzwert 36,9), verzichtet bislang offenbar auf gesonderte individuelle Regelungen und verweist auf die seit Donnerstag geltende Coronaschutzverordnung des Landes, wonach ab einem Wert von 35 Infizierten pro 100.000 Einwohner private Feiern im öffentlichen Raum nur noch mit bis zu 50 Teilnehmern erlaubt und mindestens drei Tage vorher anzumelden sind. Auch Köln (Inzidenzwert 36,4) und der Oberbergische Kreis (35,6) haben jetzt den Schwellenwert erreicht. Andere Städte wie Leverkusen (32,3) und Essen (30,5) stehen wie Bielefeld kurz davor.

Voraussichtlich Freitag will die Stadt Bielefeld eine eigene Allgemeinverfügung fertigstellen, um sie bei Erreichen der kritischen Marke zeitnah veröffentlichen zu können. „Die muss vorher noch mit dem Land abgestimmt werden“, sagt Gisela Bockermann.

Entscheidung zum Arminen-Spiel am 16. Oktober

Sie dürfte sich am konkreten Infektionsgeschehen orientieren, das in Bielefeld vor allem durch die private Familienfeier vom 15. September ausgelöst wurde, deren Folgen sich aber insbesondere in elf Schulen gezeigt haben, wo fast 1000 Schüler und Lehrer in Quarantäne gehen mussten. Denkbar sind somit Regelungen, die private Feiern einschränken, aber auch Empfehlungen zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes im Unterricht.

Dazu kämen auch für Bielefeld die gesetzlichen Regelungen, die neben Einschränkungen von Feiern außerhalb der eigenen vier Wände auch ein Verbot von Zuschauern bei Fußballspielen vorsieht. So wird Köln gegen Gladbach an diesem Samstag wohl ohne Publikum spielen. Die Arminen dürften die Corona-Lage vorerst gelassen sehen: das nächste Heimspiel ist am 17. Oktober gegen Bayern München. Die Entscheidung über die Genehmigung von Zuschauern bei Fußballspielen muss spätestens am Tag vorher fallen. Maßstab wäre dann, dass am 16. Oktober die Inzidenzzahl unter 35 liegt.

Die Zahl der positiv auf das Corona-Virus getesteten Bielefelder liegt nun bei 941. Davon sind 820 Menschen genesen – zwei mehr als am Vortag. In Quarantäne befinden sich 553 Personen, das sind 20 mehr als am Mittwoch. Die im Zusammenhang mit dem Corona-Fall „Familienfeier“ verordneten Quarantänen für 800 Schüler sowie 150 Lehrkräfte sind noch nicht eingerechnet und sollen erst in den kommenden Tagen in der Statistik erscheinen.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7612101?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198387%2F2513179%2F
Arminia: Mittwoch erster Corona-Test seit dem Bayern-Spiel
Bayern-Profi Serge Gnabry (rechts) beim Spiel am Samstag in Bielefeld Foto: Thomas F. Starke
Nachrichten-Ticker