Beschäftigte des öffentlichen Dienstes legen in Bielefeld die Arbeit nieder – Streik bei Mobiel am Dienstag
„Dankeschön war gestern“

Bielefeld (WB). Mit ihren roten Regenschirmen und gelben Westen sind die Hausmeister, Reinigungskräfte und weitere Mitarbeiter des städtischen Immobilienservicebetriebs (ISB) auf dem Rathausplatz nicht zu übersehen – und in ihrem Unmut nicht zu überhören. „Wer für Coronahelden klatscht, muss auch dafür eintreten, dass sie mehr Geld bekommen“, stimmt Petra Meyer von der Gewerkschaft Verdi die Streikenden ein.

Samstag, 26.09.2020, 05:00 Uhr
Mit ihren Schirmen sind die Streikenden um Petra Meyer (Verdi) vor dem Rathaus nicht zu übersehen. Foto: Bernhard Pierel

Streit über Arbeitszeiten

Etwa 50 ISB-Beschäftigte haben sich am Freitag während ihres Warnstreiks zur Kundgebung vor dem Rathaus eingefunden, wollen ihrer Forderung – 4,8 Prozent mehr Gehalt, mindestens 150 Euro monatlich – Nachdruck verleihen. Parallel versammeln sich vor dem Ishara 80 Beschäftigte der Stadtwerke-Gruppe, auch dort lässt Verdi-Mann Hermann Janßen das große Lob, das den „systemrelevanten Arbeitnehmern“ in der Corona-Krise entgegenhallte, noch einmal nachklingen. „Aber Dankeschön war gestern“, jetzt, in der Tarifauseinandersetzung für den öffentlichen Dienst, spiele diese Wertschätzung scheinbar keine Rolle mehr, sagt Janßen. Stattdessen gebe es von den Arbeitgebern kein Angebot für Zulagen. Ganz im Gegenteil: „Beschäftigte der Sparkassen sollen sogar noch etwas abgeben.“

In Bielefeld haben an diesem Streiktag nur einige wenige Berufsgruppen die Arbeit niedergelegt. Sparkassenmitarbeiter wollen am Montag vor allem in Herford streiken. Auch das Gesundheitswesen ist vorerst beim Arbeitskampf in Bielefeld noch nicht dabei, aber auch dort ist Dampf auf dem Kessel, wie Petra Meyer deutlich macht. Da geht es nicht nur um Lohnerhöhungen sondern auch um die Anrechnung von Pausenzeiten und um Bereitschaftsdienste. „Es geht nicht nur ums Entgelt, wir brauchen auch Entlastung“, sagt Meyer und spricht von zusätzlichen freien Tagen für die Beschäftigten und auch über die Angleichung der Arbeitszeiten in Ost- und Westdeutschland.

Streiks auch im Gesundheitsbereich

Angestellte im Gesundheitswesen werden in der kommenden Woche bundesweit zu Streiks aufgerufen, wie Hermann Janßen erklärt. Der stellvertretende Verdi-Bezirksgeschäftsführer hofft zugleich auf ein Einlenken der Arbeitgeber und ein Ergebnis wie unlängst bei der Post mit drei Prozent Lohnsteigerung.

Mobiel-Beschäftigte waren bislang nicht beteiligt, weil für sie der Tarifvertrag Nahverkehr gilt. Aber auch dort wird verhandelt – und in der kommenden Woche auch gestreikt, wie Verdi mitteilt . Am Dienstag werden Mobiel-Mitarbeiter von Beginn der Frühschicht an die Arbeit niederlegen. Um 8 Uhr beginnt eine Kundgebung am Betriebshof in Sieker.

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