Die beliebte Konzertreihe der Zionskirche wird mit innovativem Programm wieder aufgenommen
Krise macht kreativ

Bielefeld (WB). Als im März der Lockdown kam, war das Papier, auf dem das Konzertprogramm der Zionskirche gedruckt war, nur noch Makulatur. Am kommenden Sonntag, 27. September, beginnt nun unter Pandemie-Auflagen die neue Konzertsaison auf dem Zionsberg in Bethel. Ein Schwerpunkt liegt auf der Orgelmusik.

Dienstag, 22.09.2020, 06:00 Uhr
Zionskantor Christof Pülsch legt einen Schwerpunkt des Konzertprogramms auf die Orgelmusik. Foto: Bernhard Pierel

„Ich hatte viel Zeit zum Üben“, sagt Zionskantor Christof Pülsch mit Blick auf zwei Orgelkonzerte, die vertraute und neue Klänge mischen. Unter anderem wird Pülsch am 27. September und 4. Oktober Werke der zeitgenössischen französischen Komponistin Florentine Mulsant spielen. „Ihre Musik speist sich aus liturgischen Quellen und ist in einer typisch französischen Tonsprache verfasst“, sagt der Zionskantor, der die „Dix Litanies“ aus dem Jahre 2012 mit Bachs „Drittem Theil der Clavier-Übung“ und der „Messe bass“ von Louis Vierne kombiniert.

Solokonzerte

Bis Anfang November steht das Konzertprogramm, jeweils sonntags um 17 Uhr, fest. Pülsch setzt auf coronaverträgliche kleine Besetzungen und verzichtet ganz auf Bläser. „Ich will kein Risiko eingehen“, sagt der engagierte Kantor. So darf sich das Publikum auf den Akkordeonspieler Pavel Efremov freuen (11. Oktober), der unter anderem Bachs Partita Nr. 2 auf den Akkordeon interpretieren wird. Der Moldavier gab bereits beim vergangenen Festival „Frakzionen“ eine Kostprobe seiner Kunst.

Auch im kommenden Jahr soll das Festival für zeitgenössische Musik wieder stattfinden. Indes wurde es vom Winter auf einen Monat in der wärmeren Jahreszeit verschoben. Noch steht nicht fest, ob es im Mai, Juni oder September 2021 stattfinden wird. „Die Fördergelder sind beantragt und bewilligt. Eine Durchführung im Januar mit Bewirtung in der Kirche ist unter Coronabedingungen nicht möglich. Daher setzen wir auf einen späteren Zeitpunkt“, verdeutlicht Christof Pülsch.

Ein ebenfalls wohl vertrautes Gesicht in der Konzertlandschaft der Zionskirche ist die Cellistin und Bielefelder Philharmonikerin Yoonha Choi. Sie wird am 25. Oktober ein Solokonzert mit Werken von Bach bis Ligeti spielen.

Ebenfalls ein gern gesehener Gast in Zion ist die Pianistin Maya Ando. Ihr Programm am 1. November umfasst Werke von Chopin, Beethoven und Wagner.

Regionale Musiker

Soweit die Vorschau. „In den Wintermonaten, wenn die Durchlüftung der Kirche nur noch kurz möglich ist, werden wir nur kurze Konzerte à 30 Minuten in der Zionskirche veranstalten und dazu regionale Musiker einladen. Die Programme werden kurzfristig angekündigt“, sagt der Zionskantor. Ab April sollen die Konzerte dann wieder normale Länge haben.

Die Zahl der Besucher ist auf etwa 70 Personen begrenzt. Auf jedem Sitzplatz liegen ein Stift und ein Formular zur Namens- und Kontaktdatenerfassung. Der Eintritt ist wie gehabt frei. Am Ausgang wird um eine freiwillige Spende gebeten.

Ob sich die Konzertgemeinde an Weihnachten auf ein festliches Chorkonzert freuen darf, steht noch nicht fest. Pülsch: „Die Überlegungen zu Weihnachten sind noch nicht abgeschlossen.“ Ak­tuell probt die Kantorei aufgeteilt in kleinen Gruppen. Unter den geltenden Abstandsregelungen finden jeweils zwölf Sängerinnen und Sänger in der Vierung in der Kirche Platz. „Alle sind dadurch sehr gefordert. Das ist der positive Effekt der Pandemie“, sagt Pülsch.

Neue Formate

Überhaupt hat die Corona-Krise den Zionskantor erfinderisch gemacht. So hat er erfolgreich auf Radio Antenne Bethel (94,3 MHz) das Sendeformat „Zion hört Musik“ eingeführt (das WESTFALEN-BLATT berichtete), das in weiteren Staffeln fortgesetzt wird.

Neu eingeführt wurden ebenfalls 15-minütige Musikandachten, die immer am zweiten bis fünften Dienstag eines Monats um 19 Uhr gesendet werden.

Die Konzertreihe „Klassik um drei“ im Assapheum, die von Ensemblemitgliedern der Bielefelder Philharmoniker gestaltetet wird und sich an ein Publikum wendet, das herkömmliche Konzerte nicht besuchen kann, findet im Herbst als interne Veranstaltung – ohne öffentliche Teilnahme – statt. Dazu eingeladen werden gezielt Wohngruppen aus Bethel.

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