Ausstellung über Deutsche Friedhofskultur ist Immaterielles Kulturerbe
Viel mehr als letzte Ruhestätte

Bielefeld (WB). Am Tag des Friedhofs an diesem Sonntag wird in vielen Städten daran erinnert, dass die Friedhofskultur Deutschland ins Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen wurde. Eine Ausstellung dazu findet auf dem Alten Friedhof am Jahnplatz statt.

Samstag, 19.09.2020, 04:00 Uhr
Hans-Jörg Krauß, Geschäftsführer der Friedhofs GmbH, und seine Tochter Johanna nutzen den Tag des Friedhofs, um darüber zu informieren, dass die deutsche Friedhofskultur in die Liste des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen wurde. Foto: Bernhard Pierel

Friedhöfe sind mehr als nur letzte Ruhestätten, sondern vielmehr Plätze, auf denen reges Leben stattfindet. Und nicht nur das. Beim Rückblick auf die Wandlungen der Bestattungsrituale wird deutlich, dass die Friedhöfe Kulturgeschichte erzählen. Das hat auch die Deutsche UNESCO-Kommission erkannt, auf deren Empfehlung die Friedhofskultur Deutschland in das bundesweite Verzeichnis der Immateriellen Kulturgüter aufgenommen wurde.

„Unser lebendiges Geschichtsbuch“

Das geschah bereits im März und ging im Corona-Lockdown unter. Hans-Jörg Krauß, Geschäftsführer der Friedhofs GmbH Bielefeld und damit für den Alten Friedhof im Herzen der Stadt zuständig, nutzt den Aufruf des zuständigen Kuratoriums dazu, an diesem Sonntag einmal einen etwas anderen Blick auf den Friedhof zu werfen.

Ein gutes Dutzend Fototafeln wird auf dem etwa 1,4 Hektar großen Areal aufgestellt. Sie titeln „Unser aktiver Klima- und Naturschutz“, „Unser grüner Senior*innentreff“, Unser großer Skulpturenpark“, „Unsere inspirierende Kulturlandschaft“ und zum Beispiel „Unser lebendiges Geschichtsbuch“, laden ein zum Lesen und Verweilen. Auch die Kapelle ist geöffnet. „Wir sind der Friedhof in Bielefeld mit den täglich meisten Besuchern“, verweist Geschäftsführer Krauß darauf, dass die Grünfläche gerne auch zu Mittags- oder kleinen Verschnaufpausen nach dem Einkaufsbummel genutzt wird.

Friedhöfe haben eine soziale Funktion

Hans-Jörg Krauß, seine Tochter Johanna Krauß und Friedhofsgärtner Merlin Leichner stehen am Sonntag von 10 bis 14 Uhr an der Kapelle für Gespräche und Fragen bereit. „Friedhofsführungen sind möglich“, sagt Krauß, schränkt aber ein, dass „nicht die Friedhöfe an sich zum immateriellen Kulturerbe ernannt worden sind, sondern die Friedhofskultur, also all das, was Menschen auf dem Friedhof tun.“

Krauß hebt die soziale Funktion des Friedhofes hervor. Er sei Treffpunkt für Familien und Angehörige, wirke der sozialen Vereinsamung von Hinterbliebenen entgegen. „Nicht zu vergessen ist die Bedeutung der Friedhöfe auch für den Naturschutz, zum Beispiel als Ort der Biodiversität“, erklärt Krauß.

Auch wenn es nicht um den Bestattungsort an sich geht – bei einem Spaziergang über den Alten Friedhof wird deutlich, wie sich die Kultur im Wechsel der Zeiten gewandelt hat und der Umgang mit den Toten ein Spiegel der Gesellschaft ist. Auf dem Alten Friedhof, der schon im 66. Jahr nach seiner Eröffnung (1808) zum Alten Friedhof wurde, stehen 302 unter Denkmalschutz gestellte Grabmale. Das bekannteste davon ist wohl das Vierlingsgrab, welches zu den ältesten noch erhaltenen Grabstätten Bielefelds zählt.

Anonyme Bestattungen haben großen Zulauf

Im krassen Kontrast dazu steht das anonyme Gräberfeld. Laut Hans-Jörg Krauß, der auch Geschäftsführer der Krematorium Bielefeld Betriebs GmbH ist, sind 95 Prozent der Bestattungen auf dem Alten Friedhof Urnenbestattungen. „75 Prozent davon sind anonym“, weiß Krauß. Bei der Hälfte dieser anonym Bestatteten wird zumindest mit einem Namensschild am Rand der Rasenfläche an sie erinnert, beim Rest bleibt nicht einmal das.

Tag des Friedhofs

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Foto: Bernhard Pierel
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Den Trend, das immer weniger Menschen sich um die Pflege der Gräber von Angehörigen kümmern wollen oder können, hat der Alte Friedhof bei seiner Neueröffnung 2000 sogleich aufgegriffen. Auf dem gesamten Friedhof gibt es keine Grabstelle, die von Angehörigen bepflanzt wird. Selbst bei Erdbestattungen sind nur Pflanzschalen und Blumensträuße möglich. Die Ausstellung „Immaterielles Erbe Friedhofskultur“ ist zwei Wochen lang auf dem Alten Friedhof zu sehen.

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