Andreas Dobberkau und Christoph Coburger performen Kinderbuch-Klassiker
Hörspiel macht Kästners Emil lebendig

Bielefeld (WB). Die Kinder von heute sind die Theaterabonnenten von morgen. Das wissen auch die Programmmacher des Kulturfestivals „Wege durch das Land“ rund um die künstlerische Leiterin Helene Grass. Das Festival bietet mittlerweile gezielt Veranstaltungen für ein junges Publikum an, das von begleitenden Eltern und Großeltern indes nicht minder begeistert aufgenommen wird. Das am Sonntag mit 120 Besuchern zweimal ausverkaufte Live-Hörspiel „Emil und die Detektive“ auf dem Hof Meyer zu Bentrup legte hiervon ein beredtes Zeugnis ab.

Montag, 21.09.2020, 05:00 Uhr
Der Schauspieler Andreas Dobberkau (rechts) und der Klangkünstler Christoph Coburger gastierten bei „Wege durch das Land“. Foto: Bernhard Pierel

Heute ein Kinderbuch-Klassiker, damals große Innovation: Waren Bücher für Kinder bis zu Erich Kästners „Emil“-Roman doch fast durchgehend märchenhaft und moralisierend. Kästner aber mischte 1929 erstmals Witz, Abenteuer und Milieuschilderung und brachte die soziale Gegenwart der Kinder ein, ohne den Charme, den Humor und die Spannung vermissen zu lassen.

Die Sache mit Emil kam unerwartet

Niemand war davon überraschter als Kästner selbst: „Ja euch kann ich’s ja ruhig sagen: Die Sache mit Emil kam mir selber unerwartet. Eigentlich hatte ich ein ganz anderes Buch schreiben wollen. Ein Buch, in dem, vor lauter Angst, die Tiger mit den Zähnen und die Dattelpalmen mit den Kokosnüssen klappern sollten. Einen richtigen Südseeroman hatte ich vor. Aber der Oberkellner Nietenführ, mit dem ich manchmal über meine Arbeit spreche, war ganz anderer Ansicht: ’Das beste wird sein, Sie schreiben über Sachen, die Sie kennen. Also, von der Untergrundbahn und Hotels und solchem Zeug. Und von Kindern, wie sie Ihnen täglich an der Nase vorbeilaufen, und wie wir früher einmal selber welche waren.’ Und so habe ich, eigentlich nur, weil der Oberkellner Nietenführ es so wollte, eine Geschichte über Dinge geschrieben, die wir, ihr und ich, längst kennen … Aber nun geht es endlich los.“

Los ging es dann mit einem Dialog zwischen dem Schauspieler Andreas Dobberkau (Emil) und dem Komponisten Christoph Coburger (Mutter). Die Beziehungskonstellation im Roman unterscheidet sich kaum von einer Mutter-Sohn-Beziehung heute. Die Armut des kleinen Bürgers im Wirtschaftskrisenjahr 1929 indes ist der Lebensrealität des jungen Publikum fremd. Somit war es richtig, diesem Aspekt im Hörspiel eine besondere Beachtung zukommen zu lassen.

Blick in schmunzelnde Gesichter

Ohnehin dürften Kinder mit Begriffen wie Holzklasse oder Bahnsteigkarte heute nur noch wenig anfangen können. Da hatten die Eltern und Großeltern mehr davon, wie an ihren schmunzelnden Gesichtern abzulesen war.

Gleichwohl ist die Geschichte rundum Themen wie Redlichkeit und Freundschaft zeitlos. In lebendiger Dialogik erzählt und unterlegt mit einer lautmalerischen Klangcollage, die vom rhythmischen Fauchen einer anfahrenden Dampflokomotive bis hin zu den Geräuschen der Großstadt Berlin reichte, verging die Zeit in der mit etwa zehn Grad doch recht frisch temperierten Scheune wie im Fluge.

Coronabedingt sind in diesem Jahr die Rahmenbedingungen etwas anders. So waren nicht nur die Platzkapazitäten sehr eingeschränkt. Auch auf das Catering musste verzichtet werden. Die meisten Familien hatten sich darauf eingestellt und packten in der Pause im Sonnenschein ihre Picknickkörbe aus.

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