Corona: Bielefelds Krisenstabsleiter Ingo Nürnberger äußert sich zu Arminia, Weihnachtsmarkt, Schulen und Kitas
„Alm-Öffnung stellt aktuell kein zu großes Risiko dar“

Bielefeld (WB). 32 Corona-Fälle zählte die Stadt Bielefeld in den vergangenen sieben Tagen. In der Woche zuvor wurden 1153 negative Tests vorgelegt. Die Quote positiver Tests lag bei 3,27 Prozent (Vorwoche: 5,34 Prozent). „Das alles sind gute Zahlen“, sagt Krisenstabsleiter Ingo Nürnberger.

Freitag, 18.09.2020, 14:54 Uhr aktualisiert: 19.09.2020, 09:38 Uhr
Wenn alles glatt läuft, dürfen beim ersten Bundesliga-Heimspiel 5400 Fans in die Schüco-Arena. Foto: Thomas F. Starke

Für ihn sei ist es deshalb fachlich vertretbar, dass die Stadt gemeinsam mit der Bielefeld Marketing an einem „corona-konformen“ Konzept für den Weihnachtsmarkt arbeitet. „Und ich glaube auch, dass die Öffnung der Alm für etwa 5400 Fußballfans zumindest aktuell kein zu großes Risiko darstellt“, erklärt Nürnberger.

Er wisse, dass es zu Weihnachtsmarkt und Stadionöffnung auch viele skeptische und kritische Stimmen gebe. „Ich bin aber der Auffassung, dass wir Veranstaltungen, die nach der Coronaschutzverordnung möglich und mit einem guten Hygiene- und Schutzkonzept ausgestattet sind, keine Steine in den Weg legen sollten“, so der Krisenstabsleiter.

„Ticketverkauf kann am Sonntag beginnen“

Die Stadt wisse, dass man noch einige Monate auf die Impfung warten müsse. Nürnberger: „Da dürfen wir nicht übersteuern, sonst akzeptieren die Menschen die wirklich notwendigen Einschränkungen nicht mehr. Wir haben aber immer die Möglichkeit, auf steigende Infektionszahlen rasch zu reagieren – auch in Bezug auf die Zuschauerzahlen auf der Alm oder der Durchführung des Weihnachtsmarkts.“

Arminia Bielefeld habe in den vergangenen Tagen das Grundkonzept zur Zulassung von Zuschauern an die neuen Regeln der Coronaschutzverordnung angepasst und habe dabei in einem engen Austausch mit der Stadt gestanden. Nach dem Gespräch an diesem Freitag zwischen den Arminia-Vertretern und dem Krisenstabsleiter und Vertretern des Gesundheitsamts und des Ordnungsamts werde der Verein letzte Detailänderungen vornehmen. Auf dieser Basis könne das Hygiene- und Infektionsschutzkonzept dann aller Voraussicht nach umgehend von der Stadt genehmigt werden.

320 Tests an Schülern und Lehrern

Die Stadt wird das Konzept ebenfalls umgehend dem Gesundheitsministerium vorlegen, um das in der Coronaschutzverordnung vorgesehene Einverständnis des Ministeriums einzuholen. „Der Ticketverkauf kann am Sonntag beginnen – allerdings unter dem Vorbehalt, dass sich das Infektionsgeschehen nicht deutlich verschlechtern darf und das Ministerium das Einverständnis erklärt“, so Nürnberger.

In dieser Woche wurden in der Teststelle (ehemals Kahmann-Ellerbrock) etwa 320 Tests an Schülern und Lehrern der Schulen Gymnasium Heepen, Eichendorff-Grundschule, Martin-Niemöller-Gesamtschule und Rudolf-Rempel-Berufskolleg vorgenommen. Zusätzlich wurden rund 40 immobile Personen vom ASB zu Hause abgestrichen. Ein Großteil der Testergebnisse liegt mittlerweile vor, die bezüglich Gymnasium Heepen und Eichendorff-Grundschule negativ ausgefallen sind. „Bezüglich Martin-Niemöller-Gesamtschule und insbesondere Rudolf-Rempel-Berufskolleg warten wir auf die Ergebnisse“, sagt der Krisenstabsleiter.

Rudolf-Rempel-Berufskolleg geschlossen

Das Rudolf-Rempel-Berufskolleg musste am Freitag und Samstag weitgehend geschlossen bleiben, weil nach einem positiven Test einer Lehrkraft umfangreiche Erhebungen zu den Kontakten vorgenommen werden mussten. Aktuell gibt es für Montag ein weiteres Testangebot für etwa 240 Schüler und 140 Lehrer. Über den Schulbetrieb informiert das Berufskolleg auf seiner Homepage.

Trotz der insgesamt geringen Infektionszahlen ist die Arbeitsbelastung im Gesundheitsamt sehr hoch. Es müssen mittlerweile mehrere Massentests in der Woche organisiert werden. Die Kontaktnachverfolgung wird vom Gesundheitsamt gerade bei den Infektionsfällen an Schulen sehr aufwändig betrieben, um einerseits Infektionsherde einzudämmen und andererseits den Schulbetrieb möglichst gut aufrechterhalten zu können.

Reibereien mit einzelnen Kita-Eltern

Die zahlreichen Testergebnisse müssen ausgewertet und dokumentiert werden. Auch durch die Reiserückkehrer entsteht nach wie vor ein hoher Arbeitsaufwand, gerade durch die aktuelle Ausweitung der Risikogebiete. Deshalb muss auch der hohe Personaleinsatz in der neu gebildeten Corona-Abteilung aufrechterhalten werden.

In den Kitas der Stadt wiederum läuft der Regelbetrieb zurzeit weitgehend reibungslos. In Einzelfällen kommt es zu Konflikten mit Eltern, die beim Betreten der Kitas bzw. im Kontakt mit den Erzieherinnen keinen Mund-Nasen-Schutz tragen wollen („Maskenverweigerer“). Auch die Frage, ob ein Kind mit Erkältungssymptomen in die Kitas kommen darf bzw. ob es abgeholt werden muss, führt zu Reibereien.

Drei Neuinfektionen am Freitag

„Ich bitte sehr herzlich um Verständnis der Eltern: Wir müssen alle viel Rücksicht aufeinander nehmen, so können wir gemeinsam die Kitas so gut wie möglich vor den Corona-Risiken schützen. Dann können wir auch künftig den Regelbetrieb möglichst reibungslos durchführen und verhindern Unsicherheit in der Kitagemeinschaft“, appelliert Ingo Nürnberger.

Am Freitag wurden der Stadt drei Corona-Neuinfektionen gemeldet. Damit steigt die Anzahl der positiv auf das Coronavirus getesteten Bielefelder auf 815. Aktuell infektiös sind 61 Menschen (+1). Von den positiv Getesteten sind 746 Menschen genesen - das sind zwei mehr im Vergleich zum Vortag. In Quarantäne befinden sich aktuell 540 Personen, das sind elf weniger als am Donnerstag. Die Zahl der positiv getesteten Reiserückkehrer – diese wird seit 17. Juli erhoben bleibt bei 109. Die Neuinfektionsrate in den vergangenen sieben Tagen liegt bei 9,6 pro 100.000 Einwohner, das entspricht 32 Neuinfizierten.

 

 

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„Mit diesen hohen Zahlen habe ich nicht gerechnet“
Eigentlich ist Markus Altenhöner Kreisdirektor und Kämmerer. 90 Prozent seines Tagesablaufs ist er derzeit jedoch mit der Bewältigung der Corona-Krise beschäftigt. Der 40-Jährige leitet den zwölfköpfigen Krisenstab. Foto: Moritz Winde
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