Bezirksvertretung Brackwede kippt alten Beschluss: SPD lenkt nach Rolle rückwärts nun auch offiziell ein * mit Kommentar
Platz in Bielefeld wird nach Augustyniak benannt

Bielefeld (WB). Jetzt also doch: Die Grünfläche in den Queller Breeden wird nach dem in Afghanistan getöteten Soldaten Martin Augustyniak benannt. Diesen Beschluss fasste die Bezirksvertretung (BZV) Brackwede am Dienstag mit 13 zu 2 Stimmen – inklusive der Stimmen der SPD. Erwartungsgemäß hat sich die SPD-Fraktion damit dem Druck aus der eigenen Partei und der Öffentlichkeit gebeugt. Dagegen stimmten Linke und Grüne.

Mittwoch, 09.09.2020, 05:00 Uhr
Der künftige Augustyniak-Platz im Queller Breedenviertel: Gedenkstein (links) und Stele erinnern bereits an den 2010 in Afghanistan gefallenen Soldaten. Foto: Thomas F. Starke

Diesem banalen Beschluss, den die BZV Brackwede ein erstes Mal schon im Januar 2019 bei einer Gegenstimme der Linken getroffen hatte, war in den vergangenen Tagen eine äußerst emotionale Diskussion vorausgegangen: Über die sozialen Medien und andere Kanäle hatte diese sich bundesweit und nach WESTFALEN-BLATT-Informationen bis zum SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil hoch geschaukelt.

Denn bei der planmäßig letzten Sitzung der BZV im August nahm die Brackweder SPD – wie berichtet – plötzlich Abstand von ihrem ursprünglichen Beschluss und verhinderte damit die bereits beschlossene Umbenennung des Platzes. Man wolle keinen solchen „Heldengedenkplatz“ schaffen, begründete der scheidende Fraktionschef Hans-Werner Plaßmann die neue Haltung seiner Fraktion.

Nach Bekanntwerden dieses Umstandes mussten sich die Brackweder Sozialdemokraten aus allen Himmelsrichtungen beschimpfen lassen; nicht nur von der Brackweder CDU-Fraktion, die dieses Verhalten als „Rolle rückwärts“ und als „Schlag ins Gesicht der Angehörigen“ wertete, sondern auch vom Reservistenverband der Deutschen Bundeswehr und vom Verein Veteranenkultur. Letztere erinnerten beide daran, dass der damals 28 Jahre alte Hauptgefreite Martin Augustyniak sein Leben „für unsere demokratische und freie Gesellschaft“ gab. Man habe deshalb einen Ort schaffen wollen, der zum Erinnern und Nachdenken anregt; einen Ort, an dem man Menschen wie Augustyniak Respekt und Anerkennung zollen kann.

Nach einigen Tagen Bedenkzeit hatte Oberbürgermeister Pit Clausen seine Brackweder Genossen darum gebeten, ihre Entscheidung zu korrigieren. Die Brackweder SPD wollte die Verantwortung daraufhin auf die neue, noch zu wählende BZV abwälzen. Dagegen lehnte sich wiederum die CDU-Fraktion auf, verlangte zur Korrektur des Beschlusses die Ansetzung einer Sondersitzung.

Kommentar

Man darf darüber streiten, ob es angemessen ist, einen im Kampf getöteten Soldaten dadurch zu würdigen, dass ein öffentlicher Platz nach ihm benannt wird; zumal auf dem noch namenlosen Platz bereits ein Gedenkstein und eine Stele an diesen Mann erinnern. Darüber hinaus liegen Augustyniaks sterbliche Überreste auf dem Queller Friedhof in einem Ehrengrab, an dem die Kriegsgräberfürsorge alljährlich zum Gedenktag einlädt. Das alles ist auch ohne einen „Augustyniak-Platz“ schon eine Menge an Würdigung.

Dennoch wurde in der Brackweder Bezirksvertretung konstruktiv um die mögliche Benennung des Platzes gestritten. Am Ende einigte man sich darauf, Augustyniak auf diese Weise zusätzlich zu ehren. Mit der Entscheidung, ihr Ja-Wort zuerst zurückzunehmen, um dann am Dienstagabend auf massiven Druck von außen auch diese Entscheidung zu revidieren, hat die Brackweder SPD dem Ansehen der Stadt und sich selbst keinen Gefallen getan. Der Bürger wünscht sich Politiker, die weniger wankelmütig sind. Markus Poch

 

 

Kommentare

Volker Lehmann  wrote: 09.09.2020 14:29
Martin Augustyniak Gedenkplatz
Liebe Bürgerinnen und Bürger der Stadt Bielefeld,

der Martin Augustyniak Gedenkplatz dient dem mitfühlendem Gedenken an unsere gefallenen Bundeswehrsoldaten als zivilgesellschaftliche Gesamtaufgabe.
Hinterbliebene, Soldaten,Veteranen Reservisten und ungediente Bürger unserer Zivilgesellschaft lernen sich bei einem gemeinsamen Gedenken besser kennen. Vorurteile werden abgebaut , die Menschen hören einander zu ,
mögen sich durch die Gespräche miteinander besser verstehen., es mögen gute Freundschaften entstehen, es mögen sich im Gespräch Hilfestellungen für die Hinterbliebenen entwickeln. Der Martin Augustyniak -Platz ist neben dem Gedenkort , eine Begnungsstätte der ganzen Gesellschaft. Mir ist es von ganzem Herzen wichtig einen Ort des friedlichen Miteinanders geschaffen zu haben , mit der Unterstützung von Veteranenkultur, dem Reservistenverband, Combatveteran e.v, FUAV. Darum ging es Ursula Wolf und mir im Jahre 2018. Und wir sind Christian Faul, Patrick Sensburg , Veteranenkultur, Christophe Böckling , Axel Loher Combatveteran e,V
und allen Helfern so dankbar für ihren unermüdlichen Einsatz.
Die Losung heißt: Gemeinsam gedenken, gemeinsam verstehen, gemeinsam helfen und respektieren, gemeinsam Vorurteile abbauen und versöhnen. Gemeinsam Dankbar für alle Menscheen sein, die sich für den Frieden einsetzen. Soldaten,Polizisten , die sich für die Allgemeinheit einsetzen.
Darum ist es wichtig auch an unsere 114 gefallenen Soldaten im öffentlichen Raum zu erinnern.
Ihr Schicksal mahnt dazu militärische Mittel nur zur Friedenssicherung, zur Herstellung des Friedens einzusetzen. Als letztes Mittel.
Gerade wir Soldaten und Reservisten, Veteranen,Polizisten wissen was uns in einem Einsatz schlimmes erwarten kann,
wir wünschen uns in der Öffentlichkeit einfach mal ein kleines Wort des Danke für unseren Dienst den wir für Euch und andere Menschen leisten. Damit eines Tages alle Menschen in Frieden leben können.
Lasst uns fair und friedlich, verständnisvoll miteinander umgehen.
Liebe Deinen nächsten wie Dich selber. Das wünsche ichmir auch in der politischen Auseinandersetzung
um unseren Platz. Wer sich soziale Gerechtigkeit und kKimaschutz auf die Wahlplakate schreibt, sollte auch fair im Namen Jesu Christi mit uns Soldaten, Reservisten, Ursula Wolf,Lothar Wolf,Natela Augustyniak,Remo Augustyniak, mit allen Hinterbliebenen unserer Gefallenen Soldaten und Polizisten umgehen.
Alle Volksvertreter waren einmal konfirmiert, getauft , gefirmt worden. Hatten humane Werte zu Hause gelernt.
Hört mir zu: Seid endlich nett zueinander. Werft nicht mehr mit Schmutz und Dreck, lebt in der Nachfolge Jesu Christi.
Das Recht auf Religionsfreiheit schützen doch wir Soldaten, Reservisten und Polizisten.
Der Friede des Herren sei mit Euch,
Amen

OSG d.R. Volker Lehmann, Idealist ,Optimist und Menschenfreund
Amen
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