Noch fehlt die Erstliga-Atmosphäre – Arminia Bielefeld freut sich über den „gelungenen Testlauf“
Die Fans sind zurück auf der Alm

Bielefeld (WB). Die Atmosphäre angesichts der Corona-Einschränkungen noch nicht ganz erstligareif, Irritationen bei Zuschauern über die Nähe zum fremden Sitznachbarn: Das erste Heimspiel nach dem Aufstieg des DSC Arminia Bielefeld war noch nicht ganz so, wie sich Verein und Fans das gewünscht haben. Dennoch herrschte bei beiden vor allem große Freude darüber, dass sie auf der Alm endlich wieder aufeinandertrafen.

Montag, 28.09.2020, 03:00 Uhr
Beim ersten Heimspiel mit Publikum bleibt die Zahl der Fans überschaubar. Entsprechend dem mit der Stadt Bielefeld abgestimmten Sicherheitskonzept sind 5460 Fans zugelassen – ein Fünftel der Kapazität der Schüco-Arena. Der Gästeblock (oben) bleibt in der Partie gegen den 1. FC Köln gänzlich leer, ebenso die Südtribüne (rechts) mit den Stehplätzen. Und jede zweite Sitzreihe ist mit Flatterband abgesperrt. Foto: Thomas F. Starke

5460 Zuschauer durften die Partie gegen den 1. FC Köln am Samstag auf der Alm miterleben, legten sich ordentlich ins Zeug, um wieder Stimmung ins Stadion zu bringen, mussten sich aber auch den strengen Hygiene- und Abstandsregeln beugen. „Sie haben uns nicht nur großartig unterstützt, sie haben sich auch vorbildlich verhalten“, lobt DSC-Sprecher Daniel Mucha die Besucher nach dem Spiel. Die knapp 5500 nach dem Corona-Sicherheitskonzept zugelassenen Besucher konnten freilich keine Atmosphäre von sonst bis zu 26.500 Fans ins Stadion zaubern. Und so richtig in Fahrt kamen sie nur gelegentlich, brachten dann aber eine ordentliche Klangkulisse zustande – und waren als „12. Mann“ gerade dann da, wenn die Spieler es brauchten.

Rund um das erste Arminia-Heimspiel

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  • Rund um das erste Arminia-Heimspiel
Foto: Thomas F. Starke
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Bei manchem Zweikampf, vor allem nach dem Siegtreffer von Jóan Simun Edmundsson in der 78. Spielminute und dann bis zum Schlusspfiff hielten sie die Stimmung hoch. Weil die Südtribüne – sonst Taktgeber für die Stadionbeschallung – leer blieb, blieben die Fans über längere Strecken eher still. Und da Gästefans nicht zugelassen waren, fehlte eine Unterstützung der Kölner ganz.

„Besser als befürchtet“ sei die Atmosphäre gewesen, sagt Rafael Wieschollek vom DSC-Fanclub Bethel United, „aber noch nicht das Fußballerlebnis, das man sich für die erste Liga wünscht. Aber es fühlte sich richtig gut an, nach einem halben Jahr mal wieder im Stadion zu sein“, so der 43-jährige Gellershagener, der seit 30 Jahren regelmäßig auf die Alm geht.

Abschließende Bewertung steht noch aus

Die geringe Zuschauerzahl spiegelte sich schon in einem für Heimspieltage untypischen Straßenbild rund um die Alm wider: Vereinzelt, ruhig und eher in kleinen Gruppen bewegten sich die Besucher aufs Stadion zu. Kein Gedränge an Stadtbahnhaltestellen, keine Autoschlangen auf den Zufahrtsstrecken. Kurze Schlangen auch bei den Einlasskontrollen, dafür eine Vielzahl von Ordnern, die auf Einhaltung der Maskenpflicht achteten und den Zuschauern Flyer mit Verhaltenstipps in die Hand drückten.

Im Stadion selbst ging’s nach dem Einlass geradewegs auf die Plätze: Imbiss- und Getränkestände blieben geschlossen, alkoholfreie Getränke und Speisen wurden auf den Plätzen erworben und verzehrt. Eine strenge Disziplin galt auch nach dem Schlusspfiff: Nur wenige Minuten nach Spiel­ende wurden die Besucher aufgefordert, in getrennten Kontingenten die Alm zu verlassen – zuerst die unteren Reihen, danach die oberen. „Das war ein gelungener Testlauf“, sagt Christian Venghaus, Leiter von Organisation und Spielbetrieb beim DSC. Eine abschließende Bewertung des Hygiene- und Abstandskonzepts durch Stadt und Klub steht noch aus.

Besucher des ersten Heimspiels des DSC Arminia Bielefeld in der ersten Bundesliga: Aus Herzebrock dabei (hinten von links) Daniel Hunkenschröder, Alexander Löseke, Christian Gerdhenrich und Leon Gerdhenrich sowie (vorne von links) Felix, Florian und Luisa.

Besucher des ersten Heimspiels des DSC Arminia Bielefeld in der ersten Bundesliga: Aus Herzebrock dabei (hinten von links) Daniel Hunkenschröder, Alexander Löseke, Christian Gerdhenrich und Leon Gerdhenrich sowie (vorne von links) Felix, Florian und Luisa. Foto: Peter Bollig

Besucher – ­Dauerkartenbesitzer, die das Glück hatten, eine Karte zugelost zu bekommen – zogen indes eine gemischte Bilanz. Vor allem größere Gruppen fühlten sich auf den Sitzgruppen à acht Zuschauer gut aufgehoben. Daniel Hunkenschröder aus Herzebrock, der mit Kindern und Freunden ins Stadion ging, ist froh, dass sie fast vollzählig ausgelost wurden und zusammensitzen konnten. Andere sind irritiert, dass sie ohne Mundschutz und Abstand direkt neben fremde Menschen gesetzt wurden, sich Reihen mit 20 Zuschauern bildeten, gleichzeitig ganze Blöcke unbesetzt blieben. Und Jürgen Hölker aus Heepen findet, dass sich beim Verlassen der Alm die Fans doch „geknubbelt“ hätten.

Fans finden Verfahren „fair“

Die Achterreihen seien das mit der Stadt abgestimmte Konzept gewesen, sagt Venghaus. Weil Reihen davor und dahinter frei blieben, könne einem „niemand in den Nacken husten“, Abstände seien größer als im Schachbrettmuster, in dem die Tribünen anderer Stadien besetzt würden. Gleichwohl werde jetzt geprüft, ob die Platzzuweisung bei der Ticketvergabe so funktioniert hat, wie geplant. Dass Familien oder Paare vereinzelt keine Plätze nebeneinander bekommen haben, dürfte mit den technischen Problemen bei der Zulosung der Karten zu tun haben.

Das Verfahren an sich, dass ausgelost wird und etwa für die Heimspiele gegen Bayern und Dortmund pro Dauerkarteninhaber entweder das eine oder das andere zugeteilt wird, stößt auf Verständnis. „Dann hat man zumindest die Gewissheit, dass man eins von beiden bekommt“, sagt Julian Lüke aus Stukenbrock, und Alexander Löseke aus Herzebrock findet es im Rahmen der Corona-Einschränkungen „sehr fair“.

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