Tumulte auf Heeper Straße und am Bielefelder Krankenhaus, wo 70-Jähriger stirbt
Großfamilie behindert Rettungskräfte

Bielefeld (WB). Ein Mann bricht auf der Heeper Straße zusammen und braucht medizinische Hilfe. Die kommt per Rettungswagen, doch die Helfer kommen an den 70-Jährigen erst heran, als die Polizei den Weg frei macht. Denn eine Menschenmenge, offenbar überwiegend Mitglieder einer irakischen Großfamilie, versperren den Rettern den Weg zu ihrem Angehörigen. Tumultartige Szenen spielen sich später auch vor dem Krankenhaus ab, wo der Patient am Freitag stirbt.

Freitag, 18.09.2020, 19:48 Uhr aktualisiert: 18.09.2020, 20:18 Uhr
Aus Sorge vor Tumulten am Städtischen Krankenhaus zeigte die Polizei am Freitag Präsenz. Dort wurde der 70-Jährige am Donnerstag eingeliefert, wo er am Freitag auch verstarb. Angehörige hatten zuvor schon den Rettungseinsatz behindert. Foto: Bernhard Pierel

Die Einsatzlage an der Heeper Straße unweit der Otto-Brenner-Straße beginnt am Donnerstag zunächst unauffällig. Polizeisprecherin Sarah Siedschlag zufolge wird der Rettungsdienst gegen 16.15 Uhr alarmiert, nachdem der 70-Jährige auf dem Bürgersteig zusammengebrochen ist. Als die Rettungskräfte eintreffen, versperren ihnen allerdings rund 60 Personen, die sich inzwischen versammelt haben, den Weg. Die Helfer werden nicht durchgelassen, fühlen sich bedrängt und bitten die Polizei um Unterstützung.

Strafanzeigen wegen Widerstands

Auch den Beamten stellt sich die Menschengruppe zunächst entgegen. Ein 22-Jähriger und ein 27-Jähriger zeigen sich „besonders uneinsichtig“, sagt Sarah Siedschlag. Es gibt Gewaltandrohungen, Fäuste werden geballt, die Männer wollen, dass die Polizisten verschwindet. Das tun sie nicht, statt dessen kassieren die beiden Männer Strafanzeigen wegen Widerstands gegen Polizeibeamte. Das und mehrere Platzverweise scheinen zu helfen; die Rettungskräfte können den 70-Jährigen versorgen, ebenso eine weitere Person, die im Tumult offenbar einen Schwächeanfall erleidet. Zwischenzeitlich schickt der Rettungsdienst ein weiteres Fahrzeug, das als Sichtschutz am Einsatzort platziert wird, wie Feuerwehrchef Hans-Dieter Mühlenweg erläutert.

Erledigt ist der Fall damit noch nicht. Kaum sind die Notfallkräfte mit ihrem Patienten im Städtischen Klinikum an der Teutoburger Straße angekommen, bildet sich auch dort eine Menschenmenge. Sarah Siedschlag spricht von rund 30 Personen, die am Eingang versuchen, ins Krankenhaus zu gelangen. Mehrere Streifenwagenbesatzungen und Sicherheitskräfte des Klinikums können das verhindern und die Menschen beruhigen, die am Ende das Krankenhausgelände verlassen.

Am Ende bleibt die Lage ruhig

Dann stirbt der Patient Freitagmittag, und wieder versammeln sich mehr und mehr Angehörige am Klinikum. Das Krankenhaus befürchtet eine brenzlige Lage, als sich bis zu 40 Personen einfinden, und alarmiert die Polizei. Mehrere Streifenwagen werden entsandt, der Sicherheitsdienst des Klinikums wird aufgestockt. Am Ende bleibt die Lage ruhig, wie Sarah Siedschlag berichtet. Wohl auch deshalb, weil mit den Angehörigen ein Weg gefunden wird, wie sie von dem Verstorbenen Abschied nehmen können.

Noch völlig unklar ist der Polizei, warum sich die Menschengruppe den Rettern überhaupt entgegengestellt hat. Aus kulturelle Gründen? Aus einem Misstrauen gegenüber den Einsatzkräften heraus? „Das müssen wir noch aufklären“, sagt Sarah Siedschlag. Auch Hans-Dieter Mühlenweg hat noch keine Erklärung. Von der Alarmierungslage her sei es zunächst ein „ganz normaler Einsatz“ gewesen. Dass Rettungskräfte auf diese Weise behindert werden, sei eher ein Einzelfall.

Kommentare

franz.B  wrote: 19.09.2020 00:21
Was sollen wir uns darüber Gedanken machen...?
Im 21. Jahrhundert stellen sich Menschen Hilfskräften in den Weg, obwohl ein Mensch medizinische Hilfe benötigt. Und dieses ist kein Einzelfall. Es wird aber wieder einige Psychologen und Soziologen sowie Politiker geben, die uns mündigen Bürgern erklären können, warum das so ist. Also sollten wir alles so lassen, wie es ist...........?
Total 1 comments
Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7591163?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198387%2F2513179%2F
Gesundheitsminister Spahn hat Corona
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat sich mit dem Coronavirus angesteckt.
Nachrichten-Ticker